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Tote Ärztin Kellermayr: Diffamierung von AfD, Reichelt und Impfgegnern offenbaren Abgründe

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Von: Katja Thorwarth

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Traurig ist, dass die Polizei eine österreichische Ärztin nicht vor ihren Verfolgern geschützt hat. Erschütternd ist, wie sie über den Tod hinaus diffamiert wird.

Da kommuniziert eine Ärztin aus Österreich monatelang ihre Bedrohung durch sogenannte Querdenker:innen und Impfgegner:innen. Legt die Hass-Mails und Mordankündigungen der Öffentlichkeit vor – ohne dass die örtlichen Behörden maßgeblich schützend eingegriffen hätten. Bis Lisa-Maria Kellermayr schließlich tot in ihrer Praxis gefunden wird. Die Polizei schließt ein Fremdverschulden aus.

Das schockiert. Doch wie reagiert der Twitter-Mob? Fangen wir mit Harald Laatsch an, der für die Berliner AfD im Abgeordnetenhaus sitzt. Als „Impfpropagandistin“ habe sie eventuell mit der „schweren Schuld“ nicht mehr leben wollen, jaucht er intellektuell abgekoppelt von menschlichen Regungen wie Empathie oder Reflexion ins Netz.

Trauerkundgebung für die österreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr. Sie wurde monatelang von Impfgegner:innen bedroht.
Trauerkundgebung für die österreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr. Sie wurde monatelang von Impfgegner:innen bedroht. © IMAGO/Martin Juen

Tod von Impfärztin: Youtuber Julian Reichelt setzt in Sachen Niedertracht noch einen drauf

Youtuber Julian Reichelt setzt in Sachen Niedertracht noch einen drauf. Demnach seien „die allermeisten ‚Morddrohungen‘, über die Linke auf Twitter plärren, (…) frei erfunden. Wenn sie echt oder auch nur glaubwürdig wären, würden sie damit zur Polizei gehen.“ Okay, „I’m back“-Reichelt, genau das hat die Ärztin ja getan, aber das weiß Reichelt natürlich. Ihm geht es lediglich darum, mit Negative Campaigning ordentlich Klicks zu generieren.

Bei Reichelt tritt die Kausalität der Ereignisse klar zutage. Etwas versteckter und womöglich damit nichts zu tun haben wollend kommt hingegen ein Tweet von Kristina Schröder daher, der ehemaligen CDU-Familienministerin und Autorin beim Springer-Blatt Welt.

Ihren Twitter-Aktivitäten nach zu urteilen, dürfte sie den Tod der Ärztin mitbekommen haben. Grenzüberschreitungen in der Pandemie kommentiert sie jedoch mit der Unmenschlichkeit gegenüber „Ungeimpften“. Das ist schon stark. Menschen werden mit Todesdrohungen überhäuft, ihnen ihre Existenzgrundlage genommen, weil sie sich ihrem Beruf entsprechend in einer Pandemie verhalten. Aber gesellschaftlich aufgearbeitet werden muss gemäß Schröder zunächst das „Leid“ der Ungeimpften?

„Querdenken“-Ranking: Da will wohl Schröder vor Reichelt sein

„Besonders die ganzen ungeimpften Maskenverweigerer, die in Tankstellen exekutiert wurden, dürfen nicht vergessen werden“, schreibt Kolumnistin Marie von den Benken mit Bezug auf die Tötung des Studenten in Idar-Oberstein und benennt sarkastisch das Dilemma der Populist:innen, wie Schröder eine ist. Da wird auf Teufel komm raus einer angenommenen Mehrheitsmeinung hinterhergequasselt, auf das die eigene Personalie im „Querdenken“-Ranking dem Reichelt auf den Fersen bleibt. Zu den Freiheitsplärrer:innen der Welt passt das natürlich 1a.

Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle der FDP-Politiker, der auf Twitter in einer Liste – „Wir haben mitgemacht“ – Namen und explizit die Adresse eines Mediziners veröffentlichte, weil der sich gegen Impfgegner:innen positioniert. Von einem Pranger will der FDP-Mann nichts wissen, aber was denkt er denn, was seine Klientel mit solch einer Information anfängt? Dass die „Querdenken“-Szene mit gewaltbereiten Rechtsextremen durchsetzt ist, dürfte auch bis zu einem Liberalen vorgedrungen sein – von dem sich selbst die als links unverdächtige Marie-Agnes Strack-Zimmermann distanziert.

„Mundtot gemacht, zum Schweigen gebracht“, ist ja dieser Slogan, der von Corona-Leugner:innen regelmäßig in alle Medien posaunt wird und der permanent Opfer behauptet, wo keine sind. Es ist an der Zeit, sich genau anzuschauen, wer tatsächlich zum Schweigen gebracht werden soll. (Katja Thorwarth ist Autorin und Onlineredakteurin)

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