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Aus dem Freiland ist bekannt, dass sich menschliche Anwesenheit positiv auf Pinguine auswirkt.
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Aus dem Freiland ist bekannt, dass sich menschliche Anwesenheit positiv auf Pinguine auswirkt.

Kolumne

Fernsehen für die Pinguine

  • vonManfred Niekisch
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Tiere im Zoo vermissen Besucherinnen und Besucher. Doch in der Antarktis können sich die Raubmöwen beim Coronavirus bedanken. Die Kolumne.

Es ist ein gigantisches Experiment. Statt der Millionen Besucherinnen und Besucher, die jeden Monat in die Zoos strömen, kommt derzeit niemand. Alles zu, wegen Corona. Die fehlenden Einnahmen stellen auch die Zoos vor gewaltige Probleme. Allerdings gibt es jetzt die besondere Chance, zu untersuchen, wie Zootiere auf die besucherlosen Verhältnisse reagieren.

Zwar stehen die Ergebnisse systematischer Studien noch aus, doch machen Tierpflegerinnen und Tierpfleger bereits interessante Beobachtungen. Sie sind bestens vertraut mit ihren Schützlingen und auch in Coronazeiten immer für sie da.

Während Vogelspinnen und Schildkröten ihre diesbezüglichen Gefühlsregungen nicht preisgeben, sind die Verhaltensweisen der Seelöwen und Menschenaffen eindeutig. Sie sind ziemlich verwundert und wohl auch ein bisschen gelangweilt. Denn normalerweise genießen sie die Aufmerksamkeit und Abwechslung, die ihnen Besucherinnen und Besucher bieten.

Die Menschen glauben sich vor der Glasscheibe, um Tiere zu betrachten. Die beobachteten Individuen dürften das genau andersherum interpretieren. Aus ihrer Sicht spielen sich hinter den Scheiben, dort wo die zahlenden Gäste stehen, bunte Programme ab, die ihrer Unterhaltung dienen. Sie gehören zur gewohnten Umwelt und zum normalen Tagesablauf.

Bleiben Besucherinnen und Besucher aus, ist das für Robby, Gorilla und Co etwa so wie für Homo sapiens ein kaputter Fernseher. Verhaltensbereicherung heißt das Stichwort. Derzeit sind die Pflegerinnen und Pfleger besonders gefordert, kreativ zu verhindern, dass es ihren Schützlingen langweilig wird.

Es ist andererseits denkbar, dass die besucherfreie Stille von Giraffen und anderen Fluchttieren als willkommene Ruhepause, also positiv empfunden wird. Tiere reagieren sensibel und sehr unterschiedlich auf Änderungen ihrer Umgebung und der Zeitabläufe. Wie, sollen nun Studien zum Beispiel durch die Universität Frankfurt ergeben.

Das Londoner Sea Life Aquarium geht ausgefallene Wege, um seinen Pinguinen die ausbleibenden Gäste zu ersetzen. Man zeigt der schwarz-weißen Truppe bunte Filme und Fernsehshows, damit sie den optischen Kontakt in Erinnerung behalten und auch, um sie auf den Ansturm von Besucherinnen und Besucher vorzubereiten, der nach dem Ende des Lockdown erwartet wird. Man darf sich getrost fragen, ob das tierpsychologisch sinnvoll oder nur ein Werbegag ist.

Aus dem Freiland ist bekannt, dass sich menschliche Anwesenheit positiv auf Pinguine auswirkt. Zumindest besagt eine Studie, dass die Jungenaufzucht in den Pinguinkolonien der Antarktis mehr Erfolg hat, wo touristische Nutzung an der Tagesordnung ist. Ganz im Unterschied zu menschenfreien Kolonien.

Freuen sich die Pinguine also über Besuche und brüten deswegen fröhlicher? Der Grund könnte ein anderer sein. Wo Menschen fotografierend durch die Kolonien stapfen, werden Raubmöwen, die Skuas, gestört und haben schlechte Chancen, Eier oder Küken der Pinguine zu stibitzen. Des Pinguins Freud ist der Skua Leid.

Jetzt, da die Kreuzfahrtschiffe pandemiebedingt wegbleiben, dürften diese Raubmöwen also bessere Jagderfolge haben. Die Skuas selbst wissen nichts über die Zusammenhänge. Sonst würden sie sich doch sehr wundern, was das Coronavirus so alles bewirkt.

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