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Freiheit heißt nicht, immer alles zu dürfen, wonach einem gerade der Sinn steht – erst recht nicht, wenn dies auf Kosten anderer geschieht, findet FR-Autor Michael Herl.
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Freiheit heißt nicht, immer alles zu dürfen, wonach einem gerade der Sinn steht – erst recht nicht, wenn dies auf Kosten anderer geschieht, findet FR-Autor Michael Herl. (Symbolfoto)

Inzidenz 50.000

Brauchen wir bald alle Aluhüte? – Was die Corona-Krise von der Klima-Krise unterscheidet

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Verglichen mit der fortschreitenden Erderwärmung ist die Corona-Krise so etwas wie ein Kindergeburtstag. Aluhüte könnten künftig womöglich sinnvoll sein. Die Kolumne.

Eigentlich ist ja schon genug darüber geschrieben worden. Das stimmt, und deswegen lasse ich das jetzt. Ich schreibe nicht über jene, die sich immer wieder darüber beklagen, nicht ausreichend über die Impferei gegen Covid-19 unterrichtet worden zu sein. Das stimmt übrigens. Solcherlei Informationen werden hinterhältig in Zeitungen und Rundfunksendungen versteckt.

Ich schreibe auch nicht über die Frankfurter Ärztin, die sagt, sie verimpfe Astrazeneca nur noch an Intellektuelle; alle anderen lehnten es eh ab. Kein Wort darüber kommt aus meiner Feder. Will ja keiner mehr lesen.

Coronavirus: Lag Willy Brandt mit seiner Einschätzung richtig?

Lassen Sie mich also lieber ein bisschen über Demokratie schreiben. Willy Brandt meinte ja mal, man solle mehr von ihr wagen. Brandt war ein ehrenwerter Mann und offenbar der Ansicht, das Volk sei mündig genug für mehr Mitbestimmung. Es benötige also weniger Führung und sei in der Lage, so etwas wie kollektive Vernunft aufzubringen.

Das ist nun mehr als ein halbes Jahrhundert her, und ich bin mir nicht sicher, ob Brandt damals mit seiner Einschätzung richtig lag – erst recht nicht, ob er das heute immer noch sagen würde.

Ich fürchte zum Beispiel, hätte man „das Volk“ in der Corona-Frage entscheiden lassen, müsste München heute seine Toten auf der Wies’n verbrennen, die indische Armee würde uns Beatmungsgeräte schicken, und Jan Josef Liefers’ Verstand wäre auch damit überfordert. Aber über all das wollte ich ja nicht schreiben. Muss ich aber offensichtlich, denn es soll um gemeinschaftliche Verantwortung gehen. Von Solidarität, um diesen antiquierten Begriff mal wieder zu bemühen.

Corona: Freiheit heißt nicht, immer alles zu dürfen, wonach einem gerade der Sinn steht

Mit der ist es nämlich schnell am Ende, wenn Einzelne meinen, in dem beschnitten zu werden, was sie unter Freiheit verstehen. Der große Irrtum: Freiheit heißt nicht, immer alles zu dürfen, wonach einem gerade der Sinn steht – erst recht nicht, wenn dies auf Kosten anderer geschieht.

Damit wären wir wieder beim Thema „Kollektive Vernunft“, und das hat sich während der Pandemie einmal mehr als neuralgischer Schwachpunkt einer sogenannten modernen Gesellschaft erwiesen.

Das ist bitter, denn wir werden Vernunft sehr bald benötigen. Im Vergleich zur fortschreitenden Erderwärmung ist nämlich Covid-19 so etwas wie ein Kindergeburtstag. Und es werden unweigerlich Maßnahmen ergriffen werden müssen, gegen die uns jeder heutige Shutdown wie ein Ringelpiez vorkommen wird.

Klimawandel: Angesichts der massiven Sonneneinstrahlung könnten Aluhüte bald sinnvoll sein

Persönliche Freiheit? Welch lächerliches Begehr! Wer nicht nach Mallorca muss, wird sich glücklich schätzen. Am Anfang der Pandemie war vielen deren drohendes Ausmaß nicht bewusst. So wie heute viele noch nicht die Bedeutung des Klimawandels begreifen wollen.

Doch in Corona-Sprache übersetzt, dürften wir uns dabei bereits bei der Alarmstufe „Inzidenz 50 000“ befinden – mit exponentiellem Wachstum. Das ist jedoch schwer begreiflich zu machen.

Es können im Fernsehen keine Militärkonvois zum Transport von Leichen wie in Bergamo gezeigt werden, keine Kühlcontainer zur Aufbewahrung Verstorbener wie in den USA, keine langen Schlangen Erstickender wie in Indien und keine Sterbenden in Bauchlage wie auf deutschen Intensivstationen. Einziger Vorteil der Katastrophe: Angesichts der massiven Sonneneinstrahlung werden Aluhüte tatsächlich sinnvoll sein. (Michael Herl)

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