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Landwirtschaft und Umweltschutz: Es riecht nach Aufbruch – endlich

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Von: Manfred Niekisch

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Die politischen Spitzen von Umwelt- und Agrarressort werden endlich gemeinsam agieren. Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir.
Die politischen Spitzen von Umwelt- und Agrarressort werden endlich gemeinsam agieren. Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. © Frederic Kern/Imago

Endlich wollen die Ministerien für Landwirtschaft und Naturschutz kooperieren. Es bahnt sich eine Trendwende an, die gut ist. Die Kolumne.

Es ist schon mehr als zwei Jahrzehnte her, dass eine grüne Politikerin an die Spitze des Bundeslandwirtschaftsministeriums gelangte. Renate Künast stieß damals die Agrarwende an, die allerdings nur holpernd und stotternd begann. Anschließend hatten fünf Ministerinnen und Minister der CDU/CSU genug Zeit und politische Unterstützung, um zu verhindern, dass Ernst gemacht wurde mit der schon damals überfälligen Ökologisierung der Landwirtschaft.

Die gesamte Ära Merkel hindurch verhinderten Auseinandersetzungen und Reibungsverluste zwischen dem Landwirtschaftsministerium und dem Umweltministerium echte Fortschritte. Das vom Hause Klöckner torpedierte Glyphosat-Verbot und die unzureichende Gülleverordnung sind beredte Indikatoren für die angespannte Stimmung, die zwischen beiden Ministerien herrschte. Das unsägliche Gerangel um das Aktionsprogramm Insektenschutz endete immerhin mit dessen Beschluss durch die Bundesregierung.

Landwirtschaft und Umweltschutz: Es gibt viel zu tun

Viel Zeit wurde vertan, viele Chancen für den umweltfreundlichen Umbau der Landwirtschaft wurden verpasst, weil sich die Koalitionspartner nicht einigen konnten und der Deutsche Bauernverband mit der Ökologiebewegung vor allem Feindbilder verband.

Doch Nachkarten bringt jetzt nichts, zumal sich gerade Anzeichen für eine Trendwende abzeichnen. Sie beruhen in jedem Fall auf dem in den letzten zwanzig Jahren massiv angestiegenen Druck im sozialen und ökologischen Bereich. Das Sterben der Bauernhöfe, insbesondere der Kleinbetriebe greift um sich, Schweinezüchter haben Absatz- und Einkommenseinbrüche, die Landwirtschaft gilt nach wie vor als Hauptfaktor des Artensterbens, die Belastung der Böden mit Dünger und Pestiziden zeitigt weiter Schäden, die Rolle der Viehhaltung und der Moorvernichtung beim Klimawandel kann nicht mehr wegdiskutiert werden. Gleichzeitig fördert dieser Druck die Gesprächsbereitschaft und die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann.

Zum Autor

Manfred Niekisch ist Biologe und früherer Direktor des Frankfurter Zoos.

So war die Zeit überreif dafür, dass die politischen Spitzen von Umwelt- und Agrarressort endlich gemeinsam und kooperativ vor die Öffentlichkeit treten. Und das taten sie, die Neuen. Steffi Lemke und ihr ebenfalls grüner Kollege Cem Özdemir verkündeten einen neuen Aufbruch in Umwelt und Landwirtschaft. Es fiel sogar das Wort von der Freundschaft zwischen beiden Häusern. Bislang ungewohnte Töne aus Regierungskreisen.

Umweltschützende Landwirtschaft: Fleisch muss nicht jeden Tag auf den Teller

Mit der Absicht der gezielten Honorierung der Leistungen von Bäuerinnen und Bauern für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz ergeben sich endlich auch neue Einkommensperspektiven für einen gebeutelten Berufsstand, der eher Opfer als Treiber der gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (EU) ist. Was könnte das Bild vom Aufbruch noch abrunden?

Vielleicht ein starkes Wort aus dem Gesundheitsministerium, dass nicht jeden Tag Fleisch auf dem Teller liegen muss. Dazu gehört auch die Feststellung der Verbraucherverbände, dass ihrer Klientel hohe soziale und ökologische Standards wichtiger sind als niedrige Preise, und so fordern sie faire Preise für nachhaltig produzierte Lebensmittel. Solche Aussichten dürften alle Herzen höherschlagen lassen, nicht nur die Artischockenherzen. (Manfred Niekisch)

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