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Claudia Neumann war es, die im ZDF vielen Freund:innen des beliebten Rasensports das Bier verhagelte.
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Claudia Neumann war es, die im ZDF vielen Freund:innen des beliebten Rasensports das Bier verhagelte.

Kolumne zur EM 2021

Im sportpolitischen Neandertal: Fußball-Kommentatorin Claudia Neumann wegen Stimme kritisiert

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Fußballfans arbeiten sich seit mittlerweile fünf Jahren pünktlich zu internationalen Wettbewerben an Kommentatorin Claudia Neumann ab – aber warum? Die Kolumne.

So sicher wie das Amen in den Kirchen, genauso sicher entdecken nicht wenige Fußballfans alle zwei Jahre ihre Expertise in Sachen akustischer Sprachästhetik. Genau genommen hat sich die Empfindlichkeit ihres Gehörs im Jahr 2016 herausgebildet, als etwas geschah, was in der Welt einer ritualisierten Männeroper niemals hätte stattfinden dürfen.

Fußball-Kommentatorin Claudia Neumann: „Einfach schlecht“

Eine Frau wurde bei der EM in Frankreich erstmals als Live-Kommentatorin eingesetzt. Claudia Neumann war es, die im ZDF vielen Freund:innen des beliebten Rasensports das Bier verhagelte. Und dieses Erlebnis scheint traumatisch gewesen zu sein.

„Ich habe selbst eine Frau und bin mit vielen befreundet – bin also kein Frauenfeind. Frau Neumann ist aber einfach schlecht“, hieß es seinerzeit unfreiwillig originell auf Facebook, wobei mit „schlecht“ die Stimme gemeint war, was denn sonst? Twitter war voll, Facebook war voll, die Fußballwelt stand kopf wegen Neumanns Stimme. Nun könnte man sagen, ok, die Panik, dass Frauen jetzt den internationalen Männerfußball erobern, hatte kompensiert und ergo nach außen getragen werden müssen. Man soll Kummer schließlich nicht in sich hineinfressen.

EM 2021: Kontroverse um Claudia Neumann geht weiter

Doch dann kam die WM 2018 in Russland, und der Spiegel titelte: „Claudia Neumann aufs Übelste beschimpft.“ Die Leistung der deutschen Kicker, die bereits nach der Vorrunde wieder heimfahren mussten, dürfte für weniger Aufregung in den sozialen Netzwerken gesorgt haben als die vermeintlich „nervige Stimme“ der Kommentatorin. Eventuell eine weitere Kompensationsleistung, sozusagen eine kollektiv aufgepeitschte Aufregung, um das Gerumpel von Jogis Jungs zu verdrängen? War ihnen gar eingefallen, dass dieses Massengeplärre gegen eine Frau 2016 schon so fabelhaft funktioniert hatte?

Nun sollte man bei der EM 2021 meinen, der Drops sei gelutscht und der Fokus richte sich nun auf Fußball in Corona-Zeiten, Hansi Flick oder Rassismus – und nicht auf die seit mittlerweile fünf Jahren bekannte Stimme von Claudia Neumann beziehungsweise ihren Einsatz als Kommentatorin.

Claudia Neumann – Kritiker lehnen Frauen als Fußball-Kommentatorin generell ab

Doch da haben wir die Rechnung ohne die akustisch sensibilisierte Wahrnehmung der Sportfreund:innen gemacht: Pünktlich zu Claudia Neumanns erstem Einsatz beim Spiel Belgien gegen Russland wurde sozial gekreischt, als gäbe es kein Morgen.

Woran mag das liegen? Ob der kollektive Radau wohl nur an den Wunsch gekoppelt ist, Neumann schlicht aus ihrem Job zu mobben? Damit dürften sich die Herren und Damen in ihrer Machtfülle überschätzen, denn Hass in sozialen Netzwerken funktioniert auch nur dann, wenn man ihn an sich heranlässt. Und das macht Neumann nicht, die übrigens am Donnerstag (17. Juni 2021) das Spiel Dänemark gegen Belgien kommentierte.

Sportpolitisches Neandertal: Es ging nie um Fußball-Kommentatorin Claudia Neumann

„Frau Neumann hat eine scharfe Stimme mit eher hohen Frequenzen. Das allein erklärt aber meiner Meinung nach nicht, warum einige ihre Sprechweise als unangenehm empfinden. Das hängt wohl viel eher damit zusammen, dass ihre Kritiker eine Frau als Kommentatorin eines Fußballspiels generell ablehnen“, wagte übrigens der Sprachforscher Michael Fuchs bereits 2016 einen zaghaften Erklärungsansatz.

Das ist dahingehend zu ergänzen, dass es hier natürlich nie um Claudia Neumann gegangen ist. Es geht, wie so oft, um das Aufrechterhalten einer Struktur, die so patriarchal und überholt sein kann, wie sie lustig ist. Frauen dürfen überall rumwuseln, geschenkt. Aber so richtig mitreden bei der wichtigsten internationalen Männeroper? Niemals. Da bleiben viele lieber im sportpolitischen Neandertal. (Katja Thorwarth)

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