Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eine Mitarbeiterin der israelischen Hilfsorganisation Magen David Adom bereitet in einem Seniorenzentrum eine Spritze mit einer Dosis Corona-Impfstoffs vor.
+
Eine Mitarbeiterin der israelischen Hilfsorganisation Magen David Adom bereitet in einem Seniorenzentrum eine Spritze mit einer Dosis Corona-Impfstoffs vor.

Kolumne

Pandemie: Hexenschuss im Kopf

  • Inge Günther
    VonInge Günther
    schließen

Der Glaube an konspirative Mächte floriert auch in Israel - selbst unter angesehenen Physiotherapeuten. Die Kolumne.

Wer ihn mal hatte, weiß sofort, was das ist. Ein Hexenschuss. Schlagartig hat er mich neulich erwischt. Zu lange vor dem Computer gehockt, zu wenig Sport, plötzlich geht nichts mehr. Der Rücken ist wie eingefroren. In gebeugter Haltung schleppt man sich dahin, unfähig zum aufrechten Gang. Nach ein paar Tagen war die Qual vorbei und der Hexenschuss zentimeterweise besiegt. Aber sich in professionelle Hände zu begeben, kann ja nichts schaden, statt sich daheim mit Yogaübungen abzumühen.

Und so lande ich auf der Behandlungsliege eines Jerusalemer Osteopathen, gerühmt ob seiner wundersamen Künste. Noch während er fachmännisch mein Körpergestell begutachtet, erkläre ich ihm, nennen wir ihn Iwo, dass ich mir gerade den dritten Booster-Shot gegen Covid-19 habe verpassen lassen. Meist kommt die Information, rundum geimpft zu sein, bei Treffen mit Israelis gut an, quasi als Versicherung, es nicht mit einer fahrlässigen Virusschleuder zu tun haben.

Covid-19: der zweifelnde Osteopath

Nicht bei Iwo. Er rümpft unter seiner Maske, soweit erkennbar, die Nase. Die Spezialmaske, die er trage, zugegeben eine sehr dicke, sei ein imprägnierter Immunitätspanzer zur Abwehr jeder Art Bakterien und Viren. Effizienter als jedes Vakzin. Davon abgesehen achte er darauf, dass sich sein Body stets im idealen PH-Bereich befinde. Keine Eier, keine Milch- und Mehlprodukte. Corona könne ihm nichts anhaben, behauptet Iwo. Dass es eine Pandemie gebe, bestreite er nicht. Aber spreche nicht einiges dafür, dass sie geheimen Machenschaften zur globalen Entvölkerung diene?

Meine Gelenke knacken unter seinen gekonnten Griffen. Ich versuche entspannt zu bleiben, was meinem Kopf allerdings misslingt. Man müsse auch andere Meinungen hören, nicht nur die offiziellen, rät Iwo zum Abschied und schickt mir gleich mehrere Videos aufs Handy mit pseudowissenschaftlichen Vorträgen über Lebensverkürzung sowie reduzierte Gebärfähigkeit infolge eines unsere DNA manipulierenden Impfstoffs.

Israel: Nicht verschont von Querdenken-Bewegung

Voilà, jetzt habe ich auch einen der israelischen, von Verschwörungsideen faszinierten Querdenker:innen kennengelernt. Im Unterschied zu den deutschen kommen ihre Konstrukte selbstredend ohne antisemitische Komponente aus. Aber das erleichtert den Umgang nur bedingt. Mit einem Berliner Nachbarn zu diskutieren, ein AfD-Fan, der begeistert zu jeder Anti-Corona-Demo radelt und Merkel für schlimmer als Hitler hält, ist eh sinnlos. Ein Fall von unheilbarem Hexenschuss im Kopf. Iwo hingegen gehört zur harmloseren Variante, die sich von abwegigen Theorien inspirieren lässt, um Fakten zur Covid-Lage höchst eigenwillig umzudeuten.

Der Glaube an konspirative Mächte, diese fatale Nebenwirkung von Pandemien seit alters her, floriert auch unter Esoteriker:innen in Israel, so wie überall auf der Welt. Sicher eine Minderheit, aber unbeirrbar. Das aktuelle Heft „Verschwörungstheorien“, herausgeben von der Bundeszentrale für Politische Bildung, bietet kluge Analysen zu diversen Erscheinungsformen in Frühzeit, Spätmoderne und den sozialen Netzwerken von heute. Nur, wie dem Aberwitz begegnen, wenn er unversehens im Bekanntenkreis auftaucht oder beim Physiotherapeuten?

Pandemie: Yoga für den Rücken

Mein Rücken würde schon gerne noch mal auf die Behandlungsliege. Mental wäre es eher eine Tortur. Die Yogamatte im Büro tut’s doch auch, sage ich mir. Besser, man erträgt den Unsinn in diesen verrückten Zeiten relaxed.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare