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Saugferkel in einem konventionellen Abferkelstall.
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Der Fleischkonsum muss aus vielerlei Gründen radikal verringert werden. Das geht nur über ein Verbot der Massentierhaltung.

Kolumne

Weniger Fleisch, teurer tanken, weniger fliegen: Politiker*innen sollten mal Tacheles reden

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Es muss sich vieles ändern. Das ist nicht schlimm, nur anders. Aber wer hat die Traute zur Wahrheit – und wer traut dem Volk das zu? Die Kolumne.

Eigentlich ist das ja ein alter Hut. Vor den Wahlen wird viel versprochen und nichts getan, was der geneigten Wählerschaft missfallen könnte. Das ist vermutlich schon so, seit es Demokratien gibt. Und es ist auf der ganzen Welt das Gleiche – wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen.

In Griechenland etwa war es lange üblich, vor Kommunalwahlen ohne Genehmigung Häuser zu errichten. Denn was steht, das steht, besagte ein Gesetz. Und weil man wusste, dass die Regierenden in den Wochen vor dem Urnengang Beißhemmung haben, wurde in dieser Zeit kräftig gemörtelt. Die Rohbauten ließ man dann so stehen, häufig mit oben herausragenden Eisenstreben, um vor der nächsten Wahl noch einen Stock draufzusetzen.

Doch wie ist das bei uns in Deutschland? Anders, aber nicht minder bedenklich. Laut dem jüngsten „ZDF-Politbarometer“ finden 75 Prozent der Befragten, die Politikerinnen und Politiker hielten sich nicht an ihre Wahlversprechen – und damit liegen sie wohl nicht weit daneben. Aber warum ist das so?

ZDF-Politbarometer: Befragten glauben nicht an Einhaltung der Wahlversprechen

Denn selbst wenn man davon absieht, dass zum Beispiel Koalitionszwänge eine Realisierung des Verheißenen erschweren, wird üblicherweise vor den Wahlen der Mund doch reichlich voll genommen. Aber weshalb? Verträgt das Volk keinen reinen Wein? Benötigt es tatsächlich Honig ums Maul?

Oder könnte man denn nicht mal Tacheles reden und davon ausgehen, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht doof, sondern mündig sind und deswegen auch mit Realitäten konfrontiert werden können – oder sogar sollten? Würde dies nicht sogar das Vertrauen in die Politik wieder stärken?

In der momentanen Lage von Welt und Gesellschaft wäre Aufrichtigkeit nicht nur nötig, sondern unabdingbar. Viele werfen doch der Politik stetiges Zaudern, Zögern und Lavieren vor und wünschen sich konsequentes Tun, rasches Reagieren oder gar die berühmte „harte Hand“. Sollen sie haben. Müssen sie sogar kriegen. Denn in vielen Bereichen geht es längst nicht mehr um Visionen und Utopien, sondern um unbedingte Handlungszwänge.

Zahlreiche Handlungszwänge, zum Beispiel die Reglementierung der Mieten

So führt beim besten Willen nichts an einer raschen Reduzierung des CO2-Ausstoßes vorbei. Und das heißt nun mal bedeutend höhere Benzin- und Energiepreise.

Außerdem müssen Mieten drastisch reglementiert werden, sonst droht die Wohnungsnot zu eskalieren. Busse und Bahnen müssen nahezu kostenlos zu benutzen sein, Flugpreise sich vervielfachen.

Und der Fleischkonsum muss aus vielerlei Gründen radikal verringert werden. Das geht nur über ein Verbot der Massentierhaltung mit daraus folgender Verteuerung tierischer Produkte – also wird automatisch weniger davon konsumiert. Eine patente Übung, die sich bei der Anhebung der Tabaksteuer und dem Rauchverbot ja bereits bewährte.

Politiker:innen wagen Tatsachen kaum auszusprechen

Dies sind nur einige Maßnahmen von vielen, über die schon lange nachgedacht wird, die jedoch kaum jemand auszusprechen wagt. Der Grund: Angst vor dem vermeintlich fürchterlichsten aller Tadel, der Missgunst von Wählerinnen und Wählern. Doch all dies wird zwangsläufig sowieso kommen – weil es kommen muss. Also lieber sofort und überlegt als irgendwann und überhastet.

Ist es nämlich geschafft, werden alle erkennen: Es ist nicht schlimm, es ist nur anders. Aber wer hat die Traute zur Wahrheit – und wer traut dem Volk das zu?

Michael Herl ist Autor und Theatermacher. Vergangene Woche beschäftigte sich seine Kolumne mit Suchmaschinen und dem Sinn des Lebens.

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