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Entdeckung zu Weihnachten

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Von: Manfred Niekisch

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Die Weihnachtsinsel ist zwar nicht voller Weihnachtsmänner, aber dafür voller roter Krabben.
Die Weihnachtsinsel ist zwar nicht voller Weihnachtsmänner, aber dafür voller roter Krabben. © dpa/(Archivbild)

Geschützt werden müssen Gebiete, die wichtig sind für Klima und Biodiversität. Nicht nur die, mit denen man sonst nichts anfangen kann.

Die Weihnachtsinsel wird, und das mag kaum überraschen, nicht von Weihnachtsmännern bewohnt. Einmal abgesehen davon, dass deren Population ohnehin nur mit Weihnachtsfrauen überlebensfähig gewesen wäre, von denen eigentlich nirgends auf der Welt die Rede ist.

Aber die Insel, Tausende Kilometer vom Mutterland Australien entfernt, hat ihren Namen nicht etwa nach der Urbevölkerung bekommen, sondern von christlichen Seefahrern, die sie just an Weihnachten vor fast 400 Jahren entdeckten. Zu diesem Zeitpunkt war sie unbewohnt.

Nicht nur das unterscheidet sie von der Osterinsel mitten im Pazifik, welche von menschlicher Bevölkerung schon jahrhundertelang überformt war, als Niederländer dort landeten. Wieder war ein christliches Fest Namenspate, denn dies begab sich zu Ostern vor rund 300 Jahren.

Ein besonders geeigneter Tag zur Entdeckung bis dato unbekannter Inseln, wenn man denn die Namensgebung zugrunde legt, scheint der Jahreswechsel gewesen zu sein. Neujahrsinseln gibt es gleich mehrere.

Besonders nachhaltig sind bis heute die Auswirkungen der mit den Schiffen eingeschleppten Ratten, die keine Lust mehr auf alten Schiffszwieback hatten und sich nun an der vorgefundenen Tier- und Pflanzenwelt gütlich taten. Sehr zu deren Nachteil.

Auf manchen Inseln setzten die Seeleute gezielt Haustiere aus, um bei späteren Touren in die Region lebenden Nahrungsmittelvorrat jagen zu können. Auf den Galapagosinseln entwickelten sich insbesondere ausgesetzte Ziegen für die Schildkröten zu einer tödlichen Bedrohung. Sie fraßen den gepanzerten Riesen, nach denen die Inseln benannt worden waren, schlichtweg die Nahrung weg.

Vielerorts wird inzwischen versucht, schädliche tierische Invasoren zumindest unter Kontrolle zu bekommen. Auf den Galapagosinseln gelang das gut, indem man mit Sendern bestückte Ziegen aussetzte. Die suchten als soziale Tiere prompt ihre sonst schwer aufzuspürenden Artgenossen und verrieten sie so den Jägern. In Fachkreisen nennt man diese gehörnten Verräter Judasziegen.

Inseln beherbergen aufgrund ihrer isolierten Lage oft seltene Arten – oder man sollte sagen beherbergten, denn oft schon ganz kurzfristig nach der Landung der Entdecker begann die Ausrottung. Auf manchen Inseln ist die Ausrottungsgeschichte besonders gut dokumentiert, weil Ausgangssituation, Start und Umstände der menschlichen Besiedlung bekannt sind, doch hat sich das Phänomen mit rasender Geschwindigkeit über die ganze Erde verbreitet.

Fauna und Flora der Weihnachtsinsel hatten so lange ihre Ruhe, bis dort große Phosphatvorkommen entdeckt wurden. Wenn jetzt davon geredet wird, dass mit den Beschlüssen von Montreal 30 Prozent der Land- und Wasserflächen unter Schutz gestellt werden sollen, darf das nicht bedeuten, dass nur wirtschaftlich unbedeutende Gebiete geschützt werden.

Dort, wo es um den Abbau von Naturschätzen geht, ist es besonders wichtig, die Bergung wertvoller Rohstoffe abzukoppeln von den negativen Umweltauswirkungen. Geschützt werden müssen die Gebiete, die für Biodiversität und Klima besonders wichtig sind. Nicht nur die, mit denen man sonst nichts anfangen kann. Das ist kein frommer Weihnachtswunsch, sondern gilt zu Ostern, Neujahr und zu jeder anderen Jahreszeit.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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