Kolumne

Klare Ansagen

  • vonManfred Niekisch
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Eine Studie zeigt, dass immer mehr Menschen mehr Naturschutz wollen. Auch in Krisenzeiten.

Mit dieser Studie im Rücken lässt sich gut Politik machen. Umweltpolitik. Alle zwei Jahre wird sie erhoben, die Studie zum Naturbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger, und das seit 2009. Nun legten das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gerade die sechste dieser Studien vor.

Und siehe da, es gibt erfreuliche Entwicklungen. Dreiviertel der 2044 Befragten, nämlich 75 Prozent, stimmten voll und ganz zu, dass es die Pflicht des Menschen sei, die Natur zu schützen. 2017 waren es 63 Prozent, bei der ersten Studie 2009 sogar nur 54 Prozent. Nimmt man allerdings die Stimmen hinzu, welche diese Aussage nur als „eher zutreffend“ bezeichnen, summiert sich dies 2019 wie in der vorhergehenden Umfrage auf 90 Prozent.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Aussage, dass wir die Natur nur so nützen dürften, dass dies auch für künftige Generationen in gleichem Umfang möglich sei. So gesehen relativiert sich der positive Trend ein bisschen. Aber die beiden Fragen stehen ja nicht allein.

Insgesamt entsteht das Bild, dass in der Tat immer mehr Menschen sich der Bedeutung von Natur und der Notwendigkeit von Naturschutz bewusst sind. 2017 ärgerte es 46 Prozent der Befragten so richtig, dass manche Menschen sorglos mit der Natur umgehen. Ihre Zahl stieg seitdem um volle 16 Prozentpunkte.

Überraschend klar ist die Antwort auf die grundsätzliche Streitfrage um das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Naturschutz. Dass in wirtschaftlichen Krisenzeiten auch der Naturschutz mit weniger Geld auskommen müsse, vertraten 2017 noch 62 Prozent, in der neuesten Studie meint das deutlich weniger als die Hälfte der Befragten.

Des Weiteren findet die Aussage, dass die Natur der wirtschaftlichen Entwicklung nicht im Weg stehen dürfe, aktuell noch weniger Fürsprecher als 2017. Immerhin war schon damals weniger als ein Drittel dieser Meinung.

Setzt sich tatsächlich nach und nach die überfällige Erkenntnis durch, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung den Grundlagen unseres Lebens, der Natur, unterzuordnen hat? Das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz betonen, dass die Studie in ihrer Aussagekraft für ganz Deutschland repräsentativ sei und Menschen aus allen Regionen und sozialen Lagen Deutschlands einbeziehe. Wenn das keine solide Begründung für mehr Naturschutzpolitik ist!

Wenngleich der wissenschaftliche Abschlussbericht mit vertiefenden Analysen zu dieser Studie erst in einem halben Jahr vorliegen wird, zeigen die Aussagen schon jetzt: Es gibt in der Bevölkerung deutliche Mehrheiten für weitere Naturschutzgebiete, besseren Klimaschutz sowie die Energiewende, weg von fossilen Brennstoffen.

Und für verstärkten Schutz der biologischen Diversität. Der Begriff, vor wenigen Jahren noch ein Zungenbrecher, ist inzwischen allgemein verständlich und selbstverständlich geworden. Immerhin fühlt sich weit mehr als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger laut der Studie persönlich für deren Erhaltung verantwortlich.

Warum aber denken knapp 40 Prozent nicht so? Aus Unwissenheit, Hilflosigkeit, Desinteresse? Oder meinen sie, die Politik solle das allein richten? So oder so, mit dieser Studie im Rücken darf die Politik für Natur und Umwelt mutiger werden.

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