Ein Präsident mit Haltung: Peter Fischer beim Spiel von Eintracht Frankfurt gegen den AS Monaco.
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Ein Präsident mit Haltung: Peter Fischer beim Spiel von Eintracht Frankfurt gegen den AS Monaco.

Umgang mit Rechtsextremen

Ob Hanau oder die AfD: Eintracht-Präsident Fischer macht vor, wie es richtig geht

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Peter Fischer hat als Präsident von Eintracht Frankfurt die extreme Rechte immer kritisiert. Ihn sollten sich Funktionäre zum Vorbild nehmen. Die Kolumne.

Peter Fischer, Präsident des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, ist für seine kompromisslose Haltung die extreme Rechte betreffend bekannt. AfD-Wähler hätten bei der SGE nichts verloren, hatte er mehrfach betont und sich nicht von einer – erfolglosen – Strafanzeige der Hessen-AfD einschüchtern lassen.

Am vergangenen Samstag in Hanau hat er es wieder getan. Angehörige, Überlebende und Freunde waren zusammengekommen, um der Opfer des rechtsterroristischen Anschlags vom 19. Februar zu gedenken. Wegen der Corona-Pandemie war die Veranstaltung von einer bundesweiten Demonstration zu einer reinen Kundgebung heruntergeschrumpft worden. Dennoch konnten viele Menschen vor Ort ihre Stimme gegen Rassismus erheben, konnten ihren Schmerz in Worte fassen, die gesellschaftliche Ignoranz anklagen, Antworten auf offene Fragen von staatlichen Institutionen einfordern.

Eintracht-Präsident Fischer in Hanau: „Wir wollen keine Nazis“

Als Gastredner wurde auch Peter Fischer deutlich: „90.000 Mitglieder in meinem Verein sind gegen diese scheiß Rassisten, gegen diese scheiß AfD, sie zeigen klare Kante: Wir wollen keine Nazis. Wir brauchen Euch braunen Sumpf nicht“, ließ er erneut keinerlei Zweifel aufkommen, wie ernst er sein Engagement gegen Rassismus und die Not der Opfer rassistischer Gewalt nimmt. Und damit seine politische Positionierung.

Das kam in der Vergangenheit nicht bei allen Kollegen aus dem Profi-Fußball gleich gut an. Ralf Rangnick beispielsweise forderte für den Fußball eine „unpolitische Rolle“. Andere Sportfunktionäre lassen Positionen gegen Rassismus zu, scheinen jedoch ihre fehlende politische Verantwortung immer dann für sich zu markieren, wenn das eigene Handeln sie zum „Farbe bekennen“ verpflichtet.

Bayern München hält weiterhin die Trainingslager in Katar ab

Beispiel gefällig? Der FC Bayern schert sich – analog zum CL-Finalgegner Paris Saint-Germain – einen feuchten Kehricht um die Kritik am alljährlichen Trainingslager in Katar. Die Beziehungen wurden vielmehr mit dem Qatar Airways-Deal weiter intensiviert. „Ich habe noch keinen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Also, die laufen alle frei rum“, hatte die bayerische Lichtgestalt Franz Beckenbauer einst auf Nachfrage nach der Menschenrechtssituation den Journalisten in die Feder diktiert, als es um die WM-Vergabe ging. Dass die Scharia als Hauptquelle der Gesetzgebung dient, scheint weder seinerzeit noch aktuell eine Randnotiz wert.

Beste Beziehungen: Der FC Bayern München beim Trainingslager in Katar im Januar 2020.

„Dem Sport ist zu aller Zeit aus gutem Grund immer die größte Bedeutung beigemessen worden: er unterhält die Massen; und vor allem die Diktatoren wissen, warum sie immer und in jedem Fall für den Sport sind“, hatte der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard Anfang der 80er Jahre festgehalten.

Schalke 04: Erst als es um Corona ging, wurde gehandelt

Vor allem betreibt der Sport ablenkende Kosmetik, wie beim Schalker Ex-Aufsichtsrat Clemens Tönnies. Rassistische Äußerungen hatten 2019 vielleicht an der Fassade gekratzt, sein Amt musste er nicht aufgeben. Unter anderem, weil Leute wie der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel ihm die Stange gehalten hatten.

Denn, merke: Einer wie Tönnies darf zwar Rassistisches äußern, kann aber scheint’s alleine aufgrund seines Postens qua Definition kein Rassist sein. Der Fleischfabrikant musste erst zwei Landkreise in die Corona-Quarantäne treiben, bis er bei den „Knappen“ nicht mehr zu halten war.

Und Peter Fischer? Der hat wie kaum ein anderer Funktionär in jüngerer Zeit Fußball mit Antifaschismus verknüpft. Ganz ohne Kosmetik. (Katja Thorwarth ist Autorin und FR-Redakteurin)

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