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Denken ist jenen nicht gegeben, die es am nötigsten hätten. Und weil das leider so ist, sehe ich keinen anderen Weg als eine Impfpflicht für alle. Auch für Nena.
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Denken ist jenen nicht gegeben, die es am nötigsten hätten. Und weil das leider so ist, sehe ich keinen anderen Weg als eine Impfpflicht für alle. Auch für Nena.

Kolumne

Corona-Impfpflicht für alle: Auch für Nena

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Denken ist jenen nicht gegeben, die es am nötigsten hätten. Die Kolumne.

Frankfurt - Eigentlich ist das ja nachvollziehbar. Wenn einen etwas bedroht, möchte man wissen, was das ist. Das gebietet der normale Überlebenstrieb, der jedem Geschöpf innewohnt.

Im Prinzip ist das eine simple Sache. Der Baum spürt, dass die Gefahr in Gestalt von Dürren und Bränden droht, das Insekt weiß, sie ist gefiedert und heißt Vogel, und die Maus ist sich von Geburt an sicher, dass die Katze nicht nur spielen will.

Der Mensch hingegen hat damit ein großes Problem: Er denkt. Mit zunehmendem Wachstum seines Gehirns begann er, Überlegungen über Sachverhalte anzustellen, die seine genetische Veranlagung überfordern. Dazu gehörten Blitz und Donner, später Pest und Cholera.

Die Menschen denken nicht viel und nicht weit genug

Das wurmte ihn, also ersann er höhere Mächte und machte die für die Inkommoditäten verantwortlich. Es war die Geburtsstunde der Götter. Dieses Prinzip der Schuldabwälzung funktionierte jahrmillionenlang und wurde immer mehr perfektioniert, bis hin zu den heute handelsüblichen Religionen.

Deren Aufnahmekapazitäten für Unbill jedweder Art scheinen aber nun erschöpft zu sein. Immer mehr Menschen trauen dem Hokuspokus nicht mehr und beginnen wieder zu denken. Das klingt nach Vernunft, birgt aber ein neues Problem – sie denken nicht viel und nicht weit genug.

Corona-Pandemie und Klimawandel: Teufelswerk „der Politik“

Man hat sich seit Jahrhunderten an simple Lösungen wie Hexenverbrennung, Kreuzzüge, Wiedergeburt und Schuldvergebung gewöhnt – doch nun bleibt das aus. Was also tun? Wer trägt Schuld an all dem, was man sich nicht erklären kann?

Die einfachste Antwort ist gleichzeitig die schwierigste: Man selbst ist dafür verantwortlich. Für diese Erkenntnis aber scheint so manches Hirn noch nicht genug gewachsen zu sein, häufig steht dem auch ein Dickschädel im Weg. Also denkt man nicht weiter, sondern quer. Man schiebt alles „denen da oben“ in die Schuhe, wer auch immer damit gemeint ist.

So nimmt es nicht Wunder, dass in den Augen einiger eine von Wissenschaftlern seit Jahrzehnten exakt vorhergesagte Viruspandemie gar nicht existiert oder ein Teufelswerk „der Politik“ ist oder vom bösen Bill Gates ersonnen. Gleiches geschieht nun beim Klimawandel, ebenfalls ein logisch begründbares, wissenschaftlich prophezeites und zudem von uns allen verursachtes Ereignis.

Nena ruft zur Menschenverachtung auf

Da wird nun ansatzlos vom Leugnen von Covid-19 zum Bezweifeln des Klimawandels geswitcht. Das überfordert nun allerdings mein eigenes Denkvermögen. Erst recht, wenn vor lauter Querdenkerei Angehörige von Hilfsorganisationen in den Überschwemmungsgebieten beschimpft und mit Unrat beworfen und die Flutopfer in den asozialen Medien mit Falschmeldungen drangsaliert werden – oder wenn Verwirrte wie die Sängerin Nena öffentlich zur Menschenverachtung durch Ignorieren der Pandemieregeln aufrufen.

„Es gibt eine humanistische Utopie, und die hat einen Namen. Sie heißt Demokratie. Sie setzt voraus, dass alle Bürgerinnen und Bürger über praktische Vernunft verfügen“, sagte der Philosoph Julian Nida-Rümelin in einer denkwürdigen Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele.

Das Problem: Damit sind wir schon wieder beim Denken. Und das ist offenbar gerade jenen nicht gegeben, die es am nötigsten hätten. Und weil das leider so ist, sehe ich keinen anderen Weg als eine Impfpflicht für alle. Auch für Nena. (Michael Herl)

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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