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Die bunten Farben des Geldes.
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Die bunten Farben des Geldes.

Kolumne

Gönnen können

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Geld verändert das Leben von Menschen, aber nicht sie selbst. Sie werden deshalb nicht freundlicher, klüger oder umsichtiger.

Eigentlich ist es ja allen zu gönnen. Warum auch nicht. Neid bringt uns keinen Millimeter voran im Leben. Ganz im Gegenteil. Wer neidet, wird garstig, verhärmt, verbittert und hässlich. Und er führt solch ein armseliges Dasein, dass er irgendwann sogar neidisch auf sich selbst wird. Und jene, die mit sich selbst ein Problem haben, sind bekanntlich das größte Problem.

In diesem Zusammenhang fallen mir Leute wie zum Beispiel AfD-Flintenweib Alice Weidel ein. Bei Menschen, denen so ein krampfhaft übertriebenes Geltungsbewusstsein ins Gesicht geschrieben steht, steigt in mir sogar fast so etwas wie ein Hauch von Mitleid auf. Aber nur fast. Und nur ein Hauch. Doch – jetzt mal unabhängig von der angeblichen Alternative für Deutschland – was muss geschehen sein, dass jemand so werden konnte?

Was nun, würde Alice Weidel im Lotto gewinnen? Sagen wir mal 90 Millionen? Freudentänze würde ich gewiss nicht aufführen. Doch es wäre mir schlichtweg egal. So egal, dass ich es ihr sogar gönnen würde. Ich würde mir zwar vorstellen, welch politischen Unfug sie mit dem vielen Geld anstellen könnte – aber neidisch wäre ich nicht.

Denn Geld verändert die Leute nicht. Ein reicher Arsch ist genauso ein Arsch wie ein armer Arsch. Und Untersuchungen haben ja ergeben, dass plötzlicher Wohlstand das Leben nur sehr kurze Zeit verändert. Schon wenige Jahre später ist alles beim Alten. Unabhängig davon, ob das Geld verprasst oder angespart wurde.

So frage ich mich jeden Morgen am Zeitungskiosk, warum die Leute Lotto spielen. Ich sehe sie da stehen mit ihren Zettelchen, beobachten, wie die Papierchen durch eine Maschine gejagt werden … Was mag ihnen da durch den Kopf gehen? Welche Träume haben sie? Wonach suchen sie? Was glauben sie wo zu finden – nur weil sie plötzlich viel Geld haben?

Vor einigen Monaten plagte mich ein Alptraum. Ich selbst hatte jene 90 Millionen gewonnen. Ich strampelte schwitzend im Bett umher, geplagt von fürchterlichen Schachtelgedanken. Mir war nämlich beim besten Willen nicht eingefallen, was ich mir von all dem Geld hätte kaufen wollen.

In meiner Not mietete ich dann einen Privatjet und flog nach St. Tropez. Ich mietete mich in der teuersten Suite des teuersten Hotels ein – und da saß ich dann. Mein persönlicher Butler brachte mir das Essen, irgendeinen kleinen Fisch mit irgendeiner buttrigen Soße unter einer riesigen, silbernen Glocke auf einem riesigen, silbernen Tablett. Ich gab dem Mann 50 Euro Trinkgeld, aß das arme Fischlein, und obwohl ich gar keinen Champagner mag, trank ich eine Flasche Champagner.

Nach unruhigem Schlaf in einem hässlichen, riesigen Louis-Quatorze-Bett flog ich am nächsten Morgen wieder heim und landete nach turbulentem Geschüttel in Egelsbach, einem Provinzflugplatz im Landkreis Offenbach. Es regnete, ich fror. Da wurde ich endlich wach und freute mich, nur geträumt zu haben.

Unlängst gründeten einige Millionen Millionäre die Initiative „Taxmenow“, „Besteuert mich jetzt“. Sie fordern die Wiedereinführung der 1997 abgesetzten Vermögenssteuer. Es sei ungerecht, dass sie als Superreiche ungleich weniger Abgaben leisten müssten als Normalverdienende, finden sie. Ich kann sie verstehen. Vermögend sein ist fürchterlich. Ich habe es erlebt.

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