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Menschen gehen an einem Bitcoin-Geldautomaten in Marseille, Südfrankreich, vorbei.
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Kolumne

Gier hat ihren Preis

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
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Kapitalismus ist kein Kinderspiel. Denken Sie daran, wenn Sie meinen Namen mit einem Link im Internet finden. Die Kolumne.

Zunächst eine Warnung: Sollte Ihnen im Internet mein Name begegnen, verbunden mit dem Satz „Die Reichen müssen noch reicher werden“, dann Finger weg! Keinesfalls den Link anklicken. Auf dem Plakat von 1972 stand noch „Deshalb CDU“, was ich später in „Wählt christdemokratisch“ veränderte, um einem Prozess wegen Verletzung des Namensrechts zu entgehen.

Das Oberlandesgericht Celle entschied seinerzeit zu meinen Gunsten und stellte fest: „Es ist der Satire wesenseigen, daß sie mehr oder weniger stark übertreibt…" Was jetzt geschieht, stellt jede satirische Absicht in den Schatten, weil Sie sich unversehens am Rande einer realen Falle wiederfinden. Aufgestellt von Bitcoin-Betrügern.

Ich gestehe, dass ich nie so recht begriffen habe, was es mit der sogenannten Krypto-Währung auf sich hat, die als eine Art Tausch- statt Zahlungsmittel seit gut zwölf Jahren die Finanzwelt aufmischt. Im Oktober 2009 bekam man für einen US-Dollar noch 1300 Bitcoin – heute kostet einer dieser Chips 64 445 Dollar.

Die weltweite Begrenzung auf 21 Millionen Bitcoins sorgt bei Spekulanten für eine Wahnsinnsstimmung. Elon Musk hat für eineinhalb Milliarden Dollar getauscht, bereits 50 Prozent Gewinn gemacht und möchte, dass die Interessenten an seinen Tesla-Autos künftig möglichst in Bitcoins zahlen.

Den Einwänden von Umweltschützern, dass die Rechenleistung der Computer für die Bitcoin-Transaktionen einen jährlichen Stromverbrauch von 90 Terawattstunden erfordern, begegnet Musk mit der nächsten Geschäftsidee, er könne dafür riesige Batterie-Speicher herstellen, die überschüssigen Strom aufnehmen und wieder abgeben würden. Das Imperium Musk, von Kalifornien über Grünheide in der Mark bis zum Mars nimmt immer gigantischere Formen an.

Aber zurück zu meinem Problem mit dem Spruch aus den siebziger Jahren. Der wird nämlich im Internet als eine Art Leimrute ausgelegt, mit der man in manchen Gegenden noch Vögel fängt.

Hier dient er dazu, leichtsinnigen Menschen einzureden, sie könnten im Handumdrehen das dicke Geld verdienen. Ein Klick auf „Staeck“ und Sie finden sich auf einer Seite der BILD-Zeitung wieder, die angeblich über eine Sendung der bekannten Reihe „Höhle der Löwen“ berichtet, die nicht ausgestrahlt werden durfte, weil Carsten Maschmeyer dort zu freimütig darüber informiert, wie stinkreich man geradezu zwangsläufig mit Investitionen in Bitcoins werden kann.

Dabei ist alles Fake: BILD und „Höhle“ und Maschmeyer haben nichts damit zu tun – sie werden wie Staeck und „Die Reichen müssen noch reicher werden“ auf mehr als 40 Internetplattformen nur als Köder zum versprochenen schnellen Reichtum benutzt. Den erlangt nur, wer seine E-Mail und Handy-Nummer preisgibt und umgehend 250 Euro in ein automatisiertes Trading-System einzahlt. Damit begibt man sich aber in die Hand der Broker-Roboter und wird per Telefon und Mail zu fortlaufenden Zahlungen aufgefordert, um irgendwann an die begehrten Bitcoins heranzukommen.

Die Zeitspanne bis zur Ernüchterung, dass die Aussicht auf 1000 Prozent Rendite eine Luftnummer ist, ist je nach Solvenz und Intelligenz unterschiedlich. Nachfragen beim Broker erweisen sich als überflüssig. Ein Impressum oder haftende Gesellschafter wird man auf den gefälschten Internetseiten vergebens suchen. Vielleicht bleibt noch die Kraft für eine Anzeige und eine Meldung bei der Finanzmarktaufsicht.

Der Kapitalismus ist kein Kinderspiel. Denken Sie daran, wenn Sie demnächst meinen Namen mit dem bekannten Spruch als Link im Internet finden.

Klaus Staek ist Grafiker.

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