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Hinter einem Tunnel der Rotweinstraße durch das Ahrtal haben die Aufräumungsarbeiten nach der Flutkatastrophe begonnen.
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Hinter einem Tunnel der Rotweinstraße durch das Ahrtal haben die Aufräumungsarbeiten nach der Flutkatastrophe begonnen.

Klimawandel ernst nehmen

Die Chance nach der Flutkatastrophe: Schluss mit Tricksereien und falschen Kompromissen!

  • Manfred Niekisch
    VonManfred Niekisch
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Ahrtal: So viel Trauer wie nach der Flut in Rheinland-Pfalz darf es nicht mehr geben. Statt mehr Sirenen brauchen wir kompromisslose Klimapolitik. Die Kolumne.

Frankfurt - Nein, nein. Einen solchen Staatsakt sollte es nie wieder geben müssen! Für die vielen Toten und Verletzten, für so viel Zerstörung und Leid. Wegen der Flutkatastrophe, die Rheinland-Pfalz in der tiefsten Seele verletzt hat. Die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand, hat es ergreifend formuliert. Ihre einst launige Weggefährtin Ahr ist zu einem brutalen Ungeheuer geworden, das alles unterspült, überrollt, zerstört hat.

Der Staatsakt war feierlich, bewegend, unerlässlich, hoffentlich ein bisschen tröstlich für die vielen Opfer. Nein, so eine Tragödie darf es nicht wieder geben. Längst sind noch nicht all die Pannen und Verantwortlichkeiten analysiert. Aber es steht schon fest, dass offenbar niemand auf eine solche Katastrophe vorbereitet war. Was sollen da die Sirenen nützen, welche Bayerns Innenminister Joachim Herrmann blitzschnell gefordert hat, wenn niemand weiß, was deren Geheule bedeuten soll?

Flutkatastrophe im Ahrtal: Nicht 2015, sondern 2021 darf sich nicht wiederholen

Bei solch desaströsen Fehleinschätzungen und Kommunikationspannen wie in den jetzt von den Fluten zerstörten Gebieten hätten mehr Sirenen auf den Dächern auch nicht geholfen. Schließlich sind die frühzeitigen Bitten von Cornelia Weigand, den Katastrophenalarm auszulösen, so berechtigt wie erfolglos geblieben. Die Sirenen wären gar nicht rechtzeitig ausgelöst worden.

Gebetsmühlenartig proklamieren Bundespolitiker derzeitiger und derzeit schwindender Volksparteien, allen voran CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet bezüglich Afghanistan und der sogenannten Flüchtlingskrise, die Situation von 2015 dürfe sich nicht wiederholen. Jetzt sollten wir eigentlich erwarten dürfen, dass diese auf die damalige Lage bezogene populistische und Wählerstimmen heischende Stereotype umgewidmet wird. Der Juli 2021 darf sich nicht wiederholen. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier goss das in die Frage, was zu tun ist, um auf solche Extremwetterlagen besser vorbereitet zu sein.

Klimawandel ernst nehmen: Flüsse renaturieren, Wohnen am Wasser neu definieren

Das trifft sich mit dem Aufruf der Rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), das Ahrtal müsse jetzt nachhaltig und zukunftssicher entwickelt werden. Cornelia Weigand nannte das den klimagerechten Wiederaufbau des Ahrtals und leitet daraus sogar Entwicklungschancen für ihre Region ab: Sie könne ein Modell werden für die Mittelgebirgsflüsse in Europa.

Solche Perspektiven machen Mut, und sie nehmen den Klimawandel ernst. Extreme Wetterereignisse, das steht fest, werden zunehmen und sich wiederholen. Das Desaster im Ahrtal und anderswo aber darf sich nicht wiederholen. Bauliche Maßnahmen und Renaturierung der Flüsse, neue Konzepte für das Wohnen am Wasser stehen ganz oben auf der Prioritätenliste.

Klimawandel: Schluss mit Tricksereien und falschen Kompromissen!

Notwendig ist aber vor allem eine entschiedene Politik gegen den Klimawandel, ohne all die Wenns und Abers, die Politikerinnen und Politiker in den Talkrunden vor der Bundestagswahl 2021 platzieren, und die letztlich nur bremsen und verharmlosen. Ein solch trauriger Staatsakt sollte genug sein, um auch die letzten Zaudernden und Zweifelnden zu überzeugen. Spätestens jetzt muss Schluss sein mit falschen Kompromissen, Tricksereien und Herumgeeiere in der Klimapolitik.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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