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Olaf Scholz sitzt in einen Anzug gekleidet auf einem Stuhl im deutschen Bundestag. Um ihn herum sind weitere, leere Stühle. Er hat die Arme verschränkt und blickt konzentriert in die Ferne.
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Auf, auf zum Kampf, Scholz!

Kolumne

Spaltung der Gesellschaft: Fang schon mal an, Scholz!

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Wer vor der Spaltung der Gesellschaft warnt, sollte nicht bei der Floskel verharren, sondern gegen die verfehlte Politik ankämpfen. Eine Aufforderung an Olaf Scholz.

Eigentlich sei früher vieles besser gewesen, hört man oft. Das ist falsch. Aber es war einfacher strukturiert und somit überschaubarer. Nehmen wir doch mal die Unterschiede zwischen Arm und Reich. Bei uns in der Volksschule, wie die Grundschule damals hieß, löste unser Lehrer Herr Schröder das Problem Chancengleichheit schon zu Beginn des zweiten Schuljahrs. Da nämlich teilte er uns in zwei Gruppen. Links von ihm saßen „die Dummen“, wie er sagte, und rechts „die G’scheiten“.

Damit war auch die Frage nach der ferneren Zukunft, ach was, nach dem ganzen Leben von uns vierzig Buben unwiderruflich beantwortet. Die einen, zwölf an der Zahl, gingen drei Jahre später aufs Gymnasium, die restlichen auf die Hauptschule oder mit etwas Glück auf die Realschule oder mit weniger Glück auf die „Dummschule“, wie die Sonderschule damals hieß. Dass die einen allesamt Arbeiterkinder waren und die anderen Sprösslinge von Gelehrten, Fabrikanten oder Selbstständigen, war gewiss kein Zufall.

Olaf Scholz identifiziert die Probleme Deutschlands treffend - dessen Urheber vergisst er aber

Das hat sich geändert. Dennoch hat Vizekanzler Olaf Scholz mehr als recht, wenn er in der „Bild am Sonntag“ vor der Spaltung unserer Gesellschaft warnt, wie sie auch in den USA zu beobachten sei. Die Trennlinie verlaufe zwischen Arm und Reich und zwischen Stadt und Land, so Scholz, manche fühlten sich wie Bürger zweiter Klasse.

Das ist alles richtig – und es hat seine guten Gründe, von denen Scholz einige weise erkannte. So werden Großstädte immer mehr zu Gettos der Reichen und Studierten. Aber das ist kein Zufall, sondern Ergebnis verfehlter Politik. Wenn fast alle, die in einem Viertel wie dem Frankfurter Nordend als Verkäuferinnen, Müllwerker, Postboten, Pizzabäcker, Installateure, Dachdecker, Arzthelferinnen, Pflegerinnen und in vielen anderen wichtigen Berufen arbeiten, sich dort keine Wohnungen leisten können, sondern täglich von weither anreisen müssen, zeugt das von jahrzehntelanger katastrophaler Wohnungspolitik. Und wenn diese Menschen auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit Unsummen für die Benutzung vollgestopfter Busse und Bahnen bezahlen müssen, wegen stillgelegter Bahnstrecken und töricht getakteter Fahrpläne ewig unterwegs sind und statt dessen lieber mit dem Auto fahren, ist dies ein Beispiel jahrzehntelanger desaströser Verkehrspolitik.

Seit Corona sind die Missstände in der Bildungspolitik nicht mehr von der Hand zu weisen

Und wenn die Kinder dieser Menschen zwar in den Klassen nicht mehr in Dumme und Gescheite unterteilt werden, aber massiv unter maroden Schulen und Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal leiden, während andere mehr und mehr in teuren Privatschulen gehätschelt werden, ist dies eine Folge jahrzehntelang katastrophaler Bildungspolitik.

Und wenn die einen beim „Homeschooling“ im Kinderzimmer am eigenen Schreibtisch von studierten Eltern unterstützt werden, während andere – so sich ihre Familien überhauppt einen Computer leisten können – am Küchentisch einer zu kleinen Wohnung neben drei herumwuselnden Geschwistern, einer kochenden Mutter und einem überforderten Vater den Lehrstoff bewältigen sollen, brauchen wir das Wort „Chancengleichheit“ gar nicht erst in den Mund zu nehmen. Möge also die Forderung des Vizekanzlers nicht eine sozialdemokratisch-sentimentale Floskel bleiben, sondern massiv angegangen werden. Auf, auf zum Kampf, Scholz! (Michael Herl)

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