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Markus Söder will Fracking zulassen – die Risiken für das Grundwasser wären enorm

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Von: Manfred Niekisch

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Gibt es plötzlich irgendwo auf der Welt eine Lösung für das Endlager? Wohl nicht. Foto: Peter Kneffel/dpa.
Gibt es plötzlich irgendwo auf der Welt eine Lösung für das Endlager? Wohl nicht. Foto: Peter Kneffel/dpa. © dpa

Im Angesicht der Krisen werden abenteuerliche Vorschläge laut, die Errungenschaften des Natur- und Umweltschutzes aufs Spiel setzen. Das bringt uns nicht nach vorne.

Einfach ist es nicht, in Deutschland Verbote gesetzlich festzuschreiben. Umso größer war die Erleichterung, als das Fracking im Jahr 2017 gesetzlich verboten wurde. Und das aus gutem Grund. Groß und unabsehbar erschienen die Risiken für die Landschaften und, schwerer noch, für das Grundwasser.

An diesem Gefährdungspotential hat sich nichts geändert. Und doch kommt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit dem Vorschlag daher, Fracking jetzt zuzulassen. Dass er diese risikoreiche Technologie der Ölförderung nicht in seinem eigenen weiß-blauen Bundesland sehen möchte, sondern im Norden der Republik, verleiht dem Vorschlag eine skurrile Note, ändert aber nichts am grundsätzlichen Unsinn der Idee. Und an den Gefahren, die sie birgt.

Markus Söder will Fracking erlauben: Es wäre allerdings keine Lösung für die Gasknappheit

Eilfertig und leider fast erwartungsgemäß meldet sich die FDP zu Wort, wenn es darum geht, dem Wachstum der Wirtschaft zulasten der Umwelt Vorfahrt einzuräumen. So auch beim Fracking. Wobei Fracking nicht einmal die Lösung für die befürchtete Gasknappheit brächte.

Ganz ähnlich stellen sich die Mechanismen dar, wenn aus Angst vor Lebensmittelknappheit Forderungen auftauchen, die ökologischen Ausgleichsflächen für landwirtschaftliche Nutzung freizugeben. Die mühsam aber endlich eingerichteten Programme zur finanziellen Entschädigung von ökologischen Leistungen der Landwirtschaft schreiben vor, fünf Prozent der Nutzfläche eines Landwirtschaftsbetriebes als ökologische Ausgleichsfläche auszuscheiden. Dazu ist es auch höchste Zeit, denn die Bekämpfung des drastischen Artenschwundes macht solche Regelungen unerlässlich.

Markus Söder befürwortet Fracking: Negative Folgen rücken in den Hintergrund

Jetzt wird so getan, also ob die hungernde Weltbevölkerung von der Nutzung der – vergleichsweise – wenigen Quadratmeter dieser Naturflächen abhängt. All die vielen anderen Möglichkeiten, Nahrung zu produzieren, mit ihr sorgsamer umzugehen, sie gerechter zu verteilen, das globale Hungerproblem nachhaltig zu lösen, treten in den Hintergrund. Wie beim Fracking werden die Optionen lautstark ins Spiel gebracht, die sich am simpelsten präsentieren. Zu Lasten der Umwelt.

Das ist auch in der Energiepolitik so. Putin dreht den Gashahn zu? Prompt folgen lauthals Argumente zur Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke. Ist deren Ende damals einfach so beschlossen worden? Ohne guten Grund? Oder weil die Risiken nach wie vor unbeherrschbar sind und die Bevölkerung mehrheitlich Atomkraft ablehnte? Gibt es plötzlich irgendwo auf der Welt eine Lösung für das Endlager? Wohl nicht. Und Atomkraft ist noch nicht einmal tauglich für den Betrieb von Gasherden und -heizungen.

Markus Söder und Fracking: Verbote wurden aus gutem Grund beschlossen

All die mühsam gewonnenen Errungenschaften zugunsten einer sicheren Zukunft werden jetzt, so heißt es populistisch, auf den Prüfstand gestellt, ob sie denn in diesen Krisenzeiten noch taugen. Ja, gerade jetzt taugen sie, denn sie wurden einst beschlossen, um die Krisen in den Griff zu bekommen, in die wir uns mit dem schlampigen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen hineinmanövriert haben. Rollen rückwärts bringen uns nicht nach vorn.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Direktor des Frankfurter Zoos.

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