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Momente wie dieser haben die Wahlentscheidung vieler Menschen beeinflusst.
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Momente wie dieser haben die Wahlentscheidung vieler Menschen beeinflusst.

Kolumne

Das Versagen der Union – Kein Anlass zur Schadenfreude

  • VonJoane Studnik
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Der Machtverlust der Union wird mit Häme begleitet, doch die Lust am Unglück der Gescheiterten schadet unserer Gesellschaft. Die Kolumne.

Meine in England lebende Schwester fragte mich kürzlich bei einem unserer virtuellen Familientreffen, wann ich zum letzten Mal Schadenfreude empfunden hätte. Ich konnte mich nicht genau erinnern. Aber vor Jahren begeisterte mich die britische „Stromberg“-Vorlage „The Office“, in der Ricky Gervais als selbstverliebtes Büro-Ekel ein verstörendes Wechselbad aus Fremdscham und gnadenloser Bosheit serviert. Vielleicht mache ich mir etwas vor, aber das Unglück anderer bringt mich immer seltener zum Lachen – erst recht, wenn sich die Häme in sozialen Netzwerken zum Shitstorm auswächst.

Als Lehnwort wurde die deutsche Schadenfreude zum weltweiten Exportschlager und zunehmend auch auf den britischen Inseln populär. Dass ein Teil meiner britischen Verwandtschaft den Brexit bejubelte, empfand die in Frankreich und Deutschland lebende Verwandtschaft als besonders absurd.

Brexit Debakel und Engpässe: „Selbst schuld!“

Nun versiegt der Sprit an Tankstellen und Weihnachten wird wohl ohne den traditionellen Truthahn gefeiert, weil es in Großbritannien an Lkw-Fahrern fehlt. „Selbst schuld!“, könnte man höhnen, aber die Angelegenheit stimmt mich als leidenschaftliche Europäerin bitter.

Als ikonische Versinnbildlichung von Peinlichkeit hat der gescheiterte CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet gerade reichlich Häme einstecken müssen. Lachen im Flutkatastrophengebiet, patzige Antworten auf Kinderfragen, fahrige Auftritte bei Wahlkampfveranstaltungen. Solche Momente, vielfach in sozialen Medien geteilt, schmerzhaft anzusehen, haben die Wahlentscheidung vieler Menschen beeinflusst. Die Zeiten, in denen eine Gesellschaft einem Kandidaten menschliche Ausrutscher nachsehen würde, wie sie etwa auch Helmut Kohl passierten, sind vorbei.

CDU: Von Lobbygeldern bis Verschwörungstheorien

Dabei mangelte es nicht an inhaltlichen Gründen, die Union abzuwählen: Ihre bräsige Machtverliebtheit, die Empfänglichkeit für lukrative Lobbyisten-Einflüsterungen – und rechtsklerikale Verschwörungserzählungen ausgerechnet gegenüber vulnerablen Minderheiten. Wie verlogen selbst die eigenen Parteifreunde miteinander umgehen, dafür steht sinnbildlich der LSU: ein bedeutungsloser lesbisch-schwuler Parteiverband, der angeblich Interessen von Transidenten und Intersexuellen vertritt. Die eigene Partei lässt derweil nichts unversucht, ihnen eben diesen fundamentale Daseinsrechte vorzuenthalten.

Dass derlei Verlogenheit bei Wählerinnen und Wählern nicht ankommt, darüber könnte Schadenfreude angezeigt sein. Zumal das Wahlverhalten marginalisierter Minderheiten bei dem knappen Wahlausgang durchaus eine Rolle gespielt hat. Um so erfreulicher, wenn Menschen ihre Wahlentscheidung auch aus Solidarität zu gesellschaftlichen Gruppen treffen, denen sie selbst nicht angehören.

CDU/CSU – Das Ringen um die Mitte

Mein Mitgefühl gilt übrigens gerade jetzt Unionsmitgliedern, die aus ihrer ganz eigenen Motivation heraus in ihrer Partei um Positionen der Mitte ringen – eine vulnerable Minderheit: Die rechtsnationalen Kräfte in der CDU sehen wieder ihre große Stunde gekommen. Auch darüber könnte man lachen, hat doch ein Friedrich Merz in der CDU-Hochburg Hochsauerlandkreis gerade das schlechteste Wahlergebnis aller Zeiten eingefahren.

Doch die Lage ist nicht lustig, der Gesprächsfaden zwischen links und rechts darf zwischen demokratischen Parteien nicht abreißen. Minderheitenrechte zu schützen: Auch dafür wäre ein breiter Konsens aller demokratischer Parteien ein deutliches Signal, dass unsere Gesellschaft Hass und Häme keine politische Plattform gibt. (Joane Studnik)

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