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Elfenbeinhandel: Jagd auf Elefanten hat Genmanipulation zur Folge

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Von: Manfred Niekisch

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Die Veranlagung für große Stoßzähne wurde durch die Jagd auf Elefanten aus den Populationen herausgeschossen. Das hat Folgen nicht nur für die grauen Riesen. Die Kolumne.

Eigentlich war es absehbar, dass es so kommen musste. Denn seit Beginn der Kolonialzeit in Afrika haben die weißen Jäger (und ganz wenigen Jägerinnen) gezielt die Elefanten abgeschossen, die besonders schöne Trophäen lieferten. Also die Bullen mit großen Stoßzähnen. Oder auch weibliche Tiere, wenn sie nur ordentlich Elfenbein trugen. Mit einem Management der Populationen der grauen Riesen, wie es heute manche afrikanischen Staaten aus Platzmangel für nötig halten, hatte das nichts zu tun.

Es ging darum, sich als Großwildjäger mit dem vorzeigbaren Jagderfolg brüsten zu können. Je größer die Stoßzähne, desto beeindruckender die erlegte Beute, umso hervorragender die jagdliche Leistung, das war die Einstellung. Dieses Denken galt nicht nur in der Kolonialzeit, sondern herrscht in der Großwildjagd bis heute vor. Warum sonst sind auf so vielen Fotos mit den aus Spaß an der Jagd geschossenen Tieren die Schützen deutlich hinter ihren Opfern platziert? Da wirken die toten Elefanten, Nashörner, Löwen und Büffel doch gleich noch gewaltiger.

Elfenbeinhandel hat Folgen: Jagd auf Stoßzähne der Elefanten hat Genmanipulation zur Folge

Die ersten Jagdsafaris stehen am Beginn einer Entwicklung, welche die Elefanten tiefgreifend verändert hat. Die genetische Veranlagung für große Stoßzähne wurde mit dem selektiven Tod dieser schönen und gewaltigen Tiere aus den Populationen herausgeschossen und geht so über die Jahre verloren.

Was lange Zeit allenfalls empirisch festgestellt werden konnte, ist nun wissenschaftlich erwiesen. Afrikanische Elefanten kommen zunehmend ohne Stoßzähne zur Welt.

Dazu bot der grauenhafte Bürgerkrieg in Mosambik, der von 1975 bis 1992 währte, die Forschungsmöglichkeit. Denn dort wurden Elefanten des Landes in großer Zahl geschossen, weil die Bürgerkriegsparteien mit dem Verkauf von Elfenbein Waffen und anderes Kriegsmaterial, ja den Krieg selbst finanzierten. Nicht von ungefähr wird das begehrte Zahnmaterial als weißes Gold bezeichnet.

Ein Afrikanischer Elefant im Opel Zoo.
Ein Afrikanischer Elefant im Opel Zoo. © Hans-Jürgen Schmidt/Imago

Forschende der Princeton University in den USA analysierten Genmaterial der Elefanten vor dem Krieg, währenddessen und danach und konnten belegen, dass der Selektionsdruck dazu führt, dass die seit dieser Zeit geborenen Elefanten nur noch kleine Stoßzähne ausbilden – oder gar keine mehr.

Jagd auf Elefanten: Weitgehendes Verbot für den Handel mit Elfenbein in der EU seit Januar in Kraft

Und warum ist das so wichtig? Ganz einfach, diese verlängerten Schneidezähne erfüllen ihren rechtmäßigen Trägern vielfältige Funktionen als Werkzeuge beim Graben nach Wasser und Mineralien, bei der Nahrungsbeschaffung, als Waffen und zum Imponieren bei Rangkämpfen. Zudem sind sie von erheblicher Bedeutung bei der Gestaltung der Lebensräume durch die Elefanten auch für zahlreiche andere Arten. Die zahntragenden Dickhäuter nehmen in ihren Habitaten eine Schlüsselrolle für die dortigen Lebensgemeinschaften ein.

Im Januar trat in der Europäischen Union (EU) ein weitestgehendes Verbot für den Handel mit Elfenbein in Kraft, von dem man nur hoffen kann, dass es mehr bewirkt als das seit 1974 durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen ohnehin schon bestehende Handelsverbot. Es enthielt viele Schlupflöcher und wurde in der Tat allzu oft ausgehebelt.

Die Genmanipulation mit dem Gewehr ist damit aber keineswegs zu Ende, denn in Afrika werden die Elefanten weiter massiv gewildert für den illegalen Handel mit ihrem weißen Gold. Und in Europa sind die Jagdtrophäen von den strikten Verboten ausgenommen. Sie dürfen weiter eingeführt werden. So nimmt dieser Wahnsinn kein Ende.

Manfred Niekisch ist Biologe und früherer Direktor des Frankfurter Zoos.

Wilderei, eingeschränkte Lebensräume, Klimawandel: Auch die afrikanischen Waldelefanten gelten als akut vom Aussterben bedroht.

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