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Symbolische Rosen für Frauen, die für sich selbst gelten wollen und damit die Welt verändern.
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Symbolische Rosen für Frauen, die für sich selbst gelten wollen und damit die Welt verändern.

Kolumne

Weltfrauentag: Der Kern der männlichen Wut sind Frauen, die die Welt verändern

  • Anetta Kahane
    VonAnetta Kahane
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Zum Weltfrauentag haben Frauen in der DDR rote Rosen geschenkt bekommen, besser gestellt waren Frauen deshalb weder damals noch heute. Die Rosen, die ich heute verschenke, gehen an Frauen, die die Welt verändern. Eine Kolumne.

  • Zum Weltfrauentag (8. März) bekamen Frauen in der DDR eine rote Rose.
  • Auch wenn Kinderbetreuung im Osten besser organisiert war, von Gleichberechtigung war die DDR weit entfernt.
  • Rechtsextremismus und Islamismus haben frauenfeindliche Strukturen.

Am internationalen Frauentag gab es früher immer eine Rose. Ich weiß nicht, ob das im Westen auch so war, im Osten jedenfalls bekamen die Frauen so etwas. Ob in Kittelschürze oder Kostüm, ob im Betrieb oder bei Freunden, wir Frauen bekamen eine Rose. Und weil im Westen gern romantisiert wird, wie toll es die Frauen in der DDR doch hatten, möchte ich gleich noch eine Anmerkung dazu machen. Frauen in der DDR erhielten Unterstützung, um sie arbeitsfähig zu machen. Strukturell war darauf alles ausgelegt – von der Kinderbetreuung bis zum Frauenruheraum. Auch Scheidungen gingen leichter. Ansonsten waren Frauen wie Männer, nur eben mit anderen Funktionen und besonderen Bedürfnissen.

Gleichberechtigung hieß aber weder, dass die Männer ihr Rollenverständnis änderten noch, dass Frauen ebenso aufsteigen konnten wie Männer. Frauen blieben Bewertungsobjekt der Männer mit Wörtern wie: tüchtig oder zickig, sexy, zu dick, zu alt, zu prüde oder zu laut. „Zickenkrieg“ oder „stutenbissig“ drückten den Hang zur Abwertung besonders unappetitlich aus.

Emanzipation: Frauen ernstzunehmen überforderte die meisten Männer in der DDR

Das ist wie ein Klaps auf dem Po mit Worten. Frauen ernst zu nehmen, war nicht vorgesehen und überforderte die meisten Männer. Viele Frauen gaben damals aber nicht so viel auf das im Westen verbreitete Gedöns, andauernd über Emanzipation zu reden, sie nutzen die Strukturen so gut es eben ging. Dennoch: Die Macht blieb männlich. Auch in der DDR.

Und heute? Die Wörter bleiben. Und das Gefälle zwischen den Geschlechtern ist nach wie vor riesig. Die meisten Normen und Machtstrukturen, sind auch heute noch immer männlich. Die Werte werden noch immer vom Männlichen bestimmt. Frauen sind darin im besten Fall eine Abweichung, im weniger Guten eine Ausnahme und im schlechten Fall eine verachtenswerte Kuriosität. Schauen wir uns die Welt an. Oder den Deutschen Bundestag. Oder die Nachrichten.

Ohne Gleichstellung der Frau wird nur auf eine Hälfte der Gesellschaft gebaut

Doch ohne die grundsätzliche Gleichstellung der Frauen gibt es überhaupt keine Gleichstellung. Die Hälfte der Gesellschaft zu benachteiligen, zu behindern, zu diskriminieren bedeutet, lediglich auf eine halbe Gesellschaft zu bauen.

In Milieus, die eine demokratische Moderne ganz ablehnen, gehört die Verachtung von Frauen zum Selbstverständnis. Bei Rechtsextremen trifft Feminismus auf blanken Hass. Das hat einen Grund: ein neues Geschlechterbild verlangt nach neuen Perspektiven – besonders bei den Männern. Die Zahl derjenigen, die was wollen, wächst rasant, was großartig ist.

Rosen als Symbol der Wertschätzung zum Weltfrauentag

Doch dieser Umbruch führt bei anderen zu narzisstischer Kränkung und weiterer Aggression. Sie sehen ihr elendes und scheinbar ewiges Privileg bedroht. Das ist der Kern ihrer Wut. Die Furcht vor Verlust von angeblich natürlichen Privilegien, zeigt sich im Rechtsextremismus übrigens ebenso fundamental wie im Islamismus. Dass gerade jetzt anti-emanzipatorischen Gruppen so laut und aggressiv sind, ist meiner Beobachtung nach, eine Reaktion auf den Fortschritt.

Nur durch das hartnäckige Engagement der Frauen, die nicht mehr hinnehmen, dass sie für Wohlverhalten auch mal eine Rose bekommen, ändert sich langsam die Kultur in der Gesellschaft. Es ist noch ein sehr langer Weg. Die Rosen, die ich heute verschenke, gehen an Frauen, die für sich selbst gelten wollen. Und damit die Welt verändern. (Anetta Kahane)

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Der Gleichbehandlung von Männern und Frauen bei Kinderbetreuung und Haushalt hat FR-Redakteurin Bascha Mika zum Weltfrauentag einen Leitartikel gewidmet.

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