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Der Elfenbeinspecht musste sterben.
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Der Elfenbeinspecht musste sterben.

Kolumne

James Bond ist der wahre Bond

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Ein Wissenschaftler lieh dem unsterblichen Geheimagenten 007 seinen Namen. Der Elfenbeinspecht allerdings musste sterben. Die Kolumne.

Nach London und New York nun also Berlin. Alle sechs James Bond-Darsteller sind dort jetzt zu sehen. Als Wachsfiguren. Zeitlich passend zum neuesten Bond-Film mit dem etwas rätselhaften Titel eines offenbar überbeschäftigten Menschen, der keine Zeit hat zu sterben. Oder ist es für ihn nicht die Zeit, zu sterben?

Unsterblich gemacht hat sich jedenfalls für viele Kinofans Sean Connery in der Rolle des Geheimagenten ihrer Majestät. Nicht wenige halten ihn für den einzig wahren James Bond. Damit tun sie dem echten James Bond unrecht. Denn der lebte wirklich und war weder Draufgänger noch Mädchenschwarm, sondern ein fleißiger und in Fachkreisen höchst geschätzter Ornithologe.

Er verfasste eine Reihe von Schriften über die Vogelwelt der Karibik. Das interessierte Ian Fleming, den Autor und Erschaffer der Romanfigur, allerdings recht wenig, als er sich den Namen des Wissenschaftlers auslieh. Er fand den Namen, wie kolportiert wird, knapp, unromantisch, angelsächsisch und vor allem maskulin, also genau passend für seine Romanfigur.

Dieser echte James Bond hat zahlreiche Vogelarten entdeckt und beschrieben. Und er ging noch 1985 davon aus, dass der spektakuläre Elfenbeinspecht zwar äußerst selten sei, aber in einigen Paaren im Osten Kubas überlebt hat. In seinem zweiten Verbreitungsgebiet im Süden der USA war der Vogel letztmals im Jahr 1944 gesichtet worden. In Kuba gibt es seit 1987 keinen Beleg mehr für seine Existenz.

Für den Elfenbeinspecht kam die Zeit zu sterben allzu früh. Denn er fand keine geeigneten Lebensräume mehr, naturnahe Wälder mit einem hohen Anteil an Totholz, aus dem er seine Insektennahrung heraushämmern konnte.

Wie das so geht mit charismatischen Arten, die als ausgestorben gelten, gibt es doch immer wieder Meldungen von angeblichen Spuren oder Sichtungen, so auch vom tasmanischen Beutelwolf. Wohl ist dabei der Wunsch der Vater – oder die Mutter – des Gedankens. Schon vor über 15 Jahren wurde umgerechnet eine Dreiviertel Million Euro ausgelobt für einen belastbaren Nachweis, dass es den Beutelwolf noch gibt. Wer eine wirkliche Beobachtung des Elfenbeinspechtes belegt, den erwarten auch schon seit 2006 immerhin 10 000 US-Dollar. Doch Fehlanzeige, niemandem gelang es, die Belohnung zu kassieren.

Gemäß des Agenten Bond sollte man zwar niemals nie sagen, doch es bleibt inzwischen wohl kein Zweifel, dass beide Arten niemals wiederkommen. Sie haben einmal gelebt und leben eben nicht zweimal.

Deshalb hat jetzt der staatliche US-amerikanische Fish and Wildlife Service beschlossen, den Elfenbeinspecht endgültig als ausgestorben zu deklarieren. Zusammen mit 22 weiteren Arten, die lange nicht mehr gesichtet wurden. Keine davon war so attraktiv gefärbt wie der große Specht mit seinem schwarz-weißen Federkleid, der roten Haube und dem namengebenden elfenbeinfarbenen Schnabel.

Aber sie alle eint, dass menschengemachte Umweltverschmutzung und Lebensraumzerstörung die Ursache ihres Verschwindens sind. Jede ausgestorbene Art, und mag sie noch so unscheinbar sein, ist immer eine zu viel. Die optimistische Annahme, dass der Elfenbeinspecht vielleicht doch irgendwo überlebt hat, ist leider unrealistisch. So spendet sie denn auch kein Quantum Trost.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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