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Online-Shopping ist beliebt, hat jedoch keinen besonders guten Ruf. (Symbolbild)
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Online-Shopping ist beliebt, hat jedoch keinen besonders guten Ruf. (Symbolbild)

Kolumne

Keine Sozialromantik, bitte

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Online-Handel muss grundsätzlich neu überdacht werden. Er sollte nicht mehr als Übel gesehen werden, sondern als Chance. Die Kolumne.

Eigentlich ist das ja mal wieder so etwas, das alle wollen, jedoch kaum jemand mag. Paradox? Ja. Aber wahr. Der moderne Mensch strebt nach Einfachheit, tut jedoch alles dafür, sich das Leben kompliziert zu machen.

Das ist nicht neu, und es zieht sich durch nahezu alle Bereiche unseres Alltags. Ein gutes Beispiel dafür ist der Einzelhandel. Bis vor 24 Jahren gab es in Frankfurt ein großes Kaufhaus, das M. Schneider. Von der Wollsocke über die Couchgarnitur bis hin zum hausgemachten Kartoffelkloß konnte man dort alles kriegen. In erster Qualität und nach ausgiebiger Beratung von sachkundigem Personal.

Das fanden alle toll – doch kaum jemand ging hin. 1998 schloss das Haus. Zwar unter lautem Wehklagen der Öffentlichkeit, doch es waren Krokodilstränen, die da kullerten. Wusste man doch insgeheim, dass man Mitschuld trug am Niedergang des Traditionsunternehmens. Hätte man öfter dort eingekauft, gäbe es das einst so stattliche Kaufhaus womöglich noch heute.

M. Schneider ist nicht das einzige Beispiel dafür, dass Tradition zwar hoch geschätzt wird, doch für unser tägliches Leben nicht mehr taugt. Was wir erahnen, aber immer noch nicht wahrhaben wollen: Das gilt für den gesamten Einzelhandel. Der kleine Laden um die Ecke, in dem es alles gibt und wo man bestens beraten wird, er ist nicht von gestern, sondern von vorgestern.

Nicht erst seit der Corona-Pandemie hat uns der Online-Handel fest im Griff. Und warum? Weil wir es so wollten. Machen wir uns da mal nichts vor. Zuerst waren wir, erst dann kam das Netz. Und nutzte unsere Bequemlichkeit, sich in alle Ecken und Winkel unseres Daseins auszubreiten.

Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Längst wäre es kleinen Geschäften nicht mehr möglich, eine ausreichend vielfältige Auswahl diverser Waren einzukaufen, zu lagern – und auch noch zu einem akzeptablen Preis zu verkaufen. Dagegen sprechen die Knappheit an Gewerbeflächen gerade in Ballungszentren, die Höhe der Mieten und Löhne sowie der Mangel an qualifiziertem Personal.

Das ist so, und das wird sich nicht ändern. Wer das Gegenteil behauptet, schwelgt in Sozialromantik. Leider. Was aber tun? Das Beste daraus machen. Noch hat das Online-Einkaufen in gewissen Kreisen einen Ruf wie „Bild“ lesen oder ins Puff gehen. Alle tun es, doch niemand spricht darüber. Das muss sich ändern. Vor allem darf das Netzshopping nicht länger einem weltumspannenden Monopolisten überlassen werden.

Und das letzte Glied der Logistikkette müssen nicht maßlos unterbezahlte Menschen bilden, die sich die Hacken ablaufen, um uns möglichst billig zu versorgen. Es ist wie mit der Luftfahrt. Fliegen ist notwendig und nicht mehr wegzudenken. Doch es sollte nur gemacht werden, wenn es unbedingt sein muss – und nicht zu Dumpingpreisen.

Das Modell „Online-Handel“ muss also grundsätzlich neu überdacht werden. Er sollte nicht mehr als Übel gesehen werden, sondern als Chance. Am besten fängt man bei den Kleinen an. Denn welches Kind kriegt denn zu Weihnachten noch einen Kaufladen? Kein einziges.

Und da liegt ein Potenzial. Wie wäre es denn mit einem Computerspiel, mit dem die Kleinen verantwortungsvollen Handel im Netz lernen? In fair, in sozial und in umweltverträglich? Nur mal so als Idee.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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