Bei all dem sind die Meldungen über die Rückkehr der Seepferdchen erfreulich.
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Bei all dem sind die Meldungen über die Rückkehr der Seepferdchen erfreulich.

Kolumne

Kabeljau und Kollegen

  • vonManfred Niekisch
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Egal ob gezüchtet oder gefangen, Fische stellen Verbraucherinnen und Verbraucher vor ein Dilemma. Nur über Seepferdchen kann man sich freuen. Die Kolumne.

So viel Medienrummel hat lange kein Fisch mehr verursacht. Dabei kann man ihn noch nicht einmal essen. Das Seepferdchen der Nordsee wird zwar nicht wie seine tropische Verwandtschaft getrocknet und für Heilzwecke auf Märkten angeboten. Dennoch ist es höchst gefährdet und galt lange als praktisch ausgestorben.

Doch seit neuestem taucht es wieder an Deutschlands Küsten auf. Naja, nicht im Wortsinne, denn es bleibt natürlich unter Wasser. Aber man findet es. Tot am Strand, lebend in Käschern oder Fischernetzen. Bisher sind es Einzelfunde, und die lebend gefangenen Exemplare überführte man schnell in Aquarien, in verglaste Sicherheit.

Die Pflanzengesellschaften unter Wasser, in denen sie leben, werden nach wie vor, jetzt im Wortsinne, plattgemacht. Brachial, aber völlig legal, denn es handelt sich um ordnungsgemäße Fischerei. Grundschleppnetze pflügen über den Nordseeboden, zum Krabbenfang. Sie vernichten den Lebensraum unzähliger Arten, auch der Seepferdchen.

Noch immer ist die Meeresfischerei weit davon entfernt, vernünftig zu sein. Die Fangquoten für die einzelnen Arten werden in der Europäischen Union in einem Gezerre nationaler Egoismen festgelegt, nicht aufgrund wissenschaftlicher Empfehlungen. Regelmäßig kritisieren Umweltverbände und Wissenschaftler die Beschlüsse der Fischerei-Ministerinnen und Minister.

Die Quoten sind zu hoch, beschlossene Beschränkungen der Fangmengen nicht ausreichend. Der weitere Zusammenbruch der Populationen von Kabeljau und Kollegen ist so nicht aufzuhalten.

Übel und ungelöst ist auch das Problem des Beifanges, also der Meereslebewesen, die in den Netzen landen, aber nicht vermarktet werden dürfen. Sie werden einfach über Bord zurückgekippt, halbtot oder tot, jedenfalls als Lebewesen verloren. Je nach Methode und Region der Fischerei werden so ein Viertel, die Hälfte, zwei Drittel des Netzinhaltes als Müll entsorgt.

Kann es da beruhigen, dass beliebte Speisefische gar nicht mehr frei aus dem Meer gefischt, sondern in Aquakultur gezüchtet werden? Ganz und gar nicht! Wer den Film des Umweltaktivisten und Dokumentarfilmers Hannes Jaenicke über die Lachszucht in Norwegen und Kanada gesehen hat, dem dürfte schon deswegen und zu Recht der Appetit auf den vermeintlichen Edelfisch vergangen sein.

Die in Restaurants omnipräsente Dorade produziert man billig, mit hormoneller Unterstützung und Trockenfutter. In Drahtkäfigen, die man ins Mittelmeer hängt. Und wer sich im Griechenlandurlaub Schwertfisch schmecken lässt, sollte wissen, dass der vorher meist Langstrecke geflogen ist. Selbstverständlich gut gekühlt. Stammt er aus der Region, ist er garantiert ein Beitrag zur Überfischung.

Das Entscheidungsdilemma beim Fischverzehr ist groß! Meeresfische aus Aquakultur schaden der Umwelt und sind aus Tierschutzgründen problematisch. Wildfang aus dem Meer wiederum gefährdet allzu oft den Artbestand. Naturschutzverbände und Verbraucherzentralen geben ihr Wissen, welchen Fisch man noch reinen Gewissens essen kann, gern weiter.

Bei all dem sind die Meldungen über die Rückkehr der Seepferdchen erfreulich. Ein Zeichen für die Erholung der Nordsee sind sie leider nicht.

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