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In hipsten Kreisen ist es schon seit längerem en vogue, Kaffee im Porzellanfilter von Melitta aufzugießen.
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In hipsten Kreisen ist es schon seit längerem en vogue, Kaffee im Porzellanfilter von Melitta aufzugießen.

Kolumne

Filterkaffee wie einst die Oma ihn trank - ist gestern wirklich das neue Heute?

  • Michael Herl
    vonMichael Herl
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Hipste Kreise gießen ihren Kaffee wie einst im Porzellanfilter auf und kochen wie die Oma. Führt diese Entwicklung zu einer neuen Achtung der Alten? Die Kolumne.

Eigentlich ist ja Silvester nichts anderes als der Beginn eines neuen Tages. Dennoch wird ihm eine besondere Bedeutung zugemessen. Lässt es doch ein ganzes Jahr hinter sich und führt ein neues Jahr im Gepäck. Das hat was. Schließlich führt es uns – drastischer als unser Geburtstag – vor Augen, dass der Sand der großen Eieruhr munter weiterrieselt. Kurz gesagt, wir werden älter. Und fortgeschrittenes Alter gilt heutzutage mehr und mehr als Makel. Betagte waren früher weise Ratgeber, heute sind sie lästige Kostenfaktoren. Nun aber die gute Nachricht: Das ändert sich gerade.

Gefragte Alte: zum Gelebten bekennen

Auslöser für diese Trendwende sind nicht die sogenannten „Neuen Alten“. Also jene, die sich quietschbunter kleiden als ihre Enkel, sich die Haare färben wie früher nicht mal an Karneval, sich mit Superfood vollstopfen bis sie nicht mehr laufen können, sich dann aber dennoch durch Marathons schleppen, als jage der Allmächtige persönlich hinter ihnen her.

Anlass zur Hoffnung bieten also nicht die, die sich jünger geben als Junge und die vorgeben, sich an Vergangenes nicht mehr zu erinnern. Mehr und mehr gefragt sind die alten Alten. Die sich zu Gelebtem bekennen, die stolz sind auf ihre Runzeln und Falten und die sich nicht scheuen, die Jungen an ihrem reichhaltigen Schatz an Erfahrung und Weisheit teilhaben zu lassen. Nicht besserwisserisch, sondern bereichernd. Denn das Gestern ist das neue Heute.

Melitta-Filterkaffee bei Hipsters en vogue

Sie glauben das nicht? Es gibt Indizien. Oft sind das nur Kleinigkeiten. In hipsten Kreisen ist es schon seit längerem en vogue, Kaffee im Porzellanfilter von Melitta aufzugießen, auf Partys Toast Hawaii und Königinpastete zu reichen und die Brut in Chaisen aus den Fünfzigern auszufahren. Geschoben von jungen Müttern, die – wie in der guten alten Zeit – ihren Job aufgaben, um sich ausgiebig der Aufzucht des Nachwuchses zu widmen.

Die Väter sind wie einst die alleinigen Versorger. Die reiferen Kids kleiden sich zum Abiball wie ihre Großeltern, in der Mode sind Begriffe wie „Vintage“, „Retro-Style“ oder „Used Look“ schon lange groß in Mode.

Alte, die wegen den Jungen in den Heimen verrecken

Neuer dagegen ist es, zu kochen „wie die Oma“. Regional und saisonal soll es sein, bio sowieso, denn damals gab es ja nichts anderes. Was einst als selbstverständlich galt, heißt nun „from nose to tail“, und meint, von Tieren nicht nur die Filets zu verzehren, sondern das ganze Vieh.

Die moderne Abkehr vom Automobil führt zu einem innerstädtischen Verkehrsaufkommen wie zu Anfang des 20. Jahrhunderts, zur Vervollkommnung werden außerdem vielerorts neue Tramlinien angelegt und Gehwege wieder verbreitert. Auch die Bahn spielt mit. Die eingemotteten Schlafwagen sollen dieses Jahr wieder auf die Schiene, sogar der längst vergessene TEE, der Trans-Europ-Express, kommt wieder zu Ehren. Er wird jene Reisenden befördern, die die Luftlinien zuerst aufgrund grassierender Flugscham und schließlich wegen Corona verloren haben.

Sie sehen, es tut sich einiges. Doch was das mit besagter neuer Achtung der Alten zu tun hat? Gar jenen, die gerade in den Heimen verrecken, weil die Jungen sich nicht an die Abstandsregeln hielten? Gut, da ist mir meine Prognose etwas aus dem Ruder gelaufen. Aber ein bisschen was wünschen wird man sich doch wohl noch dürfen für das neue Jahr.

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