Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Klimaziel der Beschränkung des Temperaturanstieges ist bald überstiegen. Da tröstet das behäbige Brummen der Holzbiene auch nicht.
+
Das Klimaziel der Beschränkung des Temperaturanstieges ist bald überstiegen. Da tröstet das behäbige Brummen der Holzbiene auch nicht.

Kolumne

Holzbienen trösten nicht

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
    schließen

Nur ganz wenige profitieren vom Klimawandel. Die meisten leiden darunter. Der neueste Bericht des Klimarates zeigt, dass der Mensch ganz auf der Verliererseite steht.

Sie haben exakt definierte Aufträge, die drei Arbeitsgruppen des Weltklimarates, des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Zusammen bilden die Beiträge der unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Weltklimabericht. Gruppe 1 adressiert, kurz gesagt, die fachlichen Grundlagen, Nummer 2 die sozialen und ökologischen Implikationen der Klimaerwärmung und Nummer 3, wie klimarelevante Emissionen und Treibhausgase in der Atmosphäre reduziert werden können.

Da ist es verständlich, dass besonders die Ausarbeitungen der Arbeitsgruppe 2 auf das Interesse der Öffentlichkeit stoßen. Denn dabei geht es um die Effekte, die jeder zu spüren bekommt.

Gerade wird dieser Teil des neuesten, sechsten Berichtes an die Regierungen der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verteilt. Verabschiedet werden soll er zwar erst 2022, doch der Entwurf ist bereits öffentlich geworden.

Auftragsgemäß soll Arbeitsgruppe 2 nicht nur die negativen Folgen des Klimawandels untersuchen, sondern auch die positiven. Von letzteren ist leider nichts zu lesen. Denn da gibt es nichts zu berichten. Man könnte eventuell erwähnen, dass Vögel wie der Orpheusspötter auf dem Vormarsch Richtung Norden sind und die wunderschöne Blaue Holzbiene sich in unseren Gärten immer breiter macht.

Diesen und einigen anderen Klimagewinnlern aus dem Tier- und Pflanzenreich könnte man vielleicht zum Erfolg gratulieren, doch ihnen stehen zahlreiche Klimaverlierer gegenüber, unter denen einheimische Vertreter wie Fichte, Kuckuck und Kabeljau zu finden sind. Jedenfalls sehr viel mehr Arten als die Profiteure.

Immerhin geht aus dem Bericht zweifelsfrei hervor, dass sich mit dem Klimawandel nicht nur Fauna und Flora gewaltig verändern, sondern ganze Ökosysteme in ihrer bisherigen Form verschwinden und dafür andere entstehen. Eindeutig zeigt der Bericht, dass – wie es in einem Kernsatz heißt – sich das Leben auf der Erde von einem drastischen Klimaumschwung erholen kann, indem es neue Arten hervorbringt und neue Ökosysteme schafft. Leider hat dieser Satz entgegen dem ersten Anschein nun so gar nichts Hoffnung machendes. Denn weiter heißt es: „Menschen können das nicht.“

Da sind die Prognosen so klar wie düster. Trockenheit, Hitze, Wetterextreme, Hochwasser, Hunger, Durst, Flüchtlingsströme treffen schon jetzt besonders die armen Länder, aber bei weitem nicht nur sie. Wie ungerecht, dass die Probleme vor allem von den Industrieländern verursacht sind.

Das Argument, Deutschland habe ja im weltweiten Vergleich nur einen geringen Anteil am Ausstoß von klimarelevanten Gasen und was sollen wir schon machen, solange die Chinesen, die Inder…

Nein, Schluss damit! Man braucht nur, wie es gerecht und geboten ist, auf die Pro-Kopf-Emissionen umzurechnen, dann sieht man sofort, wo die Hauptverursacher, ach nein, sagen wir ruhig, die Hauptschuldigen an den Stellschrauben drehen.

Und überhaupt, so der Expertenbericht, kommt es zur Bekämpfung des Klimawandels bereits auf jeden Bruchteil eines Grades an. Das Klimaziel der Beschränkung des Temperaturanstieges auf 1,5 Grad Celsius haben wir bald gerissen. Bei 1,1 Grad sind wir schon. Da tröstet das behäbige Brummen der Holzbiene oder das melodische Gezwitscher des Orpheusspötters kaum.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare