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NRW-Wahl: Will die AfD den Bundes-Höcke?

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Von: Katja Thorwarth

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Landesparteitag der AfD Thüringen
Allzeit-Ultra Björn Höcke - bald der Bundes-Führer der AfD? © Bodo Schackow/dpa

Die AfD kommt in Kiel nicht mehr ins Parlament. Daran sollte sich NRW ein Beispiel nehmen, wenn am kommenden Sonntag gewählt wird. Die Kolumne.

Wie eine erfolgreiche Entnazifizierung funktioniert, lässt sich im Norden nachzeichnen. Genauer gesagt in Schleswig-Holstein, wo das Landesparlament künftig frei jeglicher blau-brauner Einflussnahme dem politischen Tagesgeschäft nachgehen kann. Magere 4,4 Prozent machten noch ihr Kreuzchen bei der AfD, weshalb sich zumindest die von ihrem eigenen Verein aus der Fraktion entfernte „Fürstin der Finsternis“ (Doris von Sayn-Wittgenstein) auf die Schultern klopfen dürfte.

Immerhin hatte der ehemalige Star am völkischen Himmel kurz vor den Wahlen ihre einstige Herzenspartei für „unwählbar“ erklärt und über „Verfassungsspitzel im Landtag“ orakelt. Diesbezüglich muss fortan niemand mehr Sorge tragen, und folgt man Infratest Dimap, sind die extrem rechten Wähler:innen entweder zu Hause geblieben oder aber zur FDP beziehungsweise CDU abgewandert.

AfD-Spitzenkandidat Jörg Nobis war ordentlich blass, als er noch ein klägliches „Wir sind raus“ über die Lippen brachte, während AfD-Chef Tino Chrupalla zwar enttäuscht, aber tapfer den Blick gen Nordrhein-Westfalen richtete. Dass die Pressekonferenz in der Stunde der Schmach gestrichen wurde, war nur logisch. Wer wollte schon Fragen über Schlammschlachten beantworten im Hinblick auf die Häme der eigenen Klientel?

„Fürstin der Finsternis“ alias Doris von Sayn-Wittgenstein.
„Fürstin der Finsternis“ alias Doris von Sayn-Wittgenstein. © Carsten Rehder/dpa

Landtagswahl in NRW: Ein zweites AfD-freies Bundesland?

Ziehen wir an dieser Stelle also ein kleines Zwischenfazit, liebe Leser:innen: Ein Bundesland ist seit dem 8. Mai 2022 AfD-frei, womit dieser Staat tatsächlich ein klitzekleines bisschen besser wurde. Es ist nicht mehr Nazi-gegebener Fakt, dass sich die Spalter:innen von sehr rechts bis ultrarechts in jedem Parlament tummeln, nur um eine gesellschaftliche Meinungsdeckung zu behaupten, die im Verhältnis zu ihrem aufdringlichen Geplärre so nie existiert hat – regionale Unterschiede sind hier selbstverständlich eingepreist.

Entsprechend gilt es, bei der Landtagswahl in NRW die 7,4 Prozent von 2017 um Minimum 2,5 Punkte zu reduzieren. Pädagogische Basiserfahrungen zeigen natürlich, dass zu viel Druck selten zum gewünschten Ergebnis führt. Dennoch könnte neun Jahre nach Gründung der sogenannten Alternative für Deutschland (AfD) der Slogan „AfD raus aus den Parlamenten“ vom leeren zum wegweisenden Twitter-Hashtag mutieren.

Mutiert Björn Höcke nach der Landtagswahl in NRW zum Bundes-Führer?

Vielleicht motivieren zusätzlich die aktuellen Aussagen von Rüdiger Lucassen, immerhin bis Februar noch AfD-Parteichef in Nordrhein-Westfalen. Lucassen sieht in der jüngsten Pleite zwar „noch keinen Beinbruch“, scheint aber in Sachen Personalie das ein oder andere modifizieren zu wollen.

Zumindest fordert er vom Allzeit-Ultra und „Parteifreund Björn Höcke“, es als Bundes-Führer doch mal zu versuchen. „Tolle Ergebnisse“ in Thüringen prädestinieren Höcke offenbar, die wahre Botschaft ins rechtsextreme Volk zu tragen, auf dass womöglich all die Hobby-Nazis endlich mal kapieren, dass mit ihnen kein Reich zu machen ist.

Bei der Landtagswahl am 15. Mai kann NRW in Sachen Entnazifizierung nachlegen

„Weil Sicherheit Zähne braucht“, heißt es leicht verstörend auf der Website der NRW-AfD. Aber genauso verstörend ist, dass der 1986 geborene Martin Vincentz trotz Vorsitz visuell gar nicht als Frontmann fungiert, sondern der Fraktionsvorsitzende Markus Wagner – und der ist laut Wikipedia sogar gegen Corona geimpft.

Da passt der Inhalt nicht zum nach außen transportierten Bild, aber vermutlich verlangt die AfD exakt deshalb nach den Zähnen eines früheren hessischen Geschichtslehrers, um das langfristig wieder geradezurücken. Was soll’s: Am 15. Mai kann NRW in Sachen Entnazifizierung nachlegen. (Katja Thorwarth)

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