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Ukraine-Krieg – Der Frieden war nie sicher

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Von: Hadija Haruna-Oelker

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Jetzt spürt ganz Europa die Gefahr, weil Weltkriegsangst und steigende Gas- und Energiepreise alle erschüttern.
Jetzt spürt ganz Europa die Gefahr, weil Weltkriegsangst und steigende Gas- und Energiepreise alle erschüttern. © Sebastian Gollnow/dpa

Die Verteidigung des Rechts auf das Leben wird in diesem Jahrhundert zentral sein. Die Kolumne zum Ukraine-Krieg.

Was nutzt die Wahrheit im Angesicht des Krieges. Wenn ein Aggressor aus ökonomischen Interessen gutgeredet wurde und kompromisslos alle Register zieht. Wladimir Putin hat seinen Krieg schon vor Jahren erklärt. Seit der Krim-Annexion 2014 wird dort gekämpft. Tausende Tote. Für viele weit weg. Jetzt spürt ganz Europa die Gefahr, weil Weltkriegsangst und steigende Gas- und Energiepreise alle erschüttern.

Panzer, Raketen, Bombenangriffe, flehende Menschen. Wir kennen die Bilder von Opfern des Krieges von vielen Orten dieser Welt. Jetzt ist da die Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz. Das Reden über ein Ende der europäischen Friedensordnung. Das wirkt unmittelbar und ist schwer erträglich nach zwei Jahren der Corona-Pandemie, die so an unserem Miteinander gerüttelt hat.

Ukraine-Krieg: Mehr als nur ein Säbelrasseln von Putin

Naiv war es, nur an ein Säbelrasseln Putins geglaubt zu haben. Das wissen wir jetzt. Der Fantasie eines Diktators seien keine Grenzen gesetzt, sagte die litauische Premierministerin Ingrida Šimonyte. Surreal ist das für eine demokratische Welt und, dass die Art wie wir darauf reagieren würden, uns prägen würde.

Der Millenial-Generation drohe der Realitätsschock, weil sie wenig von Machtpolitik verstünde, schrieb Sicherheitsexpertin Ulrike Franke. Ja, vielen meiner Generation fehlt eine Vorstellung von Krieg vor der Tür, obwohl es die Kriege im ehemaligen Jugoslawien in den 90er-Jahren gab.

Die Kinder der Geflüchteten gingen mit mir zur Schule, sind Teil unserer Migrationsgesellschaft. Doch nehmen geopolitische und wirtschaftliche Interessen Einfluss darauf, wie viel oder weniger präsent eine Geschichte im Alltag ist.

Es ist ein Privileg, bisher ungestört an Frieden geglaubt haben zu können. Und das obwohl schon lange geschichtsrevisionistische Politik auch hierzulande betrieben wird. Schlussendlich wird dies mit uns allen etwas machen. Die Frage ist was?

Ukraine-Konflikt: Russischstämmige Kinder nicht für Staatspolitik verantwortlich

Wie steht es um die eigene Haltung zur Sicherheit nach der Regierungserklärung von Kanzler Olaf Scholz? Auf Instagram lese ich Hinweise, wie diskriminierungssensible Aufklärung bei Kindern gehen könnte, schließlich sitzen sie mit ihren unterschiedlichen Hintergründen in ihren Klassen zusammen.

Aus intersektionaler Perspektive geht es um mehr als nationale Zugehörigkeiten, da beispielsweise etwa ein Drittel der Ukrainer:innen hierzulande Jüd:innen sind.

Es ist darauf zu achten, dass russischstämmige Kinder nicht für Staatspolitik verantwortlich gemacht werden und dass in vielen Kindern die Situation retraumatisierend wirken kann. Sie brauchen Halt. Ebenso sind die Medienschaffenden gefragt, keine Stereotypen in ihren Berichten zu verwenden. Antiosteuropäischer Rassismus ist das Stichwort. Dazu erschüttern Meldungen, dass Schwarze Menschen aus der Ukraine an der polnischen Grenze bei ihrer Flucht abgewiesen werden. Die Lebensrealitäten sind komplex.

Dieser Krieg muss enden

Es ist ein schmaler Grat, diese mehrdimensionalen Ebenen anzusprechen, ohne abzulenken von der Gewalt. Zu erwähnen, dass Nord Stream 2 zwar tot ist, aber Nord Stream 1 lebt. Dass es in all der Not diesen mitteleuropäisch zentrierten Bias gibt, der die politische Lage all die Jahre beschönigte und jetzt viele von den Hockern reißt.

Zur Autorin

Hadija Haruna-Oelker ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet als Autorin, Redakteurin und Moderatorin.

Ich wünsche westeuropäische Staaten die schnelle Lehre, dass Diplomatie nicht mehr auf Eigennutz ausgerichtet ist. Dieser Krieg muss enden. Und dann? Ehrlich klären, mit wem in Zukunft Geschäfte gemacht werden, die Energieversorgung nachhaltig und klimafreundlich aufstellen.

Im Buch „Revolution für das Leben“ zitiert die Philosophin Eva von Redecker ihre Kollegin Montserrat Galcerán Huguet, die glaubt, dass das 21. Jahrhundert erst mit der Pandemie begonnen habe und dass in ihm die Verteidigung des Rechts auf das Leben aller Priorität haben werde. Daran möchte ich glauben. (Hadija Haruna-Oelker)

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