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Dem neuen Jahr entgegen – in Mond-Leggings von Marine Serre.
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Dem neuen Jahr entgegen – in Mond-Leggings von Marine Serre.

Mode

Arme Mode - Rückblick auf ein brutales Jahr

  • Manuel Almeida Vergara
    vonManuel Almeida Vergara
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Unterbrochene Lieferketten, geschlossene Läden, ganze Kollektionen, die nicht verkauft sondern verschrottet werden - 2020 war auch für die Mode ein besonders schweres Jahr.

Ich habe Ihnen einen Fummel mitgebracht. Irgendwas zwischen abgetragenem Lappen und brandneuer Klamotte. Denn auch in dieser meiner Neujahrskolumne soll’s um das gehen, was in den vergangenen zwölf Monaten war und den kommenden womöglich wird. Und ich wünschte wirklich, die Krise hätte ausnahmsweise nichts damit zu tun.

Aber Corona – das ist die eine gute zwischen all den schlechten Nachrichten – stellt auch in der Modebranche auf den Prüfstand, was dort schon lange hätte stehen sollen. Ob es wirklich nötig ist, mindestens zweimal im Jahr zu Tausenden quer über den Globus nach Paris, Mailand und New York zu fliegen, war 2020 jedenfalls gar nicht mehr die Frage. Ging halt nicht – und plötzlich ging ganz viel. Auch in diesem Jahr gab’s zwar analoge Modenschauen, aber auch das Digitale wurde stärker fokussiert. Liveübertragungen ganzer Modewochen aus London und Moskau etwa konnten zwar nur dürftige Klickzahlen vorweisen – einige Labels aber legten glänzend vor. In Anlehnung an das Théâtre de la Mode der 1940er Jahre gingen Miniaturversionen großer Dior-Roben im Koffer um die Welt, von Gucci gab’s einen träumerischen Modestreifen, in einem Moschino-Film führten Marionetten die neuesten Kleider vor. Schöne Trostpflaster waren das in einem Jahr, das der Mode viele Wunden schlug.

Louis Vuitton macht Desinfektionsmittel, Prada produziert Schutzanzüge

Unterbrochene Lieferketten, geschlossene Läden, ganze Kollektionen, die nicht verkauft sondern verschrottet werden, es war ein brutales Jahr. Mancherorts paarten sich Widerstandskraft mit Möglichkeitssinn – und hoffentlich ein bisschen echter Hilfsbereitschaft. Der Luxuskonzern Moët Hennessy – Louis Vuitton mischte vorübergehend Desinfektionsmittel statt teurer Parfums an, Prada produzierte Schutzanzüge, Masken gab es sowieso von jedem, bizarre Auswüchse nahm das an, so wie bei der Affäre um NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, dessen Influencer-Sohn Joe und die Mundschutzbestellung bei Van Laack.

Und dann waren da noch die bitteren Pleiten wie jene vom genialen New Yorker Label Sies Marjan. Wie die Krise überstehen, wie sich zeigen, was ergibt Sinn, was kann weg – zwischen den generellen Fragen ans System der Mode ging’s kaum um das, was sie erst begehrenswert, auch bemerkenswert macht. Über die Ästhetik der Krise wurde nur wenig debattiert, kaum ging es darum, wie die Menschen aussehen wollen, aussehen werden in einer Welt nach Corona, einer Welt ohne Corona, hoffentlich. Dass fortan die Farbe Weiß dominiert, ist möglich, alles was rein und hell und sauber, vielleicht sogar hygienisch ist. Auch Kittelformen könnten aus der neuen Liebe zur Wissenschaft resultieren, im Bereich der Pflege jedenfalls kommt kein Cremetopf mehr ohne Doktortitel aus, die Marken Dr. Barbara Sturm, Dr. Grandel und Dr. Hauschka gaben sich dieses Jahr in vielen Badezimmerschränken ein Stelldichein.

Marine Serre wird zur Stichwortgeberin der kommenden Modetrends

Aber auch was fantasievoll und realitätsfremd ist, kommt an. Die Astrologie erfreut sich zunehmender Beliebtheit, nicht zuletzt in der Mode. Der Hype um Marine Serres Mond-Symbole sind nur die Überspitzung dessen. Überhaupt ist Serre der Modestar der Stunde, die gleichermaßen mit Stil wie Inhalt zu berühren weiß. Den Wunsch nach Gemeinschaft, Intimität, innerer und äußerer Berührung drückt die Französin in Form von seltsamen Partnerlook-Entwürfen aus, Gesichtsmasken und schützende Bekleidung entwarf sie schon Monate vor der Krise. Womöglich haben ihr die Sterne davon erzählt.

Die übrigens stehen im neuen Jahr tatsächlich interessant. Wer ins „Vogue“-Horoskop für 2021 blickt – und das tun in der Branche viele – wird in jedem zweiten Satz von tiefgreifenden Umwälzungen lesen. Das aber können sich auch ohne den Blick nach oben alle denken. Hier unten tat, hier unten tut sich schließlich viel. Ob zum Guten oder zum Schlechten scheint noch offen – aber alles wird anders, sicherlich.

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