Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Menschen platzieren Unterstützungsbotschaften an einem Wandbild für den englischen Fußballspieler Marcus Rashford   in Manchester.
+
Menschen platzieren Unterstützungsbotschaften an einem Wandbild für den englischen Fußballspieler Marcus Rashford in Manchester.

Kolumne

Es hört nicht auf

  • Hadija Haruna-Oelker
    VonHadija Haruna-Oelker
    schließen

Wieder kocht der Rassismus hoch, als Schwarze Fußballer bei der EM ihre Elfmeter verschossen. Aber auch die Bewegung gegen den Hass ist noch lebendig. Die Kolumne.

Er ist wieder da! Der anti-Schwarze Rassismus. Gut ein Jahr nach den großen Black-Lives-Matter-Protesten endete die Europameisterschaft mit rassistischer Hetze, weil drei Schwarze Fußballer die Elfmeter für England verschossen haben.

Aufs Übelste wurden Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka im Netz beleidigt. Es wurde zu Gewalt aufgerufen. Schwarze Menschen sollen in Londons Straßen angegriffen worden sein. Die Politikerin Aminata Touré beschrieb auf Instagram das Gefühl, zu wissen, dass man als Schwarzer Spieler nur akzeptiert werde, wenn man gewinnt.

Ich erinnere mich an die WM 2010, als Michael Ballack nach einem Foul durch Kevin Prince Boateng ausfiel und sich zahllose Gruppen unter Namen wie „Kevin-Prince Boateng – gib deinen deutschen Pass ab!“ formierten. Deutsch sein, wenn’s ’reinpasst. Darum bedeutet Empowerment für Menschen mit Rassismuserfahrung, einen Umgang damit zu finden, dass sie mit zweierlei Maß gemessen werden. Und das ist nicht nur im Fußball so.

In der Studie „Black Lives Matter in Europe“ hat das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) jetzt mit anderen Forschungseinrichtungen Bilanz über Umfang, Form und Resonanz der Proteste 2020 in Deutschland, Italien, Dänemark und Polen gezogen. Sie unterschieden sich in ihrer Größe, geografischen Ausdehnung und Ausrichtung und ähnelten sich darin, dass sie oft von jungen Schwarzen und People-of-Color-Aktiven ohne vorherige Protesterfahrung oder Verbindung zu sozialen Bewegungen organisiert wurden.

Die größten Kundgebungen mit den meisten Menschen fanden in München und Berlin statt, während es in Italien die meisten, aber kleineren Proteste gab. In Deutschland, Dänemark und Italien wurde das koloniale Erbe als Thema mit aufgegriffen und in den beiden letzteren Ländern wurden Bezüge zum Leben von Geflüchteten gezogen, was in Deutschland leider selten geschah. Und heute?

Vor ein paar Wochen kamen in Berlin bei der BLM-Demo am Brandenburger Tor gerade noch tausend Menschen zusammen. Auch das Medieninteresse ist mau. „Wir haben schon genug zu Rassismus gemacht“, ist die Haltung in mancher Redaktion. Schade nur, dass ein paar Beiträge und Filme Rassismus nicht verschwinden lassen, wie die EM zeigt. Er ist noch da, steckt überall drin. Zwei Schritte vor, einer zurück. Was wir erleben, sind Wellen der Aufmerksamkeit für einen Protest, der auf dem Weg der Emanzipation nur Namen und Ausdrucksform verändert hat.

So gilt BLM als Kind der Bürgerrechtsbewegung in den USA, die seit 2013 heranwächst, nachdem der Wachmann George Zimmerman nach den tödlichen Schüssen auf den Schwarzen Teenager Trayvon Martin freigesprochen wurde.

Auch in Deutschland existiert die Schwarze Bewegung nicht erst seit 2020. Die US-Literaturwissenschaftlerin Audre Lorde hatte in den 80er Jahren Schwarze Frauen inspiriert, ihre Geschichten aufzuschreiben. Später organisierten sie sich in der heute noch aktiven Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) und ihrer Schwesterorganisation Adefra. Auch transnationale Netzwerke sind Bestandteil der Bewegung.

Den Mord an George Floyd betrachte ich als Katalysator, der Rassismus via Black Lives Matter wieder einmal skandalisierte. Dieses Mal auch in Europa und sicher nicht das letzte Mal.

Hadija Haruna-Oelker ist Autorin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare