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Grün: Der richtige Farbton für die Fensterläden.
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Grün: Der richtige Farbton für die Fensterläden.

Kolumne

Es grünt so grün

  • Richard Meng
    VonRichard Meng
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Welcher Farbton ist der richtige? Diese Frage stellt sich nicht nur bei der Wahl der Fensterläden.

Welches Grün? Handwerker stellen solche Fragen viel zu früh. In diesem Fall per Telefon, bevor die neuen Fensterläden produziert werden – was eigentlich logisch ist. Aber das richtige Ladengrün festlegen, bevor das Haus gestrichen ist? Tröstlich wenigstens, dass der Mann nur zwei Sorten Grün zur Auswahl stellt. Moosgrün oder tannengrün. Eher naturnah, wenn auch manchmal etwas grell wirkend – oder lieber dunkler, eleganter, distanzierter.

Im politischen Bereich würde man derzeit sicherlich noch eine dritte Variante für nötig halten. Nennen wir sie: leuchtendgrün. Ältere mögen da immer noch an radikalgrün denken, andere womöglich an giftgrün. Aber das ist es nicht, schon lange nicht mehr. Hervorzuheben wäre heutzutage eher die gute Abdeckfähigkeit und die optische Verträglichkeit, kombinierbar mit möglichst vielen anderen Farben.

Moosgrün scheint aus der Mode zu sein. Im Internet findet sich dazu der Hinweis, der Farbton gehöre nicht zu den Standarddekoren. Während Tannengrün als Tertiärfarbe beschrieben wird, eine Mischung aus drei Grundfarben. Nichts Originäres anscheinend. Jede Wette: Der Fensterladenbauer war sich der zeitgeschichtlichen Brisanz seines Farbangebots nicht bewusst.

Es ist aber auch gut so, dass er kein Leuchtendgrün angeboten hat. Das hätte nur Fragen aufgeworfen. Wem leuchtet es wie – und wohin? Genau solche Fragen stellt im politischen Bereich niemand, was wiederum das Wunder hinter dem grünen Wunder ist. Die Demoskop:innen fragen immer nur, wen man wählen mag und wer einem gefällt, was im Grunde Gefühlsfragen sind. Die berühmten Expert:innen und das Publikum beschäftigen sich lieber und ständig damit, wer warum abgewählt werden sollte.

Es ist wieder mal so eine Zeit, in der alle ihren Frust auf die aktuelle Politik projizieren und dann etwas nach oben gespült wird, das neu wirkt, zeitgefühlig, unverbraucht. Jetzt, da sie alle möglichst viel Grün verwenden und eine gewisse nachpandemische Sehnsucht nach Blickperspektiven deutlich wird.

Der schöne Begriff der Wechselstimmung ist dafür erfunden worden. Früher, einem altmodisch gewordenen Produkt geschuldet, war gerne vom Tapetenwechsel die Rede. Was ja bedeutet: Die Wand an sich ändert sich nicht.

Nun muss man gegen eine solch flapsige Begutachtung der innenpolitischen Lage einwenden: Es geht um was. Die Pandemie, das Klimathema, die soziale Spaltung – da wäre vieles, das die Auseinandersetzung lohnt. Aber wer führt die?

Grüne, springend von Rekordwert zu Rekordwert, jedenfalls nicht – vorsichtig ausgedrückt. Pandemiepolitisch, zum Beispiel, sind sie in der allgemeinen Frustlethargie die gefällig Besorgten. Fast immer mit dabei, wenn es um neue Einschränkungen geht. Aus Milieuschutzgründen leise gegen Ausgangssperren, ohne freilich zusammen mit der FDP dagegen zu klagen.

Bloß niemanden abschrecken also, ein Typ Lauterbach hätte es schwer zwischen so viel Softgrün. Persönliche Eigenmarken haben und wollen sie aber auch kaum mehr, alles wird Annalena. Sie werden dafür medial meistens gelobt, was früher genauso undenkbar gewesen wäre. Man muss sich fast die Frage stellen, ob Grün überhaupt noch eine Farbe ist. Oder eher eine Art Handelsmarke. Bestens platziert dort, wo gerade die Sterne vom Himmel fallen. Und alle dabei sein wollen, beim Auffangen.

Moosgrün oder tannengrün? Schön einfach, diese Frage. Es ist tannengrün geworden. Das Konglomerat aus drei ganz anderen Grundfarben. Aber wirklich sehr elegant.

Richard Meng ist freier Autor und Kuratoriumsvorsitzender der Karl-Gerold-Stiftung.

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