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Kolumne

Antisemitismus: Israel wird zum Ventil für Judenhass

  • Anetta Kahane
    VonAnetta Kahane
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Manche Allianzen sind eine neue Art der Querfront, die mit dem Kampf um die Rechte der Palästinenser herzlich wenig zu tun hat. Die Kolumne.

Es ist so vieles falsch und kaputt an der Situation um den Konflikt zwischen Israel und Palästinensern. Und noch viel mehr an der Darstellung des Konflikts. Besonders hier in Deutschland. Schon lange gibt es keinen Unterscheid mehr zwischen dem Hass auf Israel und dem Hass auf Juden.

Wenn Israel von der Hamas bombardiert wird, wissen die Juden in Deutschland schon, worauf sie sich im Kommenden einstellen müssen. Egal, was passiert, egal, wer dort im Recht ist oder im Unrecht, im massiven Propagandakrieg bleibt Israel immer das Böse. Und für die Juden in Deutschland wird es sehr unangenehm – um es mal vorsichtig zu formulieren.

Der Judenhass hat beim Stichwort Israel Freigang

Es gibt drei Themen, so schrieb ein Freund, zu denen man in Deutschland Millionen Experten finden kann: Fußball, Corona-Krise und der Nahostkonflikt. Letzterer berührt ein eingesperrtes, uraltes Gefühl, das beim Stichwort Israel endlich mal wieder Freigang hat: der Judenhass.

Nahostkonflikt: Solidaritätskundgebung mit Israel an der Synagoge in Gelsenkirchen.

Und nein, er ist kein importiertes Problem, er kommt durchaus auch aus dem Bauch der deutschen Gesellschaft. Das machen die unzähligen Drohungen, unverschämten Nachrichten, Lügen, Attacken auf Gebäude, verlogenen Belehrungen, hasserfüllten Kommentare deutlich. Dass diese Aggressivität aus Mitgefühl mit den Palästinensern kommt, kann mir kein Mensch erzählen.

Die deutschen Rechten aus allen Ecken freuen sich über die Bilder

Und dann sind da noch die migrantischen Demonstrantinnen und Demonstranten, die, wie wir in den letzten Tagen erleben mussten, auch zur Tat schreiten. Sie greifen Leute an, schmeißen Steine auf Synagogen, schreien antisemitische Hassparolen. Dieses Gebrüll bis zur Heiserkeit ist sehr beängstigend und gleichzeitig ein sich immer wiederholendes Ritual.

Dieses Mal waren auch türkische Faschisten dabei, Graue Wölfe, religiöse Nationalisten aus verschiedenen Ländern, Leute, die absolut gar nichts mit Menschenrechten am Hut haben. Solche Allianzen sind eine neue Art der Querfront, die mit dem Kampf um die Rechte der Palästinenser herzlich wenig zu tun hat. Dass sie ernsthaft irgendwo Frieden, Freiheit oder gar Emanzipation wollen, bezweifeln inzwischen auch viele aus den Minderheitencommunitys, die in ihren Herkunftsländern gerade unter solchen Gruppen gelitten haben.

Die deutschen Rechten aus allen Ecken freuen sich über solche Bilder. Nicht etwa, wie sie behaupten, weil sie Juden und Israel so toll finden, nein, das ist nun wirklich nicht so. Sie freuen sich, weil sie eben Rassisten sind.

Es ist eine schwere Zeit für Juden in Deutschland

In den jüdischen Gemeinden und Freundeskreisen habe ich eine Mischung aus Furcht, Wut und Resignation wahrgenommen. Ich will hier nicht emotional argumentieren. Ich kann nur sagen, es ist eine schwere und schmerzhafte Zeit für Juden in Deutschland. Sie ist gefährlich, wie die Angriffe zeigen.

Die Bedrohungslage hat uns veranlasst, Veranstaltungen abzusagen. Angefacht von der verdrehten Berichterstattung, über die Angriffe der Hamas auf die israelische Zivilbevölkerung bis hin zu Kommentaren von Politikerinnen und Politikern, die Antisemitismus hier irgendwie verurteilen, jedoch nicht, ohne gleichzeitig Israel dafür verantwortlich zu machen.

Das alles macht uns mürbe, enttäuscht und wütend. Dieses Gerede seit dem Anschlag von Halle darüber, wie gründlich nun Antisemitismus bekämpft wird, erbleicht vor all dem Schrillen dieser Zeit. Ein weiterer Tag in den so hoch gepriesenen 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland. (Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung)

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch

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