Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Unter die Kritiker:innen der Corona-Maßnahmen mischen sich immer mehr Rechtsradikale (wie hier in Gera), die Szene radikalisiert sich und wird gewaltbereiter.
+
Unter die Kritiker:innen der Corona-Maßnahmen mischen sich immer mehr Rechtsradikale (wie hier in Gera), die Szene radikalisiert sich und wird gewaltbereiter.

Kolumne

Klare Kante gegen gewaltbereite Corona-Leugner

  • VonJoane Studnik
    schließen

Corona-Leugner und -Leugnerinnen bedrängen Politikerinnen und Politiker. Das geht gar nicht.

Ich spreche mit einer mutigen Frau. Als Karoline Preisler im März 2020 schwer an Corona erkrankt war, teilte sie ihren strapaziösen Kampf gegen die Krankheit in einem Video-Tagebuch. „Es geht mir wieder gut“, sagt sie mir. „Wenn ich jetzt Zipperlein habe, dann die einer durchschnittlichen 50-jährigen Frau.“ Noch von Long Covid geschwächt, ging sie später auf Teilnehmer von Querdenken-Demos zu, konfrontierte die Corona-Leugner mit ihrer eigenen Krankheitserfahrung. Corona-Maßnahmen schränkten ihre Freiheit ein, klagten die Demonstrantinnen und Demonstranten.

Doch unter diesem Begriff versteht die FDP-Politikerin aus der Kleinstadt Barth in Mecklenburg-Vorpommern etwas anderes. Warum sie dennoch das Gespräch suchte, erklärt sie so: „Ich fand es sehr bedenklich, wie die Debatte geführt wird von Menschen, die Maßnahmenkritik üben und im Subtext Demokratiekritik meinen.“

FDP-Politikerin für klare Kante gegen Corona-Leugner: „bis hierher und nicht weiter“

Inzwischen ziehen gewaltbereite Impfgegner mit Fackeln vor Privathäuser von Politikerinnen und Politiker. Soll man mit solchen Leuten wirklich noch reden? Karoline Preisler sieht hier nur eine sinnvolle Antwort, „nämlich eine ganz klare rechtsstaatliche Kante. Stopp, bis hierher und nicht weiter“.

Die Demonstranten in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, sie berufen sich in ihren sogenannten Spaziergängen in Corona-Hochinzidenz-Gebieten auf die Montagsdemos zum Ende der DDR-Zeit. An denen hatte Karoline Preisler als junge Erwachsene selbst teilgenommen, um für Menschenrechte und die Befreiung von einer Diktatur zu streiten. „Wir wollten Gleiche unter Gleichen sein. Die Leute, die jetzt demonstrieren, nehmen demokratische Freiheiten, Grundrechte ausschließlich für sich in Anspruch, verwehren sie anderen, sind im Kern eigene kleine Diktatoren.“

Corona-Regeln und Impfpflichtdebatte werden „in den Leitplanken des Grundgesetzes geführt“

Mit ihrem Freiheitsbegriff setzte sich Preislers Partei während der Corona-Zeit immer wieder schweren Kontroversen aus: Gerade haben sich Dutzende FDP-Bundestagsabgeordnete in einem Gruppenantrag gegen eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen – die eine deutliche Mehrheit der Deutschen befürwortet. Unabhängig vom Ausgang der Debatte glaubt Karoline Preisler, diese werde „uns alle bereichern“. Denn anders als die Fackelspaziergänge werde sie „in den Leitplanken des Grundgesetzes geführt“.

Das bedeutet aber eben auch: Falls eine parlamentarische Mehrheit eine Impfpflicht beschließt, gilt es dies trotz aller Einwände zu akzeptieren. „Demokratie ist auch die Verhinderung von Dickköpfigkeit“, meint Preisler und denkt an ihre erlebte Unfreiheit in der DDR zurück.

DDR-Erfahrungen lassen Corona-Debatten in anderem Licht erscheinen

Nach der Wende habe sie erst mal wie fast alle DDR-Bürgerinnen und -Bürger vor dem Nichts gestanden, doch frei zugängliche Bildung habe sie zu einem glücklichen, selbstbestimmten Menschen gemacht, „weil eine Gesellschaft gesagt hat, ich warte auf dich, und mir dafür jede Hilfe gewährt hat“.

Selbstbestimmung – für Liberale so etwas wie die Zwillingsschwester der Freiheit. Dass ihre Partei zusammen mit den Grünen für eine selbstbestimmte Geschlechterzuweisung kämpfte, streifen wir nur am Rande. Preisler erklärt mir am Beispiel intensivpflegebedürftiger Menschen, warum sie Fremdbestimmung im Gesundheitswesen ablehnt – selbst dann, wenn dadurch Kosten eingespart würden.

FDP-Politikerin plädiert auf Selbstbestimmung – auch im Gesundheitswesen

Eine Pflegekraft, die im Heim mehrere Pflegebedürftige betreut, das wäre doch effizienter? „Doch“, entgegnet Preisler, „wo bleibt die Selbstbestimmung des Menschen, der zwar an einer Beatmung hängt, aber Mitglied einer Familie ist, geliebt, in seinem häuslichen Umfeld?“ (Joane Studnik)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare