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Gestützt auf das Kernprodukt Glaube.
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Gestützt auf das Kernprodukt Glaube.

Kolumne

Katholische Kirche: Weltkonzern mit gigantischen Umsätzen scheitert an sich selbst

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Eklatante Managementfehler, Fortpflanzungsverbot, Vertuschung innerbetrieblicher Vergewaltigungen: Die katholische Kirche kracht zusammen.

Frankfurt - Eigentlich steckt in der katholischen Kirche ja ein gewaltiges Potenzial. Sie hat eine lange Tradition, ist breit aufgestellt, hat Niederlassungen in der ganzen Welt, kannte bislang kaum Konjunkturschwankungen und stieg aus jeder globalen Krise gestärkt hervor. Und ihre Erfolgsgeschichte begann mit einem einzigen Produkt – ähnlich wie bei vielen Global Playern, etwa der Dr.-Oetker-Gruppe.

Deren Gründer füllte einst ein Gemisch aus Natron und Weinsäure in Tütchen und nannte das Ergebnis „Backin“. Die Idee war nicht neu, doch sie machte dank einer pfiffigen PR-Strategie aus einer ostwestfälischen Klitsche einen Weltkonzern mit einer Vielzahl von Geschäftszweigen wie Brauereien, Sektkellereien, Spirituosenherstellern, Großbäckereien, Hotels, Chemiefabriken, Beteiligungsgesellschaften, IT-Unternehmen und einer Reederei. Kernprodukt aber war das Backpulver – und das haben die Kirchen ebenso, bei ihnen heißt das „Glaube“.

Katholische Kirche: Kundenbindungsmaßnahmen wie Ablasszahlungen, Kreuzzüge und Hexenverbrennung

Mit der simplen Idee, dass da irgendwo etwas ist, das uns durch die Mühsale des Daseins hilft und sogar ein Leben nach dem Tod verspricht, begann eine jahrhundertelange Erfolgsstory. Befeuert wurde sie nicht nur durch geniale Werbegags wie Beichten, Umzüge in prachtvollen Kostümen, Beschwadung der Konferenzräume mit Weihrauch und Ausstattung mit bunten Fenstern, sondern auch durch begleitende Kundenbindungsmaßnahmen wie Ablasszahlungen, Kreuzzüge und Hexenverbrennungen. Und schließlich durch den Coup, sich nach einer halbherzigen Säkularisierung die Gewinne durch staatliche Zuwendungen mehren zu lassen.

Gestützt auf das Kernprodukt Glaube entstand so ein Weltkonzern mit gigantischen Umsätzen und vielfältigen Geschäftsbereichen. Man besitzt mittlerweile Krankenhäuser, Alters- und Pflegeheime, Schulen und Internate, Banken und Versicherungen, Hilfsorganisationen, Verlage, Kraftwerke, Rundfunkanstalten, Brauereien, Hotels und Gaststätten, Immobiliengesellschaften, Weingüter, Pietäten, Brennereien und sogar einen eigenen kleinen Staat.

Katholische Kirche: An sich selbst gescheitert

Eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Scheitern konnte man nur noch an sich selbst – und das tat man denn auch. Eklatante Managementfehler wie Ausschluss von Frauen auf Führungsebenen, ein Fortpflanzungsverbot, Beharrung auf seit Jahrhunderten überholten Compliance-Regeln, Vertuschung innerbetrieblicher Vergewaltigungen, notorischer Starrsinn, krankhafte Selbstbeweihräucherung und pathologische Beratungsresistenz ließen das einst so stolze Gebilde zusammenkrachen.

Es bleibt aber kein Scherbenhaufen. Anders als beispielsweise bei der DDR gilt es nun, eine Vielzahl moderner und profitabler Unternehmen zu übernehmen, einen riesigen Stamm bestens ausgebildeter Mitarbeiter und – zumindest in den unteren Ebenen – Mitarbeiterinnen. Außerdem neben einem immensen Bestand an Immobilien in 1A-Lagen das begehrteste Gut der modernen Wirtschaft, einen gigantischen, klar definierten Kundenstamm.

Es ist die einmalige Chance zur Gründung eines mustergültigen globalen Wohlfahrtssystems. Man muss das Ganze aber in staatlicher Hand belassen und außerdem sich nur auf den weltlichen Teil des Imperiums beschränken.

Wer meint, kann schließlich auch ohne Kirche beten – oder sich den Evangelen zuwenden. Obwohl deren Tage auch gezählt sind. (Michael Herl)

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