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Oskar Oskar Lafontaine 1998.
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Oskar Oskar Lafontaine 1998.

Kolumne

Kolumne zur K-Frage: Armin Laschet und Oskar Lafontaine

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
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Auch in der SPD stritt sich mal ein Gremienfavorit mit einem König der Stimmung um die Kanzlerkandidatur. Die Kolumne.

Geschichte wiederholt sich nicht, sie zitiert sich aber manchmal selbst. Nicht nur wegen des Kanzlerkandidatenstreits Strauß/Albrecht 1976, an den jetzt oft erinnert wurde. Es war 1998, als erstmals der Faktor öffentliche Sympathie eine ähnlich tragende Rolle spielte wie anno 2021. Damals bei der SPD.

Da war einer, neu auf der Bundesebene, den die Menschen zu mögen schienen, den die Demoskopie hochjubelte und den die meisten Medienleute hofierten. Ein anderer stand daneben mit dem bösem Blick: Gremienmann, wohlbekannt in seiner linken Penetranz, als Parteichef an allen Hebeln der Entscheidungsmacht, aber das Publikum hatte den Daumen gesenkt. Ein riesengroßes Ego hatten sie beide. Der eine kam schwiegersohnsympathisch rüber, der andere rechthaberisch.

Letzterer, Oskar Lafontaine, hat damals nach einigem Belauern und Schattenboxen widerwillig aufgegeben. Getrieben vom eigenen Argument, kandidieren müsse der mit den besseren Wahlchancen. Der andere, Gerhard Schröder, wurde Kandidat, dann Kanzler. So wie es jetzt Markus Söder plante, nachdem sie an der Basis der CDU reihenweise zu ihm übergelaufen waren. Angetrieben durch die Daten der Demoskopie – in Wechselwirkung mit dem Faktor Medienbild.

Hier endet das historische Zitat. 2021 hat der Gremienfavorit gegen den Stimmungskönig gewonnen. Begünstigt durch einen Zeitdruck, der das in solchen Fällen mittlerweile stets geforderte Basisvotum der Mitglieder ausschloss. Vor allem aber dank einer wahrlich kanzlertauglichen Nervenstärke. Die hat Armin Laschet offenkundig Lafontaine voraus.

Ansonsten aber, zu sehen in den Tagen danach, sitzt nun der Kanzlerkandidat in all seiner Bräsigkeit einer erschöpften nachmerkelschen Union vor. Seine Schwächen in Sachen Menschenfängerei sind allzu öffentlich besprochen worden. Wer Überhöhungen mag: Das alte, formale Demokratiemodell hat sich nochmal durchgesetzt. Doch die Fans eines anderen, direkteren, stimmungsgeprägten Modells agieren an vielen einflussreichen Stellen. Und Laschet punktet nun mal, was in coronagebremsten Zeiten noch schwerer wiegt als sonst, weder als großer Redner noch als einnehmendes Fernsehgesicht.

Was das ist? Da klafft die letzte Forschungslücke der allgegenwärtigen Kommunikationsprofis. Es gibt nun mal Leute, im bevorstehenden Wahlkampf womöglich mehrere, die im Bewegtbild auf dem Flachbildschirm keinen Eindruck machen. So hallt die Werbefloskel der CSU pro Söder nach: Jener könne die Menschen begeistern. Im Selbstbild hält der verhinderte Kanzler seine Wendigkeit ja für das modernere, jüngere Demokratiekonzept.

Es bietet sich eine Anleihe beim 98er-Verlierer Lafontaine an: „Nur wer von sich selbst begeistert ist, kann andere begeistern.“ Jetzt indes müsste der leise, viele Worte brauchende Laschet jenen Oskar geben, der sich damals nach der Niederlage weiter in einer Art Doppelspitze gewähnt und nach der Wahl die Illusion gehabt hatte, als starker Superminister den neuen Kanzler kontrollieren zu können.

Der Verlauf ist bekannt: Schröder nahm keine Rücksicht, Lafontaine schmiss hin und schwächte per Linkspartei die Regierungsfähigkeit der SPD. Auch Schröders Popularität schwand bald. Der konzeptionelle Mangel wurde unübersehbar, aber erst nach der Wahl. Was das alles für heute heißt? So eine Geschichte ist nie zu Ende.

Liebling Söder wird so oder so noch lange durch die konservative Gefühlswelt spuken. A Hund (bayrisch für schlitzohrige Erfolgsmenschen) wirft nicht hin. Die gemeinsame politische Botschaft? Nun ja, Pudding allerorten. Gemeinsame Auftritte im Bierzelt? In gewisser Weise kann Laschet erst mal froh sein, dass es Corona gibt.

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