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Oh Scheiße...
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Oh Scheiße...

Kolumne

Keine Phrasen, bitte!

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
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Was wollen Sie mit dem Fluch „Scheibenkleister“? Sie wollen nicht „Scheiße“ sagen. Das ist gut. Aber überlegen Sie sich ruhig etwas Besonderes. Die Kolumne.

Eigentlich tut man so etwas ja nicht – doch ich mache mal eine Ausnahme. Schließlich sind Sie mir nach all den Jahren ans Herz gewachsen. Also kann ich gestehen: Ich bin gar nicht so genial, wie Sie immer denken. Häufig heißt es nämlich, ich verfüge über die seltene Gabe, neue Begriffe zu erfinden und träfe damit Sachverhalte, Empfindungen und Stimmungen genauer als mit bereits vorhandenem Vokabular. Das ist schön, aber falsch.

In Wahrheit fallen mir vielmehr die passenden Ausdrücke nicht ein und da ich zu faul bin, länger darüber nachzudenken, überlege ich mir einfach neue. Ich finde das gar nicht mal tragisch, schließlich sind alle Wörter irgendwann mal erfunden worden.

Einige schon vor langer Zeit wie Wurst, Knopf oder Gnu, viele sind neuzeitlichen Ursprungs, etwa Differenzialsperre, Kollateralschaden oder Bingo. Ständig werden aber auch ganz frische angefertigt, sie sind sprachgeschichtlich gesehen gewissermaßen noch ofenwarm. Man denke nur an „Trumpismus“ oder das sinnverwandte „Covidioten“.

Was ich damit sagen will: Trauen Sie sich! Jeder auch noch so reiche Wortschatz schreit nach Vergrößerung. Sprache lebt, und Sie sind die Geburtshelfer. Wer denn sonst? Um Wörter zu erfinden, muss man nicht studiert haben. Bildung ist da sogar eher hinderlich.

Sie müssen nur die Chuzpe haben, zu Ihren Erfindungen zu stehen und sich nicht von Zweiflern beirren zu lassen. In Wahrheit sind die nämlich nur neidisch. Also fassen Sie sich ein Herz – und schon bald werden Sie Wirkung erfahren.

Man wird Sie rasch als ganz besonderen Menschen sehen. Als schlagfertig, gewitzt, unterhaltsam und gebildet. Denn Sie werden sich wohltuend abheben von der breiten, drögen Masse, die das exakte Gegenteil tut, nämlich ständig abgedroschene Phrasen dreschen – und damit so originell daherkommt wie Onkel Ludger beim Innungsball.

Jetzt mal im Ernst, was wollen Sie etwa mit dem Fluch „Scheibenkleister“ erreichen? Das zeigt immerhin, dass Sie nicht wie jeder Depp „Scheiße“ sagen wollen. Das ist gut. Aber überlegen Sie sich etwas Außergewöhnlicheres, am besten ganz spontan. Schreien Sie einfach irgendwas heraus, in der passenden Situation versteht das jeder. Vermeiden Sie aber unbedingt das schnöde „Scheibenkleister“.

Es gibt unzählige solcher Langweilerbegriffe. Wohin wollen Sie etwa „auf Schusters Rappen“? In die „Muckibude“? Oder sind Sie etwa ein „Pedalritter“ und nehmen Ihren „Drahtesel“? Fahren dann noch rasch an die „Tanke“, gehen dort „für kleine Königstiger“ oder „eine Stange Wasser in die Ecke stellen“ – wenn Sie dabei auf Ihre „Kronjuwelen“ aufpassen, ist „alles paletti“.

Sie „schieben Kohldampf“? Dann „guten Abo“ und ab zu „Mäckes“ auf „Pommes Schranke“. Oder Sie holen sich bei „Ihrem Italiener“ Spaghetti „Bolo“ „to go“, vielleicht auch einen „Gummiadler“ mit viel „Knobi“. Jetzt heim in Ihre „Komfortzone“ den „Stubentiger“ füttern, dann wie „in Malle“ raus auf „Balkonien“, „die Seele baumeln lassen“ und einen „zur Brust nehmen“, etwa eine „Hopfenkaltschale“, ein „kühles Blondes“ oder einen „Gänsewein“. Schließlich noch ein „Schönheitsschlaf“ (aufpassen auf die „Frise“) – und schon sind Sie „fit im Schritt“ und bereit „zum Pferdestehlen“. „Alles klar auf Sansibar“?

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