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17 Jahre lang leitete Christiane Arp die deutsche Ausgabe der „Vogue“.
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17 Jahre lang leitete Christiane Arp die deutsche Ausgabe der „Vogue“.

Mode

Schade drum - Christiane Arp verlässt „Vogue“

  • Manuel Almeida Vergara
    vonManuel Almeida Vergara
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Die Chefredakteurin des wichtigsten Modemagazins Deutschlands prägte eine Ära, die nun zu Ende geht. Der lärmenden Modewelt setzte sie Ruhe und Besonnenheit entgegen.

Ich habe Ihnen einen Fummel mitgebracht. Einen bunt gemusterten Badeanzug und einen Hosenanzug in ebenso starken Farben: Der Badeanzug stammt aus 2003, der Zweiteiler aus 2020, in beiden steckt Heidi Klum. Und gewissermaßen schließt das einen Kreis: Vor 17 Jahren hob Christiane Arp das Model zum ersten Mal auf den Titel der deutschen „Vogue“, nun tut sie es ein letztes Mal, es ist ihr letzter Akt als Chefredakteurin. Eine gute Woche ist es her, dass der Münchner Verlag Condé Nast den Abschied Arps aus dem Unternehmen bekanntgab, „aus persönlichen Gründen“.

Man könnte Christiane Arp zum Abschied eine Galionsfigur der deutschen Mode nennen, klänge das nicht so sehr nach klobigem Holzstück, mit dem sich die ausnahmslos elegante, geistreiche, auch charmante Arp nun wirklich nicht vergleichen lässt. Und trotzdem – durch Wind und Wetter wollte die Chefin das wichtigste deutsche Modemagazin ihres Landes führen, sie selbst ging stets vorneweg. Wer in Berlin auf Modenschauen und in München auf Store-Openings geht, kennt Arps ruhige Stimme, mit der sie unermüdlich Reden hält, bestimmt und doch entspannt von einer großen Aufgabe spricht. Mode aber ist kein deutsches Thema, da helfen manchmal selbst die schönsten Worte nichts.

Es muss Arp viel Kraft gekostet haben, immer wieder zu kämpfen

Kraft und Beharrlichkeit muss es gekostet haben, die Relevanz der deutschen Mode immer wieder zu beschwören, auch ein fein gewebtes Netzwerk, das Arp gerade zum Wohl des Nachwuchses gern auswirft. Ihre Beziehung zu Karl Lagerfeld etwa soll eng und freundschaftlich gewesen sein, also tauchte der Meister auf Arps Bitte hin 2015 im „Berliner Salon“ in Paris auf, um die jungen ausstellenden Designerinnen und Designer kennenzulernen. Als Präsidentin des Fashion Councils Germany indes schaffte sie es selbst ins Kanzlerinnenamt zum Stelldichein mit Merkel. Schreiende Auftritte, ein flamboyantes Auftreten, Hauptsache laut – das hatte Arp dafür nie nötig.

Vorgängerin Blechschmidt war stets exaltierter untwerwegs

Auch publizistisch schlug sie lieber leise Töne an. Nachdem sie 2003 auf die exaltierte Angelica Blechschmidt folgte, formte die neue Chefin ihre „Vogue“ zu einem sehr erwachsenen Heft, bei dem sie das makellose Styling unzähliger Modestrecken übernahn. Dem immer größer werdenden Lärm der Modeblätter setzte sie eine Ruhe entgegen, die mutige Entscheidungen doch nicht missen ließ. 2008 etwa ließ sie Claudia Schiffer von Mario Testino in einer Lackmaske für den Titel einer „Sex“-Ausgabe fotografieren, 2018 brachte sie Helene Fischer aufs Cover, fast ungeschminkt und abgelichtet von Peter Lindbergh.

In einem Gespräch dazu sagte Arp mir damals: „Ich persönlich habe nie an Diktate geglaubt – auch nicht an modische Diktate.“ Ihre beachtliche Position missbrauchte Arp nie dazu, sich selbst Absolution zu erteilen. Auch von Mitarbeitenden hört man dieser Tage nur lobende, auch liebende Worte. Christiane Arp muss eine großzügige und fordernde, eine faire Chefin gewesen sein. Eine Frau, deren guter Stil nicht an den Säumen ihrer Kleider endet.

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