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Kolumne

Julian Reichelt und die „Bild“-Zeitung: Geistige Unruhestiftung der Rechtspopulisten

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Gerade die Corona-Berichterstattung zeigt: die „Bild“ ist ein geistiger Unruhestifter. Die Kolumne.

  • Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt gibt unmissverständliche rechtspopulistische Richtung vor.
  • Besonders in Corona-Berichterstattung wird deutlich: „Bild“ heischt nach Beifall.
  • Kein Journalismus, sondern geistige Unruhestiftung: „Bild“ will Auflage um jeden Preis steigern.

Frankfurt – Die „Bild“-Zeitung ist kein Revolverblatt mehr und steht auch nicht an der Seite der konservativen Regierenden. In der Redaktion regiert der Rechtspopulismus. Eigentlich drängt sich hier ja eine Aussage des Kabarettisten Volkmar Staub auf. „Wer auf Kohl schießt, macht sich lächerlich“, lautete vor langer Zeit sein wohlwollender Tipp für Niederträchtige, die auf die Idee hätten kommen können, dem damaligen Bundeskanzler nach Leib oder gar Leben zu trachten.

Die Botschaft fruchtete. Sieht man von einigen ungelenken Eierwürfen in Halle einmal ab, verstieg sich niemand zu einem Attentat auf den wuchtigen Pfälzer. Er starb lange nach seiner Amtszeit eines natürlichen Todes und nährt seither blühende Landschaften auf seiner Grabstatt zu Speyer am Rhein.

„Wer der ‚Bild‘-Zeitung glaubt, macht sich lächerlich“, denken so manche. Doch die Annahme, das sei ein tumbes Blatt für Tumbe, dessen Geschreibsel eh niemand für bare Münze nimmt, ist ein grober Fehler.

„Bild“-Zeitung ist kein tumbes Blatt für Tumbe

Dass Helmut Kohl ein langes Leben beschieden war, lag natürlich nicht an Volkmar Staub, sondern an einem funktionierenden Personenschutz. Der war auch nötig, denn der sogenannte Kanzler der Einheit war nicht der tapsige Trottel, als der er häufig hingestellt wurde, sondern scharfer Analytiker, blitzgescheiter Geist und nicht nur politisch ein harter Hund. Es wäre also fahrlässig gewesen, ihn nicht ernst zu nehmen.

Heute drängt sich die Warnung des Kabarettisten auch in einem anderen Zusammenhang auf. „Wer der ‚Bild‘-Zeitung glaubt, macht sich lächerlich“, denken so manche. Doch die Annahme, das sei ein tumbes Blatt für Tumbe, dessen Geschreibsel eh niemand für bare Münze nimmt, ist ein grober Fehler.

„Bild“-Chefredakteur gibt rechtspopulistische Richtung vor

Erst recht, seit dort ein Chefredakteur regiert, der eine manchmal stramme, mitunter auch zarte, aber unmissverständlich rechtspopulistische Richtung vorgibt. „Bild“ ist nicht mehr zuvörderst das einstige „bluttriefende Revolverblatt“, sondern tut sich immer mehr durch systemzerstörerische Scharfmacherei hervor.

Und „Bild“ kämpft nicht mehr wie 1968 auf der Seite der konservativen Regierenden gegen die revoltierende linke Jugend, sondern gegen oder für alles, was Beifall von Menschen verspricht, die nicht mehr als einen Euro für eine Zeitung ausgeben wollen.

In Berichterstattung über Corona wird deutlich: „Bild“ will Unruhe stiften

Kolumnen

Michael Herl ist Theatermacher in Frankfurt. Er schreibt seine Kolumnen wöchentlich für die FR.

Eine Sammlung unserer Kolumnen finden Sie im Meinungs-Ressorts.

Besonders deutlich wird dies in der Berichterstattung über Covid-19. Da heißt es dann zum Beispiel: „Guck mal, Regierung. Amis impfen jetzt schon Affen“, „Sehnsuchtsbilder aus Israel – Hier sitzen die Menschen wieder in Restaurants“, „Stadt sperrt Tausende Mandelblüten-Touristen aus“, „Jetzt wackelt auch das Biergarten-Versprechen“, „Geimpfte Briten bekommen Freibrief für Sommerurlaub“ oder „Während wir vom Strand nur träumen, können durchgeimpfte Briten am Strand in Zypern und Spanien liegen“.

Gleichzeitig wird in Artikeln genüsslich die Aussage des Präsidenten des Robert-Koch-Instituts missinterpretiert, wonach auf Intensivstationen überdurchschnittlich viele Menschen mit Migrationshintergrund behandelt werden müssten.

„Bild“ fährt die gleiche Strategie wie die AfD

Das ist kein Journalismus, sondern geistige Unruhestiftung, um beim Volk so zweifelhafte Eindrücke zu erwecken wie „die tun was“, „die nennen die Probleme beim Namen“ oder „endlich sagt das mal jemand“.

Ein gefährlicher Defätismus, getrieben von dem Wahn, meinungsbildendes Medium zu sein – und damit die Auflage zu steigern. Die Folge ist eine zusätzliche Verunsicherung sowieso schon Verunsicherter und eine weitere Politikverdrießung sowieso schon Politikverdrossener. Im Grunde die gleiche Strategie wie die der AfD. Wenn das so weitergeht, wird auch „Bild“ ein Fall für den Verfassungsschutz.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher

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Rubriklistenbild: © Walther/ Eibner-Pressefoto

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