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Verliebte in Dubai.
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Verliebte in Dubai.

Kolumne

Flitterwochen am Golf

  • Inge Günther
    vonInge Günther
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Viele Israelis reisen in arabische Staaten. So wird normal, was einst unmöglich oder verpönt war. Die Kolumne.

Sie wolle jetzt auch Arabisch lernen, erzählte mir kürzlich eine junge israelische Verkäuferin beim Verpacken meiner gerade erstandenen Küchenuhr. Sie war in Gesprächslaune, ich die einzige Kundin in dem winzigen Jerusalemer Einrichtungsladen. Und so kamen wir ins Plaudern über das Fernweh in Corona-Zeiten und ihren Wunsch, den Honeymoon am warmen Golf zu verbringen.

Arabisch galt bislang als ungeliebtes Nebenfach an israelischen Schulen. Aber das scheint sich zu ändern, seitdem sich für viele Israelis eine ihnen zuvor verschlossene Welt aufgetan hat. Den Schlüssel dazu lieferten die von der Netanjahu-Regierung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Bahrain unterzeichneten Abraham-Abkommen.

Allein im Dezember gab es bis zu 15 Direktflüge täglich zwischen Tel Aviv und Dubai. Zehntausende Israelis buchten sie für einen Urlaub in der glitzernden Wüstenmetropole mit ihren künstlichen Inseln und Luxusmalls, wo sogar bereits einige Restaurants koscheres Essen anbieten.

Dass die Rückkehrenden inzwischen nach Landung auf dem Ben-Gurion-Airport auf Covid-19 getestet und vorsorglich in Quarantäne geschickt werden, hat die Reiselust zwar gedämpft. Wegen Corona haben zudem die Golfstaaten die Israel zugesagten Visaerleichterungen jetzt auf Juli vertagt.

Aber das schmälert nicht ihre neuen engen Bande. Auch wenn gegenseitige Wirtschaftsinteressen und die Anti-Iran-Allianz eine Hauptrolle spielen, sie gehen darüber hinaus.

So wollen erstmals dreißig Blogger aus Bahrain und den VAE an Videokonferenzen teilnehmen, die „Zikaron BaSalon“ (Hebräisch für: Erinnern im Wohnzimmer) an diesem Sonntag, drei Tage vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, in mehr als fünfzig Ländern organisiert. Ein Novum auch, dass ein Arabisch sprechender Schoah-Überlebender zugeschaltet werden soll, um von seinem Leidensweg zu berichten und Rede und Antwort zu stehen.

Eine gute Sache. Nicht zuletzt, weil sie den Israelis hilft, sich in den Nahen Osten zu integrieren. Die Palästinenser:innen sehen indes mit Argusaugen, wie ihre jüdischen Nachbarn und die ölreichen Golf-Araber auf dicke Freunde machen.

Zu lange hatte die palästinensische Autonomieführung in Ramallah auf die Friedensinitiative der Arabischen Liga aus dem Jahr 2002 gesetzt, wonach eine Normalisierung mit Israel dessen Rückzug aus den besetzten Gebieten bedinge. Doch diese Trumpfkarte ist ausgereizt, nachdem auch Sudan und Marokko offizielle Beziehungen zu Israel aufnahmen.

Vermutlich werden die Saudis bald nachziehen. Bei der Dakar-Rallye 2021, die seit letztem Jahr ausschließlich auf ihrem Terrain stattfindet, ließen sie – eine weitere Premiere – auch zwei israelische Teams zu. Den saudischen Luftraum gaben sie schon im September für israelische Airlines, die Dubai anfliegen, frei. Kein Mensch rechnet damit, dass sich die von der Welt begrüßte Entwicklung zurückdrehen lässt.

„Liegt darin nicht auch eine Chance für euch?“, frage ich palästinensische Bekannte. Die aufgeblühten Beziehungen zwischen Israel und den arabischen Staaten in der Ferne könne man doch nutzen, um die Lage im Westjordanland zu verbessern. „Warum ladet ihr die Touristen vom Golf, die ihr Herz für Tel Aviv entdecken, nicht einfach ein, auch Ramallah zu besuchen?“ „Gute Idee, aber verfrüht“, erwidert ein Lehrer aus der Runde. Vorher müsse sich noch viel in den Köpfen bewegen. Darauf stoßen wir an.

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