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Es ist wie in der Werbung mit dem Frosch, der in sich langsam erhitzenden Wasser sitzt und es nicht merkt.
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Es ist wie in der Werbung mit dem Frosch, der in sich langsam erhitzenden Wasser sitzt und es nicht merkt.

Kolumne

Klimawandel aufhalten!

  • Anetta Kahane
    VonAnetta Kahane
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Alle sind gleichwertig. Das ist eine Grundlage der Demokratie. Wenn dies einem Fußball-Verband zu „politisch“ ist, stellt sich die Frage: Welche Kriterien hat er? Die Kolumne.

Vorab eine Meldung aus der Welt des Fußballs. Der Verein Tennis Borussia Berlin musste gerade sein Heimspiel absagen. Nun, ich bin kein großer Fußballfan, aber die Jungs mag ich sehr. Sie sind sehr engagiert, sie sind witzig und haben jede Menge Courage. Dass sie ihr Spiel absagen mussten, hängt mit der Pandemie zusammen. Und am Rande dann auch mit dem Klimawandel.

Ich glaube, die meisten Menschen wissen, dass die Sache mit dem Klimawandel wohl eine der dringendsten Aufgaben ist, die sich überall auf der Welt stellt – auch in Deutschland. Ohne dass der Klimawandel endlich ernst genommen wird, wird es eng mit dem Fortschritt. Die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft hängt davon ab. Und zwar in kurzer Zeit und nicht nur langfristig. Das weiß inzwischen wortwörtlich jedes Kind.

Gerade bin ich von einer langen Reise zurückgekehrt. Abstand öffnet ja mitunter die Augen. Seit Jahrzehnten arbeite ich gegen eine andere Art von Klimawandel. Schleichend verändert sich auch das Klima in der Gesellschaft.

Der Rechtsextremismus wirkt und vergiftet die gesellschaftliche Luft zum Atmen. Es ist wie in der Werbung mit dem Frosch, der in sich langsam erhitzenden Wasser sitzt und es nicht merkt, während ein anderer Frosch, den man in das das gleiche erhitzte Wasser setzt, sofort in Panik rausspringt.

Offenbar bin ich so ein Frosch und es brauchte einige Wochen außerhalb Deutschlands um zu merken, wie sehr sich das toxische Klima normalisiert hat.

In den Fußball-Regionalligen, also von der 4. Liga abwärts, gehört es an einigen Orten zum üblichen Ton, dass Nazilieder gegrölt, Hitlergrüße gezeigt, Ausschwitzsprüche geschrien werden - jedenfalls von Anhängern von vielen Traditionsvereinen von Dresden bis Cottbus.

Wie reagiert der zuständige Nordostdeutsche Fußballverband darauf? Gar nicht. Rassistische und antisemitische Ausfälle werden hier als Fankultur abgetan. Im Umfeld berüchtigter Vereine kommt es zu Gewalt, die mehr ist, als nur der übliche Fanrausch mit Alkohol. So nach dem Motto, tausende Fans brüllen Nazisprüche und wer kriegt den Platzverweis? Na die, die mit „Nazis raus!“ dagegenhalten wollen. Seit Jahren geht es so.

Nun zu Tennis Borussia. Die Jungs hatten eine Idee. Weil es keinen Sponsor für einen Platz auf deren Trikot gab, wollten sie ihn dem Opferfonds Cura zur Verfügung zu stellen. Er kümmert sich um Opfer rechter und rassistischer Gewalt.

Schließlich, so dachten die Fußballer, ist Gleichwertigkeit aller Menschen Verfassungsgrundsatz. Doch was tut der Verband? Er verbietet das. Die Begründung: Es sei zu politisch, zu einseitig. Und das beste: der Verband hätte Sorge, dass sich „bestimmte Gruppen“ dadurch provoziert fühlen könnten.

Nun, wenn die Grundlage der Demokratie, dass alle gleichberechtigt und gleichwertig sind zu „politisch“ ist, ist die Frage angebracht, auf welcher Grundlage der Verband arbeitet, wenn nicht auf der eines demokratischen Gemeinwesens. Und wie es um deren moralischen Kompass bestellt ist. Die Rücksicht auf Nazifans wiegt dem Verband schwerer als eine Werbung für einen gemeinnützigen Fonds, der Opfer rassistischer Gewalt betreut?

Das ist ein Klimakiller. So etwas heizt die Atmosphäre auf. So entsteht Klimawandel zum Schlechten. Damit kann Deutschland niemals zukunftsfähig werden. Auch das sollte Wahlkampfthema sein!

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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