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In einer mehrere Seiten langen Tabelle listet das Verteidigungsministerium fein säuberlich auf, wie viele Tiere in den letzten zwei Jahrzehnten in Tierversuchen der Bundeswehr eingesetzt, verbraucht, getötet wurden. Und wofür.
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In einer mehrere Seiten langen Tabelle listet das Verteidigungsministerium fein säuberlich auf, wie viele Tiere in den letzten zwei Jahrzehnten in Tierversuchen der Bundeswehr eingesetzt, verbraucht, getötet wurden. Und wofür.

Kolumne

Kaninchen testen Westen

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Die Bundesregierung legt offen, welche Tierversuche die Bundeswehr durchführt. Und wie viele Tiere in den Experimenten sterben. Die Kolumne.

Manche Abkürzungen klingen richtig elegant. LTT etwa könnte man vermuten als Zierde am Heck eines schnittigen Luxusautos. Die wahre Bedeutung ist aber eine weniger elegante.

Sie steht für Live Tissue Trainings. Das klingt eher kryptisch und verschleiert, dass es dabei um Tierversuche geht. Beispielsweise an lebenden Schweinen. Die werden erst einmal bei lebendigem Leib verstümmelt, um menschliche Kriegsverletzungen nachzuahmen. Daran üben dann Chirurgen, wie man Verwundete wieder zusammenflicken kann.

Nach dem Training werden die Schweine getötet. Das und mehr offenbart die Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Kleine Anfrage zum Thema Tierversuche in der Bundeswehr, Drucksache 19/27012 des Deutschen Bundestages vom 25. Februar 2021. Dort wird nüchtern formuliert, dass solche LTT seit 2004 einmal jährlich mit jeweils bis zu zwölf Schweinen für die Ausbildung von Fachpersonal der Bundeswehr durchgeführt werden.

Man könnte sagen: Medizinisches Fachpersonal der Bundeswehr übt an Schweinen, wie man verwundete Soldatinnen, Soldaten und andere Kriegsopfer operiert. Und vorher hat sich militärisches Fachpersonal intensive Gedanken darüber gemacht, wie man solche Verwundungen herbeiführen könnte.

Und dazu forscht wieder anderes Fachpersonal, diesmal vor allem der Rüstungsindustrie, mit welchen Waffen sich böse Verletzungen verursachen lassen. Und wenn die potenziell feindliche Gegenseite sich dann mit wirksameren Heilmethoden und Schutzmaßnahmen gewappnet hat, wird neues Kriegsgerät entwickelt, mit dem sich die gewünschten Verletzungseffekte erzielen lassen. Man hat ja genügend Hunde oder Kaninchen, an denen man zum Beispiel Geschosswirkungen und schusssichere Westen testen kann. Die Spirale der Aufrüstung dreht sich so immer schneller.

In einer mehrere Seiten langen Tabelle listet das Verteidigungsministerium fein säuberlich auf, wie viele Tiere in den letzten zwei Jahrzehnten in Tierversuchen der Bundeswehr eingesetzt, verbraucht, getötet wurden. Und wofür. Auch der Schweregrad des Eingriffs wird vermerkt. In dieser Kategorie taucht „gering“ nur sehr selten auf. Bei meisten Experimenten heißt es dagegen „Keine Wiederherstellung der Lebensfunktionen“.

Die Bundesdrucksache 19/27012 zeigt noch nicht einmal das ganze Ausmaß der Forschung an Tieren für den sogenannten Ernstfall. Es tauchen hier nur Experimente auf, welche die Bundeswehr selbst durchführt. Für Projekte, welche an externe Institutionen vergeben werden, erfolgen die tierschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren jeweils in den Bundesländern, in denen diese Einrichtungen ihren Sitz haben. Folglich werden solche Vorhaben allein in deren Jahresberichten erfasst.

Es ist ein wunderbares Merkmal der Demokratie, dass dieser offizielle Bericht immerhin öffentlich gemacht wird und damit für jeden zugänglich ist. So haben die Bürgerinnen und Bürger dieser Republik die Möglichkeit, sich eine Meinung zu bilden und diese zu artikulieren. Schließlich werden die Tierversuche mit Steuern finanziert. Und das im Lande der sprichwörtlichen Tierliebe.

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