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„Die Kollektion ist das Ergebnis einer künstlerischen Recherche, in der ich mich mit der Normativität und der Unmöglichkeit eben dieser auseinandergesetzt habe“,
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„Die Kollektion ist das Ergebnis einer künstlerischen Recherche, in der ich mich mit der Normativität und der Unmöglichkeit eben dieser auseinandergesetzt habe.“

Mode

Super lustig, super bunt - und super belgisch

  • Manuel Almeida Vergara
    vonManuel Almeida Vergara
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Wer auf das Siegertreppchen ganz nach oben will, muss jetzt Positivität beweisen. So wie der Designer Tom Van Der Borght.

Ich habe Ihnen einen Fummel mitgebracht. Ein … ja, was denn eigentlich? Gar nicht so einfach, diesen Entwurf zu beschreiben. Dabei ist er so etwas wie das Design der Stunde. Vor wenigen Wochen gewann Tom Van Der Borght damit den Première Vision Grand Prix auf dem Festival d’Hyères, den renommiertesten Modepreis überhaupt.

Und auch wenn sich Van Der Borghts Arbeit oberflächlich betrachtet jeder Sinnhaftigkeit entzieht, ergibt durchaus sie eines, nämlich Sinn. Ihr Aberwitz hebt die Stimmung in einem Jahr, in dem diese sonst eher im Keller liegt. Aber auch inhaltlich reagiert Van Der Borght durchaus auf diese Zeit. „Die Kollektion ist das Ergebnis einer künstlerischen Recherche, in der ich mich mit der Normativität und der Unmöglichkeit eben dieser auseinandergesetzt habe“, sagte er mir im Interview. „Der Mensch nimmt sich gerade jetzt singulär und individuell wahr.“ Mit klaren Bezügen auf rituelle Kleider und Masken aber habe er letztlich auch eine Art zeitgenössische Stammes-tracht entworfen. Das ist tatsächlich ein Thema, das sich auch durch andere Kollektionen zieht. Die genialische Marine Serre etwa, eine Art Stichwortgeberin der aktuellen Mode, schickte Männer, Frauen, Kinder in familiären Fast-Partnerlooks über den Laufsteg – den Zusammenhalt identifizierte sie so als gemeingültige Strategie für eine zukunftsfähige Gesellschaft.

Seine Kollektion wiederum, erzählt Tom Van Der Borght, basiere zugleich auf hochpersönlichen Geschichten, sieben an der Zahl, die sich in sieben Facetten seiner Kleider spiegeln. „Meine Entwürfe ergeben sich also aus einem persönlichen Empfinden, bilden aber auch gesellschaftlichen Konsens ab.“ Der Kontrast zwischen individuellem und gemeinsamem Erleben, der auch in der aktuellen Krise allzu sichtbar wird. Van Der Borghts Kollektion, die er auf dem Festival in einem von Mercedes-Benz initiierten Showroom präsentierte, ist also höchst aktuell. Und überdies, das fällt ins Auge, auch höchst belgisch.

Dekonstruktivismus und Avantgardismus: In der Mode beweist das kleine Land oft Größe

Oft beweist das kleine Land in der Mode Größe. Der Belgier Martin Margiela prägte den Dekonstruktivismus, genau wie Ann Demeulemeester. Dries Van Noten gilt seit Jahrzehnten als Meister des markanten Mustermixes, Walter Van Beirendonck arbeitet wie Van Der Borght avantgardistisch und reich an Zitaten. Immer wieder ist es das Experiment, das die Mode des Landes auszeichnet. „Insofern identifiziere ich mich stark als belgischer Designer“, sagt denn auch Tom Van Der Borght. Den Ursprung seines und des Stils der anderen sieht er in der verhältnismäßig kurzen Geschichte des Landes. „Dass wir in einer jungen Nation mit weniger schwerem kulturellen Gepäck auf unseren Schultern groß werden, weniger Tradition, weniger Geschichte, prägt den belgischen Individualismus ungemein.“ Ein prägnanter Stil, mit dem sich schon oft Modegeschichte schreiben ließ. Auch in diesem Jahr.

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