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Offenbar wird in dieser Gesellschaft von vielen immer noch gutgeheißen, dass berufsmäßige Fußballer einem höheren Stand zuzuordnen sind als das restliche Fußvolk.
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Offenbar wird in dieser Gesellschaft von vielen immer noch gutgeheißen, dass berufsmäßige Fußballer einem höheren Stand zuzuordnen sind als das restliche Fußvolk.

Kolumne

Fußball in Zeiten der Pandemie

  • Klaus Staeck
    vonKlaus Staeck
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Seltsam, wie privilegiert Profis sind. So dürfen sie trotz Reiseverboten zu Spielen durch halb Europa jetten.

Endlich mal gute Nachrichten von der Bayern München AG. Nichts von versehentlich aus Katar mitgebrachten Rolex-Uhren, die dem deutschen Zoll (wie 2013 geschehen) ins Auge stachen. Sogar der Flieger soll pünktlich mit dem siegreichen Team im Wüstenstaat gestartet sein – weil die dortige Flugaufsicht offenbar beeindruckt war von der Schimpfkanonade, die über ihre Brandenburger Kollegen wegen eines ernst genommenen Nachtflugverbotes niedergegangen war.

Und dann machte Karl Heinz Rummenigge auch noch den tollen Vorschlag, die Bayern müssten vorrangig geimpft werden, um der Gesellschaft ein Beispiel zu geben. Vorbei an allen 90- und 80-jährigen, an Lehrerinnen Lehrern, Ärztinnen und Ärzten sowie Krankenschwestern – „Bayern first!“

Der Vorstandsvorsitzende hatte natürlich nichts anderes im Sinn, als den Impfverweigerern in Bayern und dem Rest der Bundesrepublik zu zeigen, welche Vorbildwirkung von jungen Millionären ausgehen kann, auch wenn sie mal nicht dem Ball, sondern den raren Impfdosen nachjagen.

Er wird es nicht verstehen, warum sein Impfpass in allen Medien hämisch bis fassungslos wie ein Foul im Strafraum kommentiert wurde – die Bayern, weltvergessen, in einer Blase der Selbstüberhöhung lebend, vom Erfolg berauscht und vom wirklichen Leben und den Nöten der in ihrer Existenz bedrohten Freiberufler, Ladenbesitzer, Künstlerinnen und Künstler völlig entrückt. Trainer Flick mokierte sich zu allem Überfluss auch noch über Dr. Karl Lauterbach, den sogenannten Experten, der Schmähung ließ er immerhin ein Gesprächsangebot folgen.

Die Bayern-Bosse, Alt-Ministerpräsident Edmund Stoiber unter ihnen, hatten schon damals beim 8:0-Sieg gegen Schalke nicht begriffen, dass ihr Gruppenfoto, dicht nebeneinander maskenfrei auf der Tribüne hockend, gar nicht gut in der Öffentlichkeit ankam, weil zum Beispiel Schulkindern bei ähnlichen Vergehen und Nichtbefolgen der AHA-Regeln seit Monaten Ärger droht.

Offenbar wird in dieser Gesellschaft von vielen immer noch gutgeheißen, dass berufsmäßige Fußballer einem höheren Stand zuzuordnen sind als das restliche Fußvolk. Wie wäre es sonst zu erklären, dass empfohlene Reisebeschränkungen schlicht zu ignorieren sind und selbst auf Thomas Müllers Positivtest keine Quarantäne für die Mannschaft folgte.

Bayern steht nicht allein. Auch andere deutsche Teams sind privilegiert. Weil sie ihre Gegner aus Risikogegenden mit der mutierten englischen Virusvariante für Spiele in der Champions League wegen der höheren Ansteckungsgefahr nicht in einem deutschen Stadion empfangen können, flogen am Dienstag Hoffenheim nach Spanien und RB Leipzig nach Budapest, wo in der nächsten Woche auch Borussia Mönchengladbach sein Heimspiel austrägt. Sozusagen Heimspiele für den fußballbegeisterten Viktor Orbán.

Zwar gelten in Ungarn mindestens bis zum 1. März strenge Grenzkontrollen und Einreisebeschränkungen, aber für Profisportler sind Ausnahmen vorgesehen. So kann sich der Chef der „illegitimen Demokratie“, wie er seine Staatsform zu nennen pflegt, nun auch einen Orden für die besondere Förderung des europäischen Profifußballs im Kampf gegen das Virus ans Revers heften.

Die Spiele finden im großen Budapester Puskas-Stadion statt, den Älteren noch als Nep-Stadion bekannt. Dabei gibt es ein mit EU-Mitteln gebautes Stadion in Orbáns Heimatort Felcsút, die VIP-Tribüne nur wenige Meter von seinem Sommerhaus entfernt. Das wäre doch ein würdiger Ort für den europäischen Fußballzirkus in Zeiten der Pandemie gewesen!

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