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Was haben Frösche mit dem in die Wissenschaft eingeführten Namen Philautus nepenthophilus zu tun?
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Was haben Frösche mit dem in die Wissenschaft eingeführten Namen Philautus nepenthophilus zu tun?

Kolumne

Sensationelle Entdeckung: Neu entdeckter Frosch lebt an Ort, der ihn eigentlich töten soll

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Eine neu entdeckte Froschart erweist sich als unverdaulich und weckt Hoffnungen für die Medizin, wenn sie nicht vorher ausstirbt. Die Kolumne.

Zwischen 150 und 200 Arten von Lurchen sind es, die jedes Jahr neu entdeckt werden. Salamander und Molche sind darunter, die meisten aber sind Frösche. Da ist es erstaunlich, dass einem neu entdeckten hüpfenden Winzling aus den Wäldern Borneos derzeit so manche Zeitungsnotiz gewidmet wird.

Das Sensationelle an der Entdeckung ist weniger, dass er der Wissenschaft bisher unbekannt war, sondern vielmehr, wie das Tierchen lebt. Es sitzt in Kannenpflanzen und legt dort auch seine Eier hinein. Nun ist es nichts Neues, dass manche Froscharten in winzigen Wasseransammlungen leben und laichen.

Neu entdeckter Frosch kann nicht verdaut werden

Dieses Fröschchen aber lebt in den Behältern mit den glatten Wänden, welche den Kannenpflanzen als Fallen für Insekten und andere kleine Tiere dienen. Die Flüssigkeit im Innern der Kanne ist eine Enzymsuppe, in der die hineingefallenen Opfer zersetzt und verdaut werden. So deckt die Pflanze ihren Nahrungsbedarf.

Das ist sinnvoll, weil in den Böden der Tropenwälder kaum Nährstoffe vorhanden sind und unter den dortigen zahlreichen Pflanzenarten ein heftiger Konkurrenzkampf herrscht um diese knappen Ressourcen. Da besorgt sich die Kannenpflanze das, was sie braucht, auf solch raffinierte Weise.

Es ist eine Fehlmeinung, dass das artenreiche Leben im Dschungel so üppig gedeiht, weil die Böden alles reichlich liefern. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Pflanzen müssen mit vielerlei verschiedenen Strategien um ihre Versorgung wetteifern. So erklärt sich die Vielfalt an Arten, aber auch, warum die armen tropischen Böden für intensive Landwirtschaft nicht taugen.

Philautus nepenthophilus: Was ist das besondere am Frosch?

Aber was hat das mit dem Fröschchen zu tun, das jetzt mit dem Namen Philautus nepenthophilus in die Wissenschaft eingeführt wurde? Eigentlich müssten den Kannenpflanzen die Frösche und ihre Eier doch eine willkommene Eiweißquelle sein.

Hier liegt das Geheimnis. Ein unbekannter Mechanismus verhindert, dass sie verdaut werden. Stattdessen genießen die Kaulquappen und ihre Eltern in den Kannen Schutz und liefern der Pflanze mit ihren Verdauungsprodukten Nahrung. Beide Arten profitieren.

Einen Verdauungshemmer hatte man vor Jahren schon einmal in zwei australischen Froscharten vermutet. Die Magenbrüterfrösche verdauen eigentlich alles, was sie schlucken können, nicht aber ihre eigenen Eier. Die werden verschluckt und verlassen das elterliche Verdauungsorgan erst als fertige kleine Fröschchen. Kein Wunder, dass diese beiden Arten Magenbrüterfrösche genannt wurden.

Kannenpflanze schützt Frosch Philautus nepenthophilus nicht vor Klimawandel

Ja, Vergangenheit. Denn sie gelten seit Jahren als ausgestorben, der Grund ist unbekannt. Es gab in den Forschungslaboren viele enttäuschte Gesichter, denn nun war jede Hoffnung zunichte, hieraus medizinischen Nutzen etwa gegen menschliche Magenleiden zu entwickeln.

Die Magenbrüter lehren uns sozusagen posthum, dass wir mit dem Aussterben von Arten ungeahnte Chancen verlieren, Wissen und Nutzen für unsere Zukunft zu entwickeln. Der Kannenpflanzenfrosch könnte das Glück haben zu überleben, denn sein Lebensraum liegt in einem Nationalpark. Ob er dort allerdings vor dem Klimawandel sicher ist, wird angesichts der globalen Entwicklungen immer unwahrscheinlicher. Davor schützt ihn auch keine Kannenpflanze. (Manfred Niekisch)

Der Autor ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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