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Lachender Laschet
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Armin Laschet lacht in Erftstadt, während Bundespräsident Steinmeier (nicht im Bild) ein Pressestatement gibt.

Unwetter in Deutschland

Armin Laschet lacht: Seine Respektlosigkeit verhöhnt Betroffene

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Heftige Unwetter und Schlammlawinen in Deutschland sowie die Respektlosigkeit von Regierungschef Armin Laschet machen einfach sprachlos. Die Kolumne.

Derart schlimme Bilder kannten wir in Deutschland bisher nicht. Weil wir so schlimme Ereignisse nicht kannten wie die tödlichen Lawinen aus Schlamm und Geröll, die Sturzfluten aus Wasser.

In den Regionen der Anden, in Bolivien und Peru, sind solche Ereignisse längst keine seltenen Vorkommnisse mehr. Wenn uns überhaupt Aufnahmen von dort erreichen, sehen sie meist weit weniger dramatisch aus als die aktuellen aus der Eifel oder dem Berchtesgadener Land.

Das liegt unter anderem daran, dass die von den Schlammmassen weggerissenen Hütten aus dem Material gebaut sind, das die Umgebung hergibt und mit dem sie wieder vermischt werden. Arme Bergbauern dort haben kein oder wenig Mobiliar, keine Autos, Wohnwagen. Die Katastrophen dort sind weniger augenfällig, aber kaum weniger dramatisch als jetzt in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen, denn hier wie dort verlieren Menschen ihr Hab und Gut, ihre Existenz oder gar ihr Leben – oder das von Freunden und Angehörigen.

Mit Schlamm verschmierte Helfer und Helferinnen gehen durch Altenahr nach Hause.

Armin Laschets Lachen im Katastrophengebiet wird als Verhöhnung der Betroffenen empfunden

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat recht, wenn sie sagt, die deutsche Sprache habe kaum Worte für diese unfassbare Katastrophe. Wir sind in der Tat sprachlos. Immerhin ist unser Staat nicht mittellos, so beeilen sich Vertreterinnen und Vertreter der Bundes- und der Landespolitik, den Opfern großzügige finanzielle Unterstützung zuzusagen. Dass diese hilft, aber keine verwüstete oder verlorene Heimat ersetzen kann, ist eine Binsenwahrheit.

Umso wichtiger ist der psychologische Beistand, den ein fröhliches Lachen des Ministerpräsidenten Armin Laschet nun aber gerade nicht leistet. Im Gegenteil muss man das als eine Verhöhnung all der Betroffenen empfinden, die er zusammen mit dem Bundespräsidenten besuchen wollte. Und all derer, die so schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Auch da fehlen uns die Worte, wenn ein Ministerpräsident, zumal in dieser dramatischen Situation, nicht einmal die Selbstbeherrschung aufbringt, den Worten des sichtlich ergriffenen Staatsoberhauptes Frank-Walter Steinmeier zuzuhören.

Eine derartige Respektlosigkeit hätte man bisher am ehesten denen zugetraut, welche den Staat in Abrede stellen. Das Herumgealbere ist, doppelte und dreifache Entschuldigungsversuche hin oder her, unentschuldbar.

Bei Wahl wird auch über charakterliche Eignung eines Kanzlerkandidaten abgestimmt

Über die auch charakterliche Eignung eines Aspiranten auf das Kanzleramt haben die Wählerinnen und Wähler zu entscheiden. Aus fachlicher Sicht hat Armin Laschet längst bewiesen, wie wenig er von Klima- und Naturschutz hält, die jetzt ganz besonders wichtig wären, um mit einem effizienten Katastrophenschutz die Folgen solcher Starkregenereignisse in Zukunft wenigstens abzumildern.

Das sind nicht Rufe der Kassandra, sondern meteorologische und klimatologische Voraussagen. Kassandra sei an dieser Stelle Abbitte geleistet, dass die Erinnerung an sie vor allem in ihren schuldlos verpatzten Weissagungen fortlebt.

Wir brauchen die tragische Heldin auch nicht weiter zu bemühen, um zu orakeln, was umweltpolitisch von Christdemokrat Armin Laschet zu erwarten ist. Genug faktische Hinweise dazu hat er schon geliefert. Da ist sein fröhliches Lachen noch gar nicht mitbewertet. (Manfred Niekisch)

Über den Autor

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Direktor des Frankfurter Zoos.

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