Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Am Mittwochabend auf der Speisekarte in Brüssel: Steinbutt
+
Am Mittwochabend auf der Speisekarte in Brüssel: Steinbutt

Kolumne

Fisch und keine Extrawurst

  • vonManfred Niekisch
    schließen

Zum Dinner servierte Ursula von der Leyen Steinbutt, aber man spricht nur über Fischer, nicht über Fische.

Ob Ursula von der Leyen ihren Grill mit Gas oder Holzkohle befeuert, weiß man nicht. Es ist noch nicht einmal bekannt, ob sie überhaupt grillt. Jedenfalls konnte der britische Premierminister Boris Johnson schon ahnen, dass ihm die Präsidentin der Europäischen Kommission keine Wurst braten würde, schon gar keine Extrawurst, als er am Mittwochabend zum Dinner nach Brüssel eilte. Sie bewirtete ihn denn auch, passend zum Thema des Abends, mit Fisch.

Dem gedünsteten Steinbutt gingen, so hört man, Jakobsmuscheln voraus. Das dazu gereichte Kartoffelpüree war thematisch nicht relevant, denn es ging nicht um Kartoffelhandel, sondern um die Fischereiprobleme, die der Brexit mit sich bringt.

In Diplomatenkreisen heißt es zwar, gegenüber den ungelösten Fragen fairen Wettbewerbs sei Fischerei ein nachrangiges Problem. Die betroffenen Fischer dürften die Prioritäten aber anders sehen.

863 000 Tonnen Fisch zogen die Netze europäischer Fänger allein im Jahr 2018 aus britischen Gewässern. Die französischen Fischer holen mehr als ein Drittel ihrer Fangmengen aus den Gewässern des Vereinten Königreiches. Vor den besonders ertragreichen Küsten Cornwalls steht ihnen beispielsweise fast zehnmal mehr Kabeljau zu als den Briten. Sie sind vom Fang in den Meeresgebieten Großbritanniens existenziell abhängig geworden. Es nimmt kein Wunder, dass Boris Johnson darauf beharrt, nach dem Brexit alljährlich neue Fangquoten zu verhandeln, während die Europäische Union (EU) für die Fischer ihrer verbleibenden Länder langfristige Planungssicherheit erreichen will.

Weit auseinander liegen auch die Vorstellungen über die Fangquoten. Die Briten bestehen darauf, mindestens 60 Prozent der bisherigen Quoten zu bekommen, die EU bietet ihnen aber nicht einmal ein Drittel davon an. Nach den Worten eines britischen Funktionärs ist die Fischerei des Vereinigten Königreichs in einer unfairen, ausbeuterischen Beziehung mit der EU gefangen. Starke Worte, aber in der Tat sind die Briten bei den Quoten bisher nicht gerade auf der Gewinnerseite.

Ihre Trawler müssen zudem zwölf Seemeilen Abstand von der kontinentalen Küste einhalten, während die Fangschiffe der EU-Staaten sich der britischen Küste bis auf sechs Meilen nähern dürfen. Die Inselbewohner hingegen verdienen gut am Verkauf des Großteils ihrer Fischausbeute südlich des Ärmelkanals, auf dem Kontinent.

Beim Brüsseler Abendessen wurde das Fischereiproblem rein wirtschaftlich und machtpolitisch diskutiert. Dabei ist eine grundlegende Reform der Meeresfischerei in ganz Europa überfällig, und zwar nach wissenschaftlichen Kriterien.

Die Belastungen der Meere sowie die durch Übernutzung bedingten Rückgänge vieler Arten bringen die Fischindustrie ohnehin zunehmend in Bedrängnis. Egal, wie die Brexit-Verhandlungen ausgehen, wird es nötig werden, sich unter allen Nordsee-Anrainern zu verständigen, wie die Meeresfischerei künftig so gestaltet werden kann, dass die Nutzungsmöglichkeiten auf Dauer erhalten bleiben.

Vielleicht kann Ursula von der Leyen zu diesem Thema einmal zu einem Grillabend einladen. Egal ob mit Gas oder Holzkohle, denn er wäre derzeit eh nur virtuell möglich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare