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Eine Studie zeigt: nicht alle Coronaprotestler sind AfD-Anhänger, aber fast alle AfD-Anhänger sind Coronaprotestler. (Symbolbild)
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Eine Studie zeigt: nicht alle Coronaprotestler sind AfD-Anhänger, aber fast alle AfD-Anhänger sind Coronaprotestler. (Symbolbild)

KOLUMNE

Leben schützen

  • Anetta Kahane
    VonAnetta Kahane
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Die künftige Bundesregierung, darf kein Verständnis haben für unaufgeklärten, anti-modernen und in Teilen undemokratischen Populismus. Die Kolumne.

Eine Studie fand neulich heraus, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Wahlverhalten zugunsten der sogenannten Alternative für Deutschland (AfD) und hohen Inzidenzen in der Coronapandemie gibt. Ganz besonders in Ostdeutschland zeigt sich nach gründlichen Analysen vieler Faktoren, dass Querdenker in der Regel auch zum AfD Umfeld gehören. Im Westen ist es ähnlich, nur dass dort noch andere kulturelle Traditionen, wie beispielsweise die der Anthropologen hinzukommen.

Mit anderen Worten: nicht alle Coronaprotestler sind AfD-Anhänger, aber fast alle AfD-Anhänger sind Coronaprotestler. Dass die Teile der Querdenkerszene, die eher aus einem alternativen Milieu kommen, sich jedoch nicht zu schade sind, auch mit Rechtsextremisten und Rassisten auf die Straße zu gehen und sich dabei antisemitisch in Ton und Aussage vergreifen, spricht für sich.

Was mich wie viele andere Menschen sauer macht ist, wie jetzt in der vierten Welle das Land auszubügeln hat, was diese Impfverweigerer angerichtet haben. Seit der Rechtspopulismus mit der AfD in unsere Normalität eingedrungen ist, wird eine politische Tradition in Deutschland wieder deutlich: Das Zurückweichen vor dem Mob, besonders wenn er von rechts kommt.

Wutbürgerinnen und Wutbürger, das Grölen der Straße, die Verschwörungsidiotie, von der ich manchmal denke, dass die Grölenden selbst sie nicht glauben können, ja selbst Gewalt und Drohungen – und was tut die Politik? Sie weicht zurück. Sie nimmt Rücksicht und wählt Maßnahmen und Worte mit Vorsicht.

Der Slogan „mit Rechten reden“ schwebt seit Jahren über Deutschland. Bisher hat er nur dazu geführt, dass diese „Rechten“ sich ermutigt fühlten und deshalb immer mehr wurden. Solange das „nur“ auf Kosten von sichtbaren Minderheiten ging, war es offenbar ein zynischer aber akzeptabler Preis.

Die mit Rechten redeten zeigten großherziges Verständnis, Bereitschaft zum Dialog und ein beruhigendes oder auch beunruhigendes Einvernehmen in vielen Fragen. Das macht ihnen noch immer ein gutes Gefühl. Probleme wurden damit nicht gelöst, die Hatz auf Minderheiten nahm derweil sogar noch zu. Aber – naja – wen kümmern „die“ schon.

In der Pandemie rächt sich diese Strategie. Jetzt trifft es die Mehrheit – ganz unabhängig von der Hautfarbe. Menschen, die sich impfen lassen und sich umeinander sorgen, tapfer die Herausforderungen der Maßnahmen ertragen, haben jetzt das Nachsehen.

Bisher hielten sie sich zurück im Angesicht der schreienden Querdenker. Aber langsam wächst auch hier die Wut. Über die Rücksichtslosigkeit der Verweigerer, über Unvernunft, Aggression und die Tatsache, dass die Kultur des Zurückweichens heute Leben kostet. Sie sagen zurecht, mit Einstellung kann die Pandemie nicht überwunden werden. Nicht in diesem Winter und nicht im nächsten.

Ich wünsche mir von der neuen Bundesregierung, dass sie nicht mehr zurückweicht. Die Kultur eines besonderen Verständnisses für unaufgeklärten, anti-modernen und in Teilen anti-demokratischen Populismus muss ein Ende haben.

Argumente ja, Gespräche auf jeden Fall. Beides gehört zur Demokratie. Die wohlfeile Kultur ständig mit Rechten zu reden, hat Terrormorde nicht verhindert. In der Pandemie wird diese Kultur lebensgefährlich für tausende Menschen. Leben zu schützen, liebe neue Regierung, sollte immer Priorität haben.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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