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„Ein gelungener Balanceakt.“
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„Ein gelungener Balanceakt.“

Mode

Sex ist Nebensache - hier geht‘s um die Kleider

  • Manuel Almeida Vergara
    vonManuel Almeida Vergara
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Neben Sarah Jessica Parker gibt es in „Sex And The City“ noch eine Hauptrolle: Die wahnsinnigen Ideen der Kostümbildnerin Patricia Field. Nun kommen die Serie und ihre Kleider zurück.

Ich habe Ihnen einen Fummel mitgebracht. Das Tutu aus dem Vorspann, anders geht’s ja gar nicht. Wer an die Serie „Sex and the City“, die jetzt unnötigerweise wieder aufgelegt wird, und ihre Mode denkt, wird unweigerlich beim rosafarbenen Tüllrock landen. Weil er 1998 schon in den ersten Sequenzen verrät, was die Zuschauerinnen und Zuschauer modisch erwarten wird – nicht nur in der Reihe, wohlgemerkt, sondern auch in der Mode als solche, die sich fortan tief beeindruckt und nachhaltig geprägt zeigt von dem, was Kostümdesignerin Patricia Field da vollführt. Nicht nur das Tutu, fantasievoll, verspielt, weniger trend- als persönlichkeitsbildend, zeigt das.

„Die Kleider in ‚Sex and the City‘“, schreibt Modekritikerin Fawnia Soo Hoo in einem Essay, „haben sich von der Mode emanzipiert und eher von Stil erzählt.“ Field ist eine eigenständige Ästhetik gelungen, die zwar Momente der zeitgenössischen Mode abbildet, darüber hinaus aber vor allem ihre eigenen schafft, das Tutu ist nur einer davon. Wie Hauptfigur Carrie zu exquisiten Schuhen von Manolo Blahnik Blusen vom Second-Hand-Wühltisch kombinierte, wie sie dicke Pelzmäntel über dünnen Kleidern trug, wie sie die „Saddle Bag“ von Dior unter den Arm klemmte in einer Zeit, in der sich niemand mehr für das veraltete Modell interessierte – das hat gesessen.

Dior lässt dank Carrie eine alte Tasche wieder aufleben

„Wenn Frauen heute an unsere Marke denken, dann denken viele von ihnen noch immer an ‚Sex and the City‘“, sagte die aktuelle Dior-Chefin Maria Grazia Chiuri noch 2018. Zwanzig Jahre nach der ersten Folge war für sie auch das ein Grund, die „Saddle Bag“ neu aufzulegen. Denn Patricia Field, die für die Ausstattung von „Der Teufel trägt Prada“ 2006 auch für einen Oscar nominiert war, ist ein Balanceakt gelungen: Hochmodern waren ihre Kostüme, perfekt zugeschnitten auf eine bestimmte Zeit und doch zeitlos, sofern dieses Wort für ein Zeitphänomen wie die Mode überhaupt verwendet werden kann.

Für das Shopping hatten Carrie und Co. nie einen Mann nötig

„Stil ist heute wichtiger als Mode“, sagte die Kostümbildnerin einmal, ohne selbst anzuerkennen, dass dies auch ihr Verdienst ist, „die ganze Idee, dass dein persönlicher Stil Teil deiner Identität ist.“ Eine Erkenntnis, die zwischen all den Karrierefragen, Kussszenen und Cocktail-Hours der Serie tatsächlich zum Kernthema wird. Denn auch wenn die damals durchaus feministisch angelegte Reihe dem modernen Feminismus heute in vielen Teilen widerspricht, auch wenn sie mit vier selbstständigen Single-Frauen startete und unglücklicherweise mit vier Frauen endete, die ihr wahres Glück doch erst in einer Beziehung fanden, auch wenn zwei grauenhafte Filme dieses Bild überspitzten – modisch hielt die Serie ihre emanzipatorischen Versprechen durchaus.

Nie ging es Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha darum, sich für die Männer einzukleiden. Komplimente, auch Kritiken gaben sich die Freundinnen selbst genug. Es dürfte denn auch nur wenige heterosexuelle Männer gegeben haben, die bei Tand und Tutus der Show Schnappatmung bekommen haben. Die schönen Schuhe und teuren Taschen kauften sich die Serienheldinnen stets von ihrem eigenen Geld. „Weibliche Befreiung und Selbstermächtigung“, nennt das Kritikerin Soo Hoo, „nicht trotz – sondern durch die Mode.“ Noch ein Bild, das mehr als 20 Jahre später von seiner Gültigkeit nichts eingebüßt hat.

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