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Großer Zapfenstreich zur Würdigung der Einsatzkontingente der Bundeswehr aus Anlass der Beendigung des Einsatzes in Afghanistan. Auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude.
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Großer Zapfenstreich zur Würdigung der Einsatzkontingente der Bundeswehr aus Anlass der Beendigung des Einsatzes in Afghanistan. Auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude.

Fackelmarsch in Berlin

Codename „Wolfsrudel“: Warum der Große Zapfenstreich der Bundeswehr in die Tonne gehört

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Warum hält die Bundeswehr ihren Fackelmarsch nicht „innerhalb ihrer Firma“ ab? Kasernenhöfe gibt es genug. Die Kolumne.

Wir sollten mal wieder über Rechtsextremismus in deutschen Sicherheitsorganen sprechen. Vor lauter Bundestagswahl scheint das Thema in den Hintergrund gerückt. Es scheint verdrängt von den Zukunftssorgen einer von Armin Laschet verstörten Union oder dem Abgesang an sozial-ökologische Grundprinzipien einer grünen Partei im Sondierungsrausch.

Dabei ist, um aktuelle Fälle zu nennen, die extrem rechte Gesinnung von 53 Polizeibeamten in Nordrhein-Westfalen amtlich, wobei die Prüfung von weiteren 138 noch aussteht. Von Einzelfall spricht in dieser Causa niemand mehr. Wen Zweifel befallen, der google spaßeshalber Polizei Frankfurt – oder doch gleich die Bundeswehr, genauer deren Wachbataillon.

Rechtsextremismus: Die Vorzeigesoldaten haben auch schlechte Presse

Das ist so eine auf das Zeremoniell fixierte Truppe, die mit musikalischer Untermalung staatstragenden Ereignissen den notwendigen militaristischen Schneid verleiht, wenn sie starren Schrittes ihre Fackeln zackig in den Abendhimmel stößt. Also eigentlich viel zu geschniegelt ist für extrem rechte Vorfälle, wie sie beispielsweise die Eliteeinheit „Kommando Spezialkräfte (KSK)“ in die Schlagzeilen spült.

Aktuell jedoch haben auch die Vorzeigesoldaten schlechte Presse. Wie der Spiegel berichtet, soll sich unter ihren Fackeln ein völkisch-nationalistisches Grüppchen mit dem Codenamen „Wolfsrudel“ gebildet haben. Im Raum stehen Ermittlungen wegen „extremistischer Verhaltensweisen, Volksverhetzung und der Abkehr von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ („Der Spiegel“).

Großer Zapfenstreich der Bundeswehr: Der „Dritte Weg“ wäre bestimmt gerne dabei gewesen

Wieder muss der arme Wolf herhalten, den bereits Adolf Hitler als Namensgeber seines Hauptquartiers „Wolfsschanze“ missbrauchte, und den jeder Nazi vor und nach dem Aufstehen mit dem Vornamen Adolf assoziiert. Und genau genommen könnte man das Wachbataillon beziehungsweise sein „Wolfsrudel“ brav unter den Teppich zu den anderen Faschos kehren, wenn da nicht dieses verflixte deutsche Ritual wäre.

Richtig, die Rede ist vom „Großen Zapfenstreich“, immerhin seit 1596 praktiziert und 1726 erstmals in dem Buch „Der vollkommene teutsche Soldat“ ausführlich beschrieben. Am 13. Oktober war es nun der nach 20 Jahren abgebrochene Afghanistan-Einsatz, der Wachbataillon und Musikantencorps aus der Kiste vor den Berliner Reichstag und die Glotze beförderte.

Symbolisch einig zeigten sich die Soldatinnen und Soldaten in einer Pose der Stärke, Einschüchterung und Macht, wie es die Nazis – seien es die von 1933 oder die aktuellen – nicht viel anders verkörpern. Der „Dritte Weg“ wäre sicherlich gerne dabei gewesen.

Zapfenstreich der Bundeswehr: Kasernen gibt es genug in Deutschland

Was soll dieser ganze Spuk – diese militaristische Folklore -, die entweder aus der Zeit gefallen ist, oder eine heraufbeschwört, mit der hier ja angeblich keiner mehr etwas zu tun haben will? Menschen mit extrem rechten Gedankengut finden exakt diese Folklore spitze, vermutlich auch, weil so eine Fackel mal schnell das Haus derjenigen abbrennt, die nicht mitmarschieren wollen.

Der Düsseldorfer Historiker Julian Reitzenstein sieht das anders: „Die Frage ist, mit welchem Recht sich manche Kritiker anmaßen darüber bestimmen zu wollen, mit welchen Zeremonien innerhalb einer ,Firma’ verdiente ‚Mitarbeiter‘ geehrt werden?“ Auf den „Kontext“ käme es an.

Ich sag’ mal so: Der extrem rechte Kontext ist bei militaristischen Ritualen mit entsprechendem Personal zum einen implizit. Zum anderen können sie ihren Fackelmarsch ja auch „innerhalb ihrer Firma“ abhalten. Diesbezügliche Kasernenhöfe gibt es genug. Für alle anderen tut’s vermutlich auch ein Feuerwerk. (Katja Thorwarth)

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