Auffällige Puppen als Anti-Atom-Protest vor dem Atomkraftwerk in Grohnde.
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Ein dauerhaft sicherer Aufbewahrungsort für 1900 Castorbehälter mit hochradioaktiven Abfällen wird gesucht.

Kolumne

Endlager Garage

  • vonManfred Niekisch
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Wohin mit dem Atommüll, ist eine teure Frage. Seit neuestem kann sich jeder an der Suche beteiligen.

So richtig knackig kommt er nicht daher, der Titel „Fachkonferenz Teilgebiete“. Umso brisanter ist, was sich dahinter verbirgt. Immerhin ist es das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), welches zur Teilnahme an der zunächst digitalen Veranstaltung einlädt.

Es geht um nicht weniger als die Suche nach einem dauerhaft sicheren Aufbewahrungsort für 1900 Castorbehälter mit hochradioaktiven Abfällen. Dazu ist es höchste Zeit, denn der deutsche Atomausstieg ist beschlossene Sache. Der Müll, den uns die Nutzung der Atomkraft beschert hat, muss irgendwo untergebracht werden.

Auf der Suche ist die eigens dazu gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Sie will die bisherigen Ergebnisse in einem Auftakttermin im Oktober in Kassel vorstellen. Das wird sehr spannend. Denn nach allem was in den letzten Jahren an Protesten zu vernehmen war, drängt sich keine Gemeinde danach, dieses Endlager zu bekommen.

Nun will die BGE berichten, welche Gebiete geologisch nicht geeignet sind. Da wird es ein Aufatmen geben bei all denen, die damit aus der Suche ausscheiden. Dagegen dürften die Bewohner auf die Barrikaden gehen, deren Heimat nach den vorsichtigen Worten des suchenden Unternehmens „im weiteren Verfahren zunächst noch weiter vertieft betrachtet werden sollten“. Man tappt also noch völlig im Dunkeln, was mit dem strahlenden Restmüll passieren soll.

Jedenfalls sollen Suche und Entscheidung nach dem Willen des Gesetzgebers beteiligungsorientiert geschehen. Jeder, der will, kann sich an der Suche beteiligen. Deswegen sollen die Erläuterungen zu Prozess und Ergebnissen in einer Sprache vorgetragen werden, die auch für Nicht-Expertinnen und -Experten verständlich ist. Und das BASE hat schon eine Geschäftsordnung entworfen, um all die Teilnehmenden bei ihrer Selbstorganisation zu unterstützen.

Es wird sich wohl kaum jemand melden, der in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt, dabei glücklicher Weise während der Kurzarbeitszeit die Garage oder den Keller aufgeräumt hat und diese nun gegen entsprechende Miete als Endlager zur Verfügung stellen möchte.

Oder ein geeignetes Plätzchen an seinem Wohnort vermutet. Immerhin haben die Betreiber der Kernkraftwerke für die sichere Verwahrung ihrer Hinterlassenschaften rund 24 Milliarden Euro bereitgestellt.

Durch das gesamte Atomzeitalter zog sich das Märchen vom unverzichtbaren, billigen und sicheren Atomstrom. Wer auf diese Mär bisher hereingefallen ist, bekommt nun klar vor Augen geführt, dass die Atomlobby und die mit ihr verbandelten Politikerinnen und Politiker seit Jahren Humbug erzählt haben.

Das Bundesamt BASE, die bundeseigene BGE, die bis heute vergebliche Suche nach einem Endlager, der Rückbau der Atomkraftwerke, sie alle verursachen immense Kosten, die von den Befürwortern der Atomkraft gern verschwiegen wurden und werrden. Und niemand weiß, wohin mit den vollen Castorbehältern.

Bloß gut, dass dieser Atomspuk bald vorbei ist. Das letzte deutsche Kraftwerk wird zum Jahresende 2022 abgeschaltet. Man darf gespannt sein, wo der Müll landet.

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