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Geldsegen für alle?
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Geldsegen für alle?

Kolumne

Erbschaft für alle!

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Wer in eine reiche Familie geboren wurde, darf irgendwann auf einen ordentlichen Geldsegen hoffen. Die Ungleichheit wird damit immer größer. Aber es ginge auch anders. Die Kolumne.

Eigentlich ist der Begriff ja schon reichlich abgedroschen. „Solidarität“, das riecht nach verstaubter Klassenkampfromantik, nach „Einer für alle, alle für einen“, nach nie gelebter, aber immer erträumter Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Doch Solidarität, das ist wohl ein Ideal, für das das menschliche Wesen nicht geschaffen ist.

Bedürfte es eines Beweises, schaue man sich nur das Geschehen um die Covid-Impfung an, wo ein hehres Ziel eines Volkes am Egoismus einer Minderheit scheiterte – worunter nun alle solidarisch leiden müssen. Sie funktioniert also nicht, die Idee, wonach Menschen „im Vertrauen darauf, dass andere sich in ähnlichen Situationen ebenso verhalten, im langfristigen Eigeninteresse Nachteile in Kauf nehmen“, wie der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas den Begriff definierte.

Wenn also die Karre schon gegen die Wand gefahren ist, denke ich mir da, kann ich auch noch einen draufsetzen und bemühe den zur hohlen Phrase verkommenen Wert ein weiteres Mal – und wenn schon, dann jetzt erst recht. Ein geeignetes Thema dafür scheint mir die Erbschaftsteuer zu sein.

Zur Person

Michael Herl ist autor und Theatermacher.

Dieses Instrument der weiteren Verungleichung Ungleicher wird seit dem Jahr 1906 nahezu unverändert angewandt, in all seiner Spalterei. Die Abgabe beträgt in Deutschland je nach Steuerklasse und Höhe der hinterlassenen Summe etwa sieben bis fünfzig Prozent. Das war und ist viel zu wenig. Richtig wären satte einhundert. Im Klartext: Was von Verblichenen an Geld- und Sachwerten bleibt, sollte gänzlich der Allgemeinheit zufallen. Also dem Staat. Also uns allen.

Denn wem sollten diese unsterblichen Überreste denn sonst zustehen? Jemandem, der oder die nach wenigen Minuten Lust-abfuhr entstanden ist? Dann über Jahre hochgepäppelt wurde, mit viel Geld durchgefüttert, seine Eltern bis zu seinem 18. Lebensjahr durchschnittlich 148 000 Euro kostete? Der oder die überhaupt nichts dafür kann, in einem der reichsten Länder der Erde geboren worden zu sein, und zusätzlich womöglich noch in einer wohlhabenden Familie?

Klar, man kennt den Satz aus der Nachkriegszeit, „meine Kinder sollen es mal besser haben als ich“. Das ist nobel und nachvollziehbar. Doch „es besser haben“ sollte nicht bedeuten, nach dem Ableben der Alten in Reichtum zu schwelgen, sondern – bestenfalls – optimale Startvoraussetzungen in ein besseres Leben beschert zu bekommen. Also eine vollwertige und ausreichende Ernährung, genügend warme Kleidung, eine menschenwürdige Wohnmöglichkeit, eine gute Schulbildung und eine sachkundige Förderung seiner Talente. Sämtlich Grundversorgungen, die im Grunde selbstverständlich sein sollten, jedoch längst nicht allen gegeben sind. Schon in unserem Land nicht, und erst recht nicht in anderen Regionen dieser Welt.

Mit optimalen Bedingungen für den weiteren Verlauf ihres Lebens gesegnet sind bei uns lediglich Sprösslinge Wohlhabender. Andere müssen kämpfen – erst recht, wenn sie von den rund 400 Milliarden Euro, die in Deutschland jährlich vererbt werden, nichts abbekommen. Das sind mit wachsendem Abstand die meisten, und es werden angesichts zunehmender Vermögensungleichheit immer mehr.

Die Lösung dieser Problematik wäre einfach: die Verteilung aller Hinterlassenschaften an alle.

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