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KOLUMNE

Futter für die Fledermäuse!

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Die chinesischen Flugtiere können mehr als nur Viren beherbergen. Ihre deutsche Verwandtschaft braucht jedenfalls besseren Schutz.

Wuhan war einst nichts weiter als eine dieser Millionenstädte Chinas, von denen es mehr als ein Dutzend gibt. Heute aber verbindet alle Welt die Metropole mit dem Ausbruch der Corona-Seuche. Auch nach der merkwürdigen Mission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dorthin, zur genauen Erforschung des Ursprungs, bleibt vieles mehr als offen. Fest steht nur, dass Fledermäuse Träger des Virus sind, das dann irgendwie, aber jedenfalls höchst erfolgreich, den Sprung in den Homo sapiens schaffte.

Das Virus wirft ein ganz neues Licht auf diese merkwürdigen Säugetiere, die als einzige fliegen können, sich per Ultraschall orientieren und in völliger Dunkelheit auf Nahrungssuche gehen. Verblüffend sind unter anderem die verschiedenen Zungenarten und Strategien der tropischen Arten, Nektar aus den Blüten zu schlürfen und dabei ihre Wirtspflanzen zu bestäuben – und somit deren Fruchtbildung und Vermehrung zu sichern.

Diese enorme wirtschaftliche Bedeutung und die einzigartigen biologischen Besonderheiten verschwinden aber derzeit hinter dem Ruf der Flattersippschaft als üble Virenträger. Dabei können sie mit Tollwut, Ebola und Corona bestens leben. Anderen Säugetieren brächten solche Viren den Tod. Offenbar haben Fledermäuse aber ein ganz fantastisches Immunsystem! Ob wir daraus, medizinisch gesehen, Nektar saugen können für unser eigenes Wohlergehen?

Unsere heimischen Fledermausarten sind etwas einfacher gestrickt als ihre tropischen Kolleginnen und Kollegen. Und sind keine Gefahr in der Pandemie. Sie verbringen den Winter stocksteif in ihren Quartieren und beginnen, sobald es wärmer wird, Insekten zu jagen. Das könnte ihnen zum Verhängnis werden angesichts des rapiden Rückgangs ihrer Beutetiere.

Es war aber sicher nicht primär die Sorge, das Fledermausfutter könne knapp werden, welche den Bundesrat jetzt veranlasste, sich in seiner letzten Sitzung vor Ostern mit dem Insektenschutz zu befassen. Es geht um viel mehr, nämlich die Änderungen zugunsten der Insekten im Bundesnaturschutzgesetz, vorgelegt von der Bundesregierung.

Die Damen und Herren des Rates der Landesregierungen verpassen dem Merkelschen Kabinett eine satte Ohrfeige mit dem Hinweis, dass in den Bundesländern zum Verbot bestimmter Pflanzenschutzmittel und Biozide für Schutzgebiete schon ambitioniertere Regelungen bestehen, als von der Bundesregierung vorgeschlagen. Sie warnen sogar davor, diese durch Bundesrecht in Frage zu stellen.

Neben der verbesserten Unterstützung des ökologischen Landbaus fordert der Bundesrat außerdem zusätzliche Aktivitäten zur Änderung des Verbraucherverhaltens. Auch dürfte es Bundesumweltministerin Svenja Schulze freuen, dass der Bundesrat deutlich höhere Sanktionen für Unternehmen bei Naturschutzverstößen fordert. Für die Fledermäuse in Wuhan ist das alles weit weg, aber für die hiesigen Arten wäre es überlebenswichtig.

Die Stellungnahme des Bundesrates geht nun an die Bundesregierung. Unbeirrbar optimistische Menschen glauben, dass Merkels Regierung dann im Sinne des Bundesrates einen fortschrittlichen Gesetzentwurf in den Bundestag zur Entscheidung einbringt. Realisten fürchten, dass die Lobby der industriellen Landwirtschaft hinter Ministerin Julia Klöckner aber doch noch einige Verschlimmbesserungen durchsetzt. Es wäre nicht das erste Mal.

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